Montag, 20. Februar 2017

"Sine dubiis" - wir gehen mit Papst Franziskus und der sinnlich erfahrbare Gott ohne Papst Franzisksus



„Sine dubiis“ und der sinnlich erfahrbare Gott

Auf dem katholischen Internetforum für katholische Lebensart („TheCathwalk“ https://thecathwalk.net/2017/02/18/sinedubiis-wir-gehen-mit-papst-franziskus/ ) und dem Blog Davis Bergers („Philosophia perennis“  https://philosophia-perennis.com/2017/02/20/news-der-postkatholische-papst/amp/ ) geht der Pingpongball in Sachen Franziskus, Papsttum und der Frage, was nun die katholgetränkte und weihrauchschwangere Eigentlichkeitstradition ist, heftig weiter.

Monatelang musste man rund um die Familiensynode 2014/15 aufseiten der Konservativen, aber in der Kirche Verbliebenen, die Prophezeiung vernehmen, bestimmt werde aber nun ein Papst endlich mal so richtig häretisch werden und das Dogma der Dogmen (nach dem allerheiligsten Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes versteht sich), nämlich die Unauflöslichkeit der Ehe auflösen. Ich gebe zu, dass ich anfangs unter dem Einfluss dieses Geheuls stand und selber so dachte.

Inzwischen habe ich viel gelesen und viel gehört, viele Katholiken erlebt und mir die illustren Zeugnisse des 19. Jh angetan, Zeugnisse schlimmster Verlogenheit, Intriganz, Gefühllosigkeit, Härte, Unbarmherzigkeit, sexueller Entgleisungen und brutalen Machtmissbrauchs gegen alles, was sich weigerte, diese ultramontan—infallibilistischen, superfromm—wundersüchtigen Pillen zu schlucken, die nicht nur Pius IX. sondern auch eine ausgesprochen tätige Truppen fanatischer Vasallen, damals vor allem im Jesuitenorden zu finden und unter den Neuscholastikern, unters Kirchenvolk wie eine Medizin gegen die bösen Neuerer, „Freimaurer“ und „Modernisten“ brachten.
Die Wahrheit ist, dass die größten Neuerer diese Fraktionsgenossen selber waren. Ihre Erfindungen sind so verstiegen und so stark propagiert worden, dass viele Menschen nach zwei Generationen nicht mehr wussten, dass das alles gar nicht zur Tradition der Kirche gehört. Plötzlich gab es ein „ordentliches Lehramt“ und ein „außerordentliches Lehramt, „Kathedralentscheidungen“, wobei bis heute unklar ist, was eigentlich darunter fällt, es gab seit dem Beginn des 19. Jh ein explosionsartiges Anwachsen von Erscheinungen, Eingebungen und Visionen, und wundersamerweise bestätigten sie immer den Papst und nie dessen Mahner. Dass es so etwas nie zuvor in der Kirche gegeben hatte, war den meisten gar nicht klar. Alle Naslang erschien die Gottesmutter und tut das bis heute, als ob das zum Bestand des überlieferten Glaubens gehörte, und in vielen Orten pilgert der konservative Tross des wahren Glaubens zu ortseigenen Seherinnen, die natürlich alle „papsttreu“ und „marianisch“ sind, wobei ein echter „Heiliger Vater“ ultramontan, infallibilistisch, autokratisch und irgendwie „pianisch“ sein muss. Ich bin außerstande, dieses Treiben mit dem, was ich im Neuen Testament lese, zusammenzubringen. Es ist, als wären das zwei völlig verschiedene Religionen.
Das Ergebnis der Kampagnen, Indizierungsverfahren, Hetzorgien, Gehirnwäschen und Erpressungsfeldzüge, die ins Vaticanum I mündeten und aus ihm umso stärker wieder ausflossen, war die geradezu magische Fetischisierung des Papstes, ein dazu instrumentalisierter Marianismus, die erwähnte explodierende Erscheinungs— und Wundersucht und eine Unterwerfungsmentalität, die dem rabiaten Islam alle Ehre hätte machen können und ihn manchmal sogar toppt.
Anti—Freimaurerhetze, Judenhass, Royalismus um jeden Preis, Frauen—Bashing, Führerkult, die Förderung des Faschismus, die Formalisierung und Erstickung des lebendigen Glaubens, die endgültige Total—Sakramentalisierung und die Aushöhlung des Apostolats der Laien waren das finstere Ergebnis dieses Ungeistes. Der Papst wurde zum Gott auf Erden, und viele vergaßen darüber den wirklichen und wahren Gott. Man war der Form halber fromm und tat viele Kniebeugen und Kreuzzeichen bei der Eucharistiefeier, und doch nahm man den Herrn, der doch demütig, gewaltlos und der „Letzte“ blieb, weniger in sich auf als die Ideologie eines hierokratischen Machtanspruchs des Papsttums auf die Seelen. Ja, man identifizierte den Anspruch Gottes auf uns Menschen, ohne mehr eine Differenzierung vorzunehmen, mit dem Anspruch des Papstes und der Hierarchie auf die Seelen. Alsbald äffte die Welt solchen Absolutismus in diversen Totalitarismen nach. Ohne Vaticanum I ist wohl weder der Faschismus noch der sozialistische Totalitarismus denkbar. Der berühmte Spruch von der Partei, die immer recht hat, vom Chef, der immer recht hat, hatte sein Vorbild im Papst, der immer recht hatte, einfach deswegen, weil er recht hatte.

Nun haben wir erlebt, dass aber Päpste kamen, die den übersteigert—autoritären Wahnsinn des 19. Jh oder noch Pius X. im 20. Jh nicht weiterführen wollten. Das begann gleich nach Pius X. mit Benedikt XV., der, samt den Kardinälen Rampolla und Gasparri, prompt als heimlicher in die Kirche eingeschleuster Freimaurer gehandelt wurde. Beweise blieb man für solche Unterstellungen grundsätzlich schuldig. Aber bis heute wird der Unsinn weitergetragen und dem Traditionsnachwuchs eingeträufelt wie ein Gift, das nicht mehr neutralisiert werden kann. Den total auf diese alten Gespenster und ihre Ideologien eingeschworenen Klerikern und Gläubigen stockte der Atem: das konnte ja dann nur der Antichrist sein, wenn ein Papst von diesem Gift nichts hielt oder sich irgendwie öffnete für das total—tabuisierte und dämonisierte methodische Denken der Gegenwart…
Auf den Gedanken, dass die, die sie zuvor überhaupt durch ihren a—katholischen Anspruch in solche Gewissensnöte gebracht hatten, vielleicht viel eher der Antichrist oder schlicht falsche Lehrer gewesen sein könnten, kamen all diese braven Leute bis heute nicht.
Ein kurzer Streifzug durch die Kirchen— und Theologiegeschichte hätte ihnen zeigen müssen, dass dem Papsttum nicht das zukommen kann, was das 19. Jh behauptet hatte. Stimmte das Papstbild des Vaticanum I, müsste man sagen, dass die Kirche erst in der Neuzeit gegründet wurde und mit der alten Kirche nichts zu tun hatte, deren Papstgeschichte über lange Zeiten eine einzige Katastrophen—, Macht— und Intrigengeschichte war. Ganz zu schweigen davon, dass man eine Verbindung zu ihrem Gründer und Herrn ohnehin nur noch schwer zu erkennen vermochte, wenn man sich dieses hochmütige und eitle, gewalttätige Hierarchengeklüngel ansah, das vor allem erst einmal sich selbst zu verherrlichen gedachte, bevor es auch nur einmal den Namen Jesu aussprach.

Und nun haben wir nach dem Wahn, Benedikt XVI. habe noch einmal den „alten Glanz“ des 19. Jh und seiner Träume von der „Papstgeschichte“ zurückgebracht, diesen Franziskus, diese Quasselstrippe, diesen relaxten und temperamentvollen Argentinier mit italienischen Wurzeln, dem all dieser Popanz von Anfang an sichtlich auf den Keks ging. Zugegeben — er befremdete uns erst mal, uns, die wir gewohnt sind, diese abendländischen Geistesmenschen in ihren Zobeln und roten Schühchen zu sehen, als hinge davon die ewige Seligkeit ab. Und ein Papst ohne Tiara — o weh: der Glaube bricht zusammen… dabei ist die Tiara kein Glaubenszeichen, sondern ein weltliches Herrschaftssymbol — nichts weiter.
Benedikt hatte so oft gesagt, dass er sich dabei nicht wohlfühle. Er wollte kein „Heiliger Vater“ sein, weil nur Gott unser Vater sei und Jesus das doch ausdrücklich gesagt hatte — aber das überhörten unsere Konservativen geflissentlich. Was juckt sie, was Jesus gesagt hat, wenn es in der Tradition so schön heimelig ist und so kuschelig und vertraut. Dass auch Benedikt (nicht anders als Franziskus) bis zuletzt davon sprach, dass viele Ehen wohl keine sakramentalen Ehen seien, weil die erforderliche Intention dazu gefehlt habe — die aufgewühlte Menge der Konservativen hörte davon nichts, obwohl er es laut sagte. Auch sprach er von „Entweltlichung“ und Rückzug, von der Andersheit des wahren Gottes, der nicht mit der Macht dieser Welt zusammenpasse — es verhallte im Wind.
Während wir wehklagten, weil Benedikt sich zurückgezogen hat, und die buntesten Verschwörungstheorien sich um sein Verschwinden rankten, während alte Freimaurer—Schundromane und Gerüchte aus den Vatikankellern fröhliche Urständ feierten, übersahen wir, dass Benedikt mit seinem Rücktritt auf seine Weise ebenfalls das Papsttum total—entzauberte.

Und nun starteten nach vielem Lamento der Konservativen ebenfalls Konservative eine Kampagne für Franziskus, nachdem der Weihbischof Schneider mit dem heroischen Namen Athanasius aus Kasachstan und Kardinal Burke langatmige Belehrungen über die Ehe herausgegeben hatten und Burke mit drei anderen zusammen einige „Dubia“ an dem nachsynodalen Schreiben „Amoris laetitia“ an Franziskus verfasst hatten, die der einfach ignoriert hatte etc. etc.
„Sine dubia“ nennen sie die Kampagne und werben für Unterschriften. Das falsche Latein wurde dann schließlich Gott sei Dank in korrektes Latein korrigiert: „Sine dubiis“. Was ist der Inhalt dieser Kampagne pro Franzisco? Eigentlich vor allem dies, nämlich endlich endlich mit dem Franziskus—Bashing aufzuhören unter den Konservativen und endlich wieder zum Papst zu stehen, weil er doch der Papst ist und der Fels, und ein richtiger Katholik schießlich romtreu sein muss und papstreu, wo der Papst doch mit quasi—magischer Unfehlbarkeit aufgeladen ist und gerade Franziskus mit seiner Barmherzigkeit doch eigentlich ein solches Gottesgeschenk ist.

Nun muss ich zugeben, wie ich es ja auch im Kommentarbereich auf „TheCathwalk“ darlegte, dass ich in der fraglichen Sache „Amoris laetitia“ tatsächlich „pro—francisco“ zustimme, nicht aber in ihrer Begründung.
Franziskus hat sich nicht missverständlich ausgedrückt — wer das Schreiben „Amoris Laetitia“ gelesen hat, muss das zugeben. Er bekräftigt die objektive Dogmatik, will aber überhaupt erst einmal so etwas wie eine pastorale Praxis im Umgang mit einem zeitgenössischen Problem einiger Gläubiger entwickelt sehen. Wie ich schon schrieb, war die Kirche in früheren Zeiten mehr als lax, wenn es um die Ehemoral ging, vor allem bei den Hochgestellten. Jedes Museum zeigt uns das verbreitete Huren— und Ehebruchsleben unserer ach so christlichen Fürsten und leider auch oft Kleriker, und ich wüsste nicht, dass es deswegen Aufstände gegeben hätte. Jedenfalls nicht aufseiten der Hierarchie. Franziskus scheint die reale Eheproblematik vieler Katholiken ernstnehmen zu wollen, ohne die Betroffenen deshalb wie rohe Eier an beinharter Objektivität zu zerklopfen, die überdies ja so leicht nicht zu klären ist, eben weil viele Ehen nicht in der rechten Intention zustande gekommen sein dürften. Ihm steht vor Augen, dass nach so vielen Jahrhunderten der Entleerung des persönlichen Glaubens, nicht zuletzt durch die zu starke Formalisierung und den anschließenden Abfall in der Säkularisation und die Unglaubwürdigkeit des Klerus und seiner sexuellen Exzesse, die Gläubigen überhaupt erst wieder herangeführt werden müssen an so etwas wie einen persönlichen Glauben, ein Verständnis des Sakramentalen, das sie nicht nur als passive und unterworfene Empfänger, sondern auch als Spender eines Sakramentes erzieht, nämlich ganz zentral des Ehesakramentes, und ein Ergreifen ihres Apostolats aufgrund des Ergriffenseins, das ihnen auch die Hierarchie nicht diktieren kann.
All die Fragen, etwa die, ob das, was die Deutschen Bischöfe in ihrer unsäglichen Oberflächlichkeit aus „Amoris Laetitia“ machen, angemessen ist, stehen im Raum, aber die vier Dubia—Kardinäle haben den Papst angegriffen und nicht die oberflächlichen Bischöfe, und genau das verstehe ich nicht.

Dass die an Franziskus gerichteten „Dubia“ der vier Kardinäle zwar samtweich, devot, ja sogar papalistisch schleimig formuliert sind, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie inhaltlich unverschämt sind. Sie unterstellen nämlich, nach diesem nachsynodalen Schreiben stehe die überlieferte Lehre in Frage. Franziskus wird aufgefordert, mit Ja und Nein auf diese Fragen zu antworten. Die vier Männer führen sich auf wie Richter — und das als eigentliche Konservative, die doch eigentlich sonst immer die Papsttreue zum Ausweis des rechten Glaubens gemacht hatten. Und nota bene: angeblich darf doch den Papst niemand richten und wanken kann er doch angeblich auch nicht, weil er der Fels ist, auf dem die Kirche steht.

Ich gebe ich den Cathwalkern recht, gegen den Strich recht, denn es ist seltsam, plötzlich die Papsttreue aufzugeben mit all ihren autoritären und absolutistischen Implikationen, an denen man Generationen angeblich progressiver Kleriker zerdeppert hat, wenn man nur solange papsttreu bleibt, solange der Papst einer bestimmten Ideologie die Stange hält, als ob der Glaube eine Ideologie wäre. Aber die Cathwalker argumentieren überhaupt nicht in der Sache, sondern mit reinem Papstglauben. Und das kann ja wohl in einer ernsthaften Diskussion nicht sein.

Immerhin ist das Schisma der Traditionalisten und Sedisvakantisten ja eine logische Folge aus dem Papst—Popanz, den die Päpste des 19. und frühen 20. Jh aufgebaut haben. Ich finde, dass man diese Leute verstehen kann: ihr braver Schützengrabenglaube auf den windgegerbten „Felsen“ Pius IX. und X. kann gar nicht anders, als in Franziskus (und nicht nur ihm) ein Monster zu sehen… Dass freilich dieser Felsenglaube, der eher auf Menschen als auf Christus setzt, in sich ein uneingestandener und wohl auch unerkannter Glaubensabfall ist, ist diesen Menschen als notwendiger Gedanke durch drohende Denk—Tabus völlig ausgeredet worden, und wehe denen, die dieses Desaster zu verantworten haben. Dennoch: Traditionalisten, ihr seid aufgerufen, endlich selbst zu denken und endlich umfassend zu prüfen und Eure Vorurteile in Frage zu stellen! Informiert euch endlich umfassend und lest nicht nur die immer gleiche einseitige (Hetz—)Literatur der ultramontanen und neuscholastischen Fraktion!
Christus ist der Herr — nicht der Papst und nicht die hier nicht um ein Fiat gefragte Sekundantin Maria, die sich vermutlich windet im Himmel angesichts ihres Missbrauchs für diese irdischen papalistischen Machtzwecke!
Sagen wir es anders: Wer auf den Papst starrt und ihn mit Jesus identifiziert, der muss zwangsläufig so oder so irre werden am Glauben.
Es muss eine Nummer kleiner gehen mit dem Petrus, so wie im Neuen Testament: Ja, er ist der Erste und soll den Felsen repräsentieren, aber er ist weder Christus noch ontologisch dessen Stellvertreter. Er ist „vicarius“, und ein Vikar ist immer ein Schüler und Lehrling, nie der Meister!

Ob nun aber das Gegenschreiben des Herrn Maximilian Krah auf David Bergers Blog der Sache gerecht wird? Angenehm ist bei ihm, dass er wenigstens den unsachlichen Papalismus der Cathwalker ablehnt. Aber er sieht nicht, dass er auf der Basis seines offen zugegebenen Lefebvrismus den Papalismus aus logischen Gründen nicht ablehnen darf, denn die Pius—Ideologie des Erzbischofs Lefebvre ist ultramontan—infallibilistische Ideologie des 19. Jh minus Papst. Das ist in sich unsinnig. Man muss sich schon entscheiden. Die eigenmächtig—anmaßende Papst— und Konzilskritik des Msgr. Lefebvre hätten „anständige“ Ultramontane des 19. Jh nicht einmal mit der Beißzange angefasst! Mag auch Krah sich erzürnen über Franziskus Klimawandelgeschwätz und seine sentimentalen Gesten gegenüber echten oder vermeintlichen Flüchtlingen — all solchen Blödsinn taten Päpste seit mindestens 1000 Jahren. Wer es nicht glaubt, sollte halt mal ein wenig in die Geschichte eintauchen. Mir persönlich ist dabei das Gerede des F. noch tausendmal lieber als päpstliche Hexenbullen, Frauenbashing, Mätressenwirtschaft, Gegenpapsttum, Kriegshetze, Selbstbeweihräucherung, dumpfe Einmischung in die Naturwissenschaft und die Erlaubnis, fremde Völker auszurauben und alles, was sich bei drei nicht hat taufen lassen, auf den Sklavenmärkten zu verkaufen. Sorry, Brüder und Schwestern, aber man sollte mal die Kirche im Dorf lassen. Glaubensaufweichung gibt es nicht erst seit heute!

Zu dem Themenkomplex wäre natürlich sehr viel mehr zu sagen, als es hier möglich ist, und wer regelmäßig meine Texte liest, weiß ungefähr, worauf ich hinauswill. Ich plädiere eher für einen Weckruf in Richtung Kenntnisnahme der historischen Realität der Kirche!

Aber vollends irritiert hat mich dann bei Krah sein Schlusspassus mit dem unvermeidlichen Lefebvre—Sektenbekenntnis und der Satz

„Die Wiedergewinnung des Glaubens gelingt sicher – sicher! – nicht durch Aufweichung der Lehre. Sie gelingt nicht durch Enzykliken zum Klimawandel und auch nicht durch geschwätzige Interviews. Sie gelingt allein durch die Wiederherstellung des Kultes. Die Existenz Gottes muss im Kult sinnlich erlebbar werden.“

Aha… Gott „sinnlich erfahrbar“… meine Güte, ja, da haben wir es wieder — die Totalveräußerlichung des 19. Jh, den Glaubensabfall von rechts!

Gott sinnlich erfahrbar!

Wie war das: Wir leben hier im Glauben, nicht im Schauen? Wir erleben hier Gott sinnlich — ach ja, wo steht das? Wunder gefällig? Kleines Visiönchen? Ätherische Strahlen um den Kommunionkelch? Bluttränen aus den Augen der Holzmadonna? Wundersame Krankenheilungen? Bilokationen, seit dem 19. Jh hoch im Kurs, oder Stigmata, der Kirche der ersten 1000 Jahre völlig unbekannt?!
Das alles ist doch weit weg vom Glauben, wie er überliefert ist in der Schrift und bei den Vätern und den Mystikerinnen des Mittelalters!

Darum geht es also: um den sinnlich erfahrbaren Gott, und wenn wir den wieder hergezaubert haben durch den restaurierten „Kult“, dann, ja dann wird der aufgeweichte Glaube wieder „fest“? War der Glaube nicht aufgeweicht, als man ihn in einem kranken Papalismus erstarren ließ und total formalisierte und sakramentalisierte und die Laien entmündigte? Naja, da war er vielleicht eher verhärtet… Kann es nicht sein, dass nach Jahrzehnten dieser Gewaltkur der Versuch des Vaticanum II, hier einiges wieder zurechtzurücken, einfach zu spät kam? Wieso sollte blühender Glaube wegen dieses Konzils einfach zusammenbrechen? Das Vaticanum II hat einfach nur entlarvt, dass das Gebäude morsch und hohl geworden war, erstarrt in seinem Autoritäts— und Unterwerfungswahn. Und der Traditionalist, auch Herr Krah, schlägt den Boten, weil er die Botschaft nicht hören will. Der Bote aber war in diesem Fall das Vaticanum II.

Ob man nun letzteren Wahn ganz an sich selbst ohne weitere Bezugnahmen aktivieren will, wie die Cathwalker, oder dessen ästhetische Seite mitsamt der ultramontanen Ideologie des 19. Jh, allerdings unter Subtraktion des Papstwahns, denn der passt logisch nicht mehr zum Hier und Jetzt, wenigstens soweit ist Herr Krah „aggiorniert“ — es sind beides die Seiten einer und derselben falschen Münze.

Beide wollen mit Falschgeld erkaufen, was selbst mit Echt—Geld nicht zu bezahlen und zu erreichen ist.

Lest doch den Johannesprolog: „Nicht aus dem Willen des Fleisches“, „nicht aus dem Willen des Mannes“ werden die Kinder Gottes geboren, sondern… ja: das müsst ihr selber lesen. Ihr Alte—Messe—Besucher, müsstet es doch wissen, was da steht!

Ob Franziskus davon so weit weg ist?
Benedikt jedenfalls spricht von Franziskus nur gut…
Es ist vielleicht zu früh, den Pontifikat Franziskus zu beurteilen. Und es ist zu früh, den Benedikts zu beurteilen.
Wir sind Kinder einer Umbruchszeit und sollten auf Jesus blicken und ihn fragen, was wir tun sollen. Er hat doch immer Zeugen und Zeuginnen erweckt, oft auch, wenn die Hierarchie nichts mehr bezeugte. Na und?

Er ist doch der Herr, und auf ihn kommt es an, und er erweckt bekanntlich selbst aus Steinen Kinder Abrahams!

Mittwoch, 8. Februar 2017

Neuerscheinung zum Thema "Theologie der Frau"

Was lange währt...


...das lange angekündigte Buch zum Thema "Frau und Kirche" ist endlich erschienen.

Buch kann bei uns direkt versandkostenfrei bestellt werden.

Email: hanna.juengling@zeitschnur.de 

ISBN 978-3-940764-17-1

Seiten: 376

Einband: Softcover

Bindung: fadengeheftet

Auflage:

Preis: 18,00 €  




Beschreibung: 

Papst Franziskus hat 2013 vorgeschlagen, eine „Theologie der Frau“ zu entwickeln. Seine Vorstellungen scheinen sowohl von konservativen Unterordnungs- als auch von progressiven Gleichstellungswünschen abzuweichen. Sie haben Enttäuschung aufseiten derer, die für den Zugang der Frauen zu Weiheämtern plädieren, hervorgerufen, und Misstrauen bei denen, die sich an der Präsenz der Frau in der Kirche mehr oder weniger stoßen und befürchten, Franziskus wolle mit seinem Vorschlag in einem ersten Schritt der Priesterweihe der Frauen Tür und Tor öffnen.
Beide Positionen stellen fruchtlose Extreme in einer Debatte dar, die auf ihre vernünftige und spirituelle Realisierung  noch wartet. Franziskus' Frage lautet: Wo ist der theologische Ort der Frau, und was folgt daraus für ihre Bedeutung in der sichtbaren Kirche?
Die Autorin unternimmt, um eine "Theologie der Frau" zu begründen, einen Gang durch die Heilige Schrift, Texte von  Kirchenvätern und Mystikerinnen und die Kirchengeschichte, der faszinierend, niederschmetternd, verworren und geheimnisvoll ist und zu Antworten führt, die in keines der beiden genannten Hörner tuten, sondern zu einer überraschenden Sicht der Dinge überleiten.


________________________________

Kapitelfolge:

Vorrede
1. Das Zeichen der Braut im Paradies
2. Der Raub der Brautkrone - die Erzählungen in Genesis 2 und 3 
3. Kopfbandagen
4. "Mulier non est homo!" - "Die Frau ist kein Mensch!"
5. "Hier streitet Gott!" - Die mystische Leere der "schwachen" Frau
6. Ein System repressiver und projektiver Selbstverachtung
7. Franz von Assisi, die Frauen und der "böse Blick"
8. Das viel zu enge Kleid
9. Die Gewalt des "Erzeugers" und die Verzweckung der bloß passiven "Empfängerin"
10. Kleiner Exkurs in die antike Rechtsgeschichte
11. Entäußerung Entäußerung Entäußerung: Jesus, Maria und Josef
12. Erholungen der Braut und Rückfälle
Fazit

 

Samstag, 24. Dezember 2016

Das Weihnachtslicht und die Nacht des einsamen Ein-Gott-Glaubens



Das Weihnachtslicht und die Nacht des einsamen Ein-Gott-Glaubens

Das Christentum, jedenfalls das römisch-katholische und das byzantinische, ist keine monotheistische Religion.

Man hat uns diese Idee vom Monotheismus, gepaart mit einem aufsteigenden religionsgeschichtlichen Entwicklungsmodell, eingetrichtert von Kindheit an: erst habe man „animistisch“ geglaubt, dann „polytheistisch“ und schließlich, zur Krönung des menschlichen Geistes, „monotheistisch“. Und es mag sein, dass der Protestantismus den christlichen Glauben durch seine Verleugnung der Eucharistie und die Verbannung Christi in eine theologische Abstraktion, hier im Westen stärker in die Nähe des rigorosen Monotheismus gerückt hat.

Der Islam aber sieht seine ganze Sendung darin, den „verratenen“ Monotheismus der Kirche zu korrigieren, notfalls mit Gewalt. Sein Bekenntnis lautet: Es gibt keine drei, sondern nur einen, die Trinität ist blasphemisch, und ihr Gottesheld ist „der größte“. Als ob Gott es nötig hätte, der "größte" zu sein, er, ohne den doch nichts ist...
Ohne diese Sendung hat er keinerlei Sinn als späteste der großen Religionen. Er ist ohne originären Inhalt, abgesehen von dieser Sendung. Aber er ist es auch, der mit seinem Konstrukt von den drei „Buchreligionen“ diese Idee in die Welt gesetzt hat, es handle sich beim Glauben der Kirche um einen „eigentlichen“, nur verderbten Monotheismus. Insbesondere Protestanten und einige Juden, allen voran Lessing und Mendelssohn, haben diese Idee aufgegriffen und für bare Münze bzw. bare „Ringe“ genommen und seither in die Köpfe der Europäer, besonders der Deutschen, gepflanzt. Und niemand hat dieser Behauptung energisch widersprochen, auch nicht die katholische Kirche, in der die Auseinandersetzung um den Trinitätsglauben zu früheren Zeiten, vor der Reformation, heftig, sogar mit der Inkaufnahme des Schismas der Ostkirche, geführt wurde, seither aber merkwürdigerweise nicht mehr.

Und nun feiern wir Weihnachten, das anstößigste Fest für den Islam, denn heute feiern wir die Geburt des Sohnes Gottes, der nicht nur metaphorisch, sondern wirklich Gott ist und in Maria das Fleisch des Menschen annahm, um die verdorbene, friedlose Welt von ihrer Verfangenheit in der Sünde zu retten. Dass Gott einen Sohn haben könne, leugnet das islamische Glaubensbekenntnis ausdrücklich (Sure 112). Und dies nicht nur auf Erden, sondern auch im Himmel.

Es ist also Zeit, noch einmal darüber nachzudenken, was dieses Weihnachtsfest jenseits sentimentaler Bräuche uns eigentlich sagt. Es ist ein Fest der Trinität, denn Maria empfing Gottes Sohn durch den Heiligen Geist, der sie „überschattete“, wie es der Engel Gabriel sagte. Diese unendliche Sanftmut der Szene „Mariae Verkündigung“! Der Engel tritt zu ihr, als sie alleine ist und seine erste Ansprache an sie lautet „Fürchte dich nicht!“ Diesen Satz sagt er später auch den vor Gott zitternden Hirten. Und dann sagt er ihr, wer sie ist, nämlich die Frau, die „gratia plena“ ist, die vollkommen Begnadete. Ein ruhiger und würdevoller Wortwechsel folgt, und Maria gibt in großer Vernunft und Hingabe ihr Einverständnis kund – als Jungfrau, d.h. an der kein Mann irgendein Anrecht hätte!
Alleine hier schon berührt es seltsam, dass die erste Begegnung des islamischen Propheten mit dem vom Namen her scheinbar selben Engel brutal und beängstigend ist. Nach der Sammlung Ibn Ishaqs über das Leben des Propheten wird Mohamed von diesem Engel angefallen und dreimal gewürgt, so sehr, dass er glaubt, sterben zu müssen und verständlicherweise in Todesängste geriet. Er sollte eine Aufschrift auf einem Tuch lesen, obwohl er gar nicht lesen konnte. Die Aufschrift erklärt, Gott habe den Menschen aus geronnenem Blut geschaffen (Sure 96). Der Tod bereits gewesener menschlicher (?) Wesen scheint also vorausgegangen sein. Der Mensch eine Rekonstruktion aus getöteten, ermordeten und geopferten Menschen? Im Alten Testament wird uns überliefert, der Mensch sei aus Erde geschaffen und kehre aufgrund der Sünde dahin wieder zurück.
Diese Engelsvision trägt jedenfalls objektiv erheblich andere Züge als die im Neuen Testament… Im Zusammenhang mit der Geburt Jesu gibt es zahlreiche Engelserscheinungen und Eingebungen, aber alle sind sanft und von großer Schönheit. Niemand wird mit dem Tod bedroht, niemand wird gewürgt, niemandem wird etwas abverlangt, was er nicht kann. Unendlich liebevoll und mit großem Respekt vor dem Menschen als Geschöpf tritt der Allmächtige in unsere Welt. Und die Tatsache, dass er sich das Fleisch einer Frau geben lässt, um Mensch zu werden, übersteigt jede Vorstellung, gibt insbesondere der Frau eine geradezu atemberaubende und bräutliche Würde, aber auch dem Mann, in dessen Geschlecht der Sohn Gottes dann erscheint, freilich ohne jedes Zutun eines „Nur“-Mannes. Durch die Inkarnation Jesu Christi wird der Mensch vergöttlicht und geadelt. Wenn Gott die Menschheit sich zu eigen macht und wahrer Mensch wird, dann ist dies ein unauslöschlicher Adel, ein Siegel für jeden Menschen „guten Willens“, wie die Engelschöre am Weihnachtsabend den Hirten vorsangen. Er ist der verborgene König der Welt, aber in dieser Welt stehen ihm die irdischen Könige und Machthaber entgegen, die Vasallen des „Fürsten dieser Welt“, des Satans, sind, obwohl sie ihre eigentliche Aufgabe und „Autorität“ von Gott empfangen hätten, um gerecht zu regieren.
Auf eine Unterwerfung dieser Könige hat Jesus in der Wüste merkwürdigerweise ausdrücklich verzichtet. Im Reich dieses Königs gibt es keine „Unterwerfung“, sondern echte „Autorität“, der man sich anvertraut oder nicht. Gott unterwirft niemanden – er ist doch Gott und nicht der Böse oder ein machtgeiler Mensch! Und, wie Thomas von Aquin einmal sagte, sei Gott so frei, dass er nur Freie um sich herum ertrage.
„Autorität“ kommt von „auctor“. Ein „auctor“ ist ein Förderer, Stifter, Erbauer, Schöpfer, ein „Vermehrer“, denn das Wort „auctor“ stammt vom Verb "augere"/„augmentare“ = vermehren, wachsen lassen, überhäufen (mit Gutem). Gott ist „auctor“, Vermehrer, er ist Überfülle, „Herr der Heerscharen“, in seinem Reich gibt es unerschöpfliche Stiftung in alle Ewigkeit. Seine Kinder haben Talente mitbekommen und die Aufgabe, dieselben, soweit sie können, eigenständig zu vermehren, wie uns das Gleichnis von den drei Knechten mit den unterschiedlichen Talenten erzählt. In diesem Reich sind nicht alle gleich, aber selbst der Kleine kann aus seinen Talenten soviel vermehren, dass er dem Großen in nichts nachsteht oder ihn sogar überrundet – auf seine je eigene und gottgewollte, gottgewünschte Weise. Der "auctor", der mit seiner "auctoritas" dieses Wachsen und Gedeihen dem anderen in die Hand gibt, bürgt aber auch nach der römischen Rechtsvorstellung für den, der unter seiner Autorität eigenständig wirkt. Der "auctor" ist der Gutheißende, aber auch der, in dessen Rat einer handelt und wirkt. Echte Autorität kennt keinerlei Zwang oder Unterwerfung. Nicht umsonst wird der kommende Heiland in der alttestamentlichen Prophetie folgendermaßen mit wahrer Autorität und eindeutiger Göttlichkeit ausgestattet beschrieben:

"Parvulus enim natus est nobis, et filius datus est nobis, et factus est principatus super humerum ejus : et vocabitur nomen ejus, Admirabilis, Consiliarius, Deus, Fortis, Pater futuri sæculi, Princeps pacis." (Is 9, 6)

"Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter; man nennt ihn: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens." (Jes 9, 5)

„Unterwerfung“ gibt es bei Gott also nicht. Der Prototyp eines Gläubigen, der „sich unterwirft“ ist der böse Knecht in diesem Gleichnis, der sein Talent in der Erde vergräbt. Er nimmt an, Gott „unterwerfe“ den Menschen, und daher ist er wie gelähmt und bitter und macht nichts Gutes aus seinen Gaben, im Wahn, er sei zu kurz gekommen. Das Selbstmitleid dessen, der zerfressen ist von Neid, Missgunst und ewiger Verneinung, die er auf Gott projiziert.

Und während die Einheitsübersetzung ungenau die Jesajastelle weiter übersetzt mit "Seine Herrschaft ist groß...", hieß es noch in der Vulgata ganz anders und viel klarer im Sinne echter "auctoritas": "Multiplicabitur ejus imperium" ("Sein Reich wird sich vervielfältigen...")
Die Idee also, die Welt ihm, dem Sohn Gottes zu unterwerfen, ist im Neuen Testament eine satanische Idee, die trotz dieser fundamentalen Warnung und Absage Jesu, bevor er öffentlich wirkte, von vielen in der Kirche missachtet wurde. Die Bedingung des Satans, seine "Reiche der Welt" ihm, dem Gottessohn, zu überlassen, bestand in der Erzählung darin, dass der Gottessohn vor ihm niederfiele, ihm, dem Gewalttäter und Unterwerfer. Man muss diese Bedingung so buchstäblich wie möglich auffassen: Unterwerfung ist nicht nur satanisch, sondern sie bedeutet den Ausschluss, sogar die Unterdrückung und antichristliche Bekämpfung des sich mit "auctoritas" vermehrenden Reiches des wahren Vaters. In der Kirche wuchs daher wirklich Unkraut neben Weizen auf, und schwer war es, das eine vom andern zu unterscheiden, denn wer von uns Verdorbenen wusste immer so genau, was das Wesen der Unterwerfung und was das der "auctoritas" in sich trug. Die Kirchengeschichte ist auch eine Geschichte tragischster Verkennung.
Schon früh fing diese Missachtung an, schon bei einigen Kirchenvätern, deren Denken sich aus dem Wahn, man müsse für Gott bestimmte Menschen oder Menschengruppen unterwerfen, speiste. Dieser Wahn stammte aus dem philosophischen Denken der Spätantike. Man betete wie einen Fetisch „himmlische Hierarchien“ an. Nun stellte sich aber schon bald die Frage, wie Hierarchie denkbar sein soll ohne ontologische Zurücksetzung des Zweiten nach dem Ersten. Neuplatonische Emanationsmodelle kamen auf und proklamierten ein ontologisches Verblassen des jeweils „Unteren“ oder „Nächsten“. Man debattierte das Gottesbild dementsprechend und die strenge Hierarchisierung der Kirche vollzog sich parallel zu diesen Debatten, auch die erneute Zurücksetzung der Frau, als hätte es keine Maria gegeben und als wäre die Menschheit Christi nicht ganz und gar, da Maria Jungfrau war, substanziell „weiblich“… Ausdrücklich war der Mann aus dieser Zeugung ausgeschlossen! Heute aber entblöden sich Frauen nicht, diese Jungfräulichkeit Mariens als Schande zu empfinden. Verblendet wie sie sind erkennen sie nicht, dass nur die Jungfrau zur Zeitenwende vor Gott wirklich frei war und sich eben nicht bloß als Abklatsch des Mannes, der sie beschlafen durfte, verstehen durfte. Mit der Jungfräulichkeit als Recht und der marianisch konzipierten direkten Vermählung mit Christus erhielt die Frau in der Kirche den ihr gebührenden eigenständigen Rang – trotz aller Widerstände der Hierarchie.
Obwohl die Kirche in zentralen christologischen und marianischen Dogmen klarstellte, dass in Gott keine Hierarchie sein könne, sondern Wesensgleichheit, Jesus aber wahrer Mensch und wahrer Gott und Maria daher zwingend nicht nur Gebärerin des Menschen Christus (wie Nestorius behauptete), sondern auch des Gottes Jesus (wie die Kirche im Dogma von der Gottesgebärerin bekennt), zerbrach an diesen Fragen schon früh die Einheit der Kirche. Der gesamte orientalische Osten verweigerte sich dem ontologisch anti-hierarchischen und frauen-würdigenden Denken. Man muss sich die Tragweite dieses Ausschlagens des göttlichen Friedensangebotes an den Menschen selbst unter Christen einmal vor Augen halten!
Nestorianer beherrschten das ganze Feld bis weit nach Asien und Fernost hinein. Arianer, die annahmen, dass Christus nicht wesensgleich sein könne mit Gottvater, beherrschten bald die gesamte Kirche. Bis ins 7. Jh hinein zogen sich die Kämpfe zwischen Arianern und Athanasiern (Trinitariern für die Wesensgleichheit Gottes), und die Haltung der Kaiser war durchaus dazu nicht klar oder stets dieselbe. Nicht einmal Päpste hielten immer deutlich an der athanasischen Lehre fest. Mit der Zeit gewannen aber die Athanasier in Europa die Oberhand, und viele Arianer zogen sich anschließend nach Arabien zurück, dessen Halbinsel voller Zeugnisse anti-trinitarisch-christlicher Sakralbauten sein soll.

Die Kirche hat daher die „Häresie der Sarazenen“ (Islam) stets als eine anti-trinitarische Variante des Arianismus aufgefasst. Arabien war religionshistorisch gesehen das Rückzugsgebiet der Arianer und Nestorianer. Der Islam bestreitet die Größe Jesu als Mensch und Prophet nicht, aber er verleugnet mit Macht die Gottheit und Wesensgleichheit Christi mit Gottvater. Forscher, die sich eingehend mit der Frage auseinandersetzen, warum es aus den ersten zwei islamischen Jahrhunderten keinerlei Quelle gibt, die auch nur entfernt von einer neuen Religion sprechen würde, und auch die islamischen Quellen selbst erst ab dem 9. Jh rückwirkend berichten, ziehen heute den Schluss, dass es sich bei dieser Religion der Araber schlicht um eine anti-trinitarische Variation des Christentums handelte, die sich dann verselbständigte und im 10. Jh zu dem Gebilde erstarrte, das seither die ganze Welt in Krieg und Verzweiflung stürzt. Europa müsste sich daran eigentlich erinnern, griffen doch die Türken jahrhundertelang und unzählige Male das Abendland in aggressiver Weise an, um am Ende total vernichtet zu werden. Eine narzisstische Kränkung für diese Religion, die nicht geheilt ist, wie wir sehen. Mit dem Untergang des letzten islamischen Großreiches nach dem 1. Weltkrieg entstand der sogenannte Islamismus, der diesen Zustand wieder beenden will. Man möge mir nun bitte nicht erklären, gebetsmühlenhaft, dass wir schließlich auch und so weiter und so fort. Das bestreite ich nicht, aber darum geht es nicht. das Argument ist so teuflisch wie der Verweis auf die Opfer Stalins, wenn man sich der Opfer Hitlers erinnert. Unser Problem ist heute weltweit tatsächlich und vordringlich die islamische Eskalation, dieser goethesche „Geist, der stets verneint“:

Ich bin der Geist, der stets verneint!
Und das mit Recht; denn alles, was entsteht,
Ist wert, daß es zugrunde geht;
Drum besser wär's, daß nichts entstünde.
So ist denn alles, was ihr Sünde,
Zerstörung, kurz das Böse nennt,
Mein eigentliches Element.

Neuere Theorien wie die von Jan Assmann, dass der Monotheismus aufgrund seiner Entweder-Oder-Konstruktion per se gewalttätig sei, müssen erneut, etwas anders gelagert durchdacht werden. Allerdings muss die Kirche bekennen, dass der Glaube der Kirche nicht primär monotheistisch ist, sondern trinitarisch. Wir glauben nach unseren Glaubensbekenntnissen nicht, dass „nur“ eine göttliche Person „herrscht“, sondern wir glauben, wie es in der Präfation der Allerheiligsten Dreifaltigkeit so wunderbar und geheimnisvoll heißt, dass unser Gott in drei Personen eins ist:

„Qui cum unigenito Filio tuo et Spiritu Sancto unus es Deus, unus es Dominus: non in unius singularitate personae, sed in unius Trinitate substantiae.“

(Deutsch: „Mit Deinem eingeborenen Sohne und dem Hl. Geiste bist Du ein Gott, ein Herr: nicht als wärst Du nur eine Person, Du bist vielmehr in drei Personen ein Einziger.“)

Man würde das Wesen der polytheistischen Religionen, etwa der heute noch lebendigen Hindu-Religionen vollkommen verkennen, wenn man nicht annähme, dass auch sie von einer Einheit des Göttlichen ausgingen, das sich uns in vielen Gestalten zeige, die uns in unserer Menschlichkeit „entgegenkommen“ und „ähneln“.
Ebenso ist das Judentum kein rigoroser Monotheismus. Gott als Schöpfer spricht von einem „Wir“ in der Genesis, wobei das Hebräische keinen Majestätsplural kennt. Ebenso spricht das Pluralwort „Elohim“ („Götter“) für den einen Gott dafür, dass die Gottesvorstellung der Juden nicht streng monotheistisch gedacht ist, sondern einfach nur die Einheit in Gott betont ohne auszuschließen, dass der „Herr der Heerscharen“ in sich Überraschungen bergen könnte. Die alttestamentliche Prophetie ist voller Hinweise auf einen Plural, eine Überfülle, eine unvorstellbare Endlosigkeit und Unbegrenztheit Gottes, so sehr, dass ein frommer Jude nicht wagt, diesen heiligen Namen überhaupt auszusprechen, denn der Mensch im Bann des Bösen macht aus dem großen Gott etwas Einsames, weil er selbst einsam ist in der Sünde. Unglaublich die Vision des Johannes in der Apokalypse, der die Stimme am Thron Gottes hört „wie eine Stimme einer großen Volksmenge“ (Apk 19, 6).

Es ist logisch, dass Jesus sagt, man käme nur durch Ihn zum Vater: Weil er erlöst von der Einsamkeit und Fruchtlosigkeit der Sünde, er, der selbst ewige Frucht des ewigen Gottes ist, kann man durch die Nennung seines Namens, durch das Essen seines Fleisches in den gewandelten Opfergaben den Vater der Überfülle ansprechen und erreichen.
Eine Religion, die demgegenüber die Fruchtlosigkeit, die Unfruchtbarkeit Gottes bekennt, teils weil sie dessen geistiges Wesen erst gar nicht versteht und einem vulgären sexistischen Missverständnis erliegt, teils, weil sie die Einsamkeit des fruchtlosen Menschen in der Sünde als Grundmodell des Göttlichen annimmt, ist alleine deshalb sehr leicht als allzu menschliche Idee zu entlarven.
Und weil Gott es so wollte, beseelt er uns auch mit dem Hl. Geist, der dritten göttlichen Person. Aber bereits hier zeigt sich, dass man vom Zweiten auf den Ersten über den Dritten kommt und eine einsame, monotheistische Gottesverehrung für wahre Christen nicht möglich ist. Es ist der Satan, der darauf besteht, dass es nur „Eines“ gibt, und dass dieses „Eine“ sich gnadenlos abschließt und niemanden in sich einlässt, weil er herrschen will mit Macht und Gewalt, aber ohne irgendeine Autorität, denn sie ist fruchtlos per definitionem. Nur der Satan ist unfruchtbar und macht unfruchtbar. Er lädt nicht ein, sondern würgt den Menschen, erpresst ihn und macht ihn zu einem Gewalttäter, wie er selber einer ist. Es ist wahr: der rigorose Monotheismus ist der Ursprung aller strukturellen und unerbittlichen Gewalttätigkeit. Der rigorose Monotheismus ist der „Geist, der stets verneint“, wie Goethe den Satan so hellsichtig schrieb. Und ein Christentum, das kein klares Bekenntnis zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit findet, sondern sie sogar verneint um des „Friedens“ mit der verneinenden Religion willen, ist im Kern islamisch und wird dem Islam zufallen wie ein verlorenes Blatt im Wind. Und was sehen wir: eine Religion, die weltweit unzählige Gewalttäter hervorbringt, aber keinen Frieden. Wie gelähmt sind die Menschen, die diese Religion von Geburt an haben. Auch sie stecken voller Sehnsucht nach Frieden und Vielfalt in Gott. Wer hört ihre stummen Schreie?
Sie schaffen es nicht, sich lautstark von dieser Gewalt zu distanzieren, sie sind nicht in der Lage, eine neue, lebensfähige Version ihres Glaubens zu entwickeln, und man darf fragen, ob das vielleicht nicht doch systematische Gründe in diesem rabiaten Monotheismus hat. Sie schweigen, zusammengedrängt wie eine bedrohte Herde, weil sie Angst um ihr Leben haben müssen, wenn sie den Mund aufmachen. Und Angst vor der Hölle, in die sie geraten werden, wenn sie sich nicht unterwerfen, vor allem der Frau ist die Hölle massiv angedroht, wenn sie nicht klein bei gibt und sich unterwirft. Umso größer meine Achtung vor all jenen, die es dennoch wagen.
Wir hatten heuer in Deutschland und Frankreich so viele Flüchtlingsopfer zu verzeichnen, dass es eine Schande ist, eine Schande für diese Religion und eine Schande für unsere verblendeten Eliten, die nicht mehr die einfachsten Kausalzusammenhänge erkennen und bereit sind, für eine surreale Einheitsbrei- und Multikulti-Ideologie im eigenen Land Menschen in großer Zahl zu opfern. Multikulti ist genauso größenwahnsinnig wie das vormalige Herrenmenschentum und eine genuin monotheistisch inspirierte Irrlehre.
Es gibt in de empirischen Realität nur folgendes Phänomen: viele Nationen auf Gottes weiter Erde, große und berechtigte Unterschiede und die Notwendigkeit, das gerecht im Sinne einer echten „Autorität“ und nicht im Sinne einer „Unterwerfung“ zu befrieden. Alleine das links-grüne, zurechtgemerkelte Ansinnen fanatischer „Globalisierer“, deren Motive alles, nur nicht vernünftig sind, alles unter einen ideologischen Hut pressen zu wollen, ist gewalttätig und religiös gesprochen anti-trinitarisch. Die, die propagieren, es müsse alles „bunt“ sein, bereiten derzeit die Einschränkung der Meinungsfreiheit vor. „Bunt“ heißt am Ende immer: „braun“ zusammengerührt. Das spricht für sich. Es ist im Grunde eine transformierte braune Ideologie, die unsere Regierung uns zumutet, und es ist eine Tatsache, dass der Islamismus und auch der Panarabismus beste Beziehung zur braunen Ideologie Europas hatte im 20. Jh.
Doch was nicht sein kann, das nicht sein darf. Obwohl wir inzwischen so viele Tote und Vergewaltigte und Verletzte, sogar einen am Altar zelebrierenden, ermordeten Priester haben, wird bei jedem erneuten Fall islamischer Bluttaten so getan, als seien das Einzelfälle krimineller Geister, und diese hätten mit dieser Religion nichts zu tun. Nun brüllen die Täter aber stets ihr Glaubensbekenntnis und können sich auf Koransuren berufen, die zu genau solchen Bluttaten anstiften. Noch viel schlimmer wüten sie in ihren Herkunftsländern. Auf strenge und eindeutige Abweisungen dieses Anspruchs durch führende Islamgelehrte wartet die Welt seit Jahrzehnten vergebens. Auch das ist eine Schande – nicht für die Muslime, aber für deren Gelehrte. Und wenn einer unter ihnen eine gute Stimme erhebt, wird er mit dem Tod bedroht.
Richtig ist, dass die meisten Muslime mit diesen Bluttaten persönlich nichts zu tun haben. Eine Schlussfolgerung auf die Religion aber ist dennoch notwendig: denn diese Gewalttaten sind einzig und alleine durch diese Religion motiviert. Die Täter sagen es uns doch eindeutig, und mit welchen Recht glauben wir, das nicht ernst nehmen zu müssen?

„Euch ist heute der Heiland geboren!“ sangen die Engel. Wir alle kennen die Worte. Vom Frieden auf Erden, der doch nicht ist, sagen manche trauernd und verbittert.
Nun heißt es aber im Gesang der Engelsscharen nicht, ab heute trete nun automatisch Friede in Kraft. Gerade das nicht!
Gott ist doch auctor und nicht Unterwerfer!
Darum heißt es, ab heute sei Friede bei denjenigen, die bonae voluntatis sind die guten Willens sind. Wer diese Freiheit ausschlägt, bereitet sich selbst die Hölle, und genau das sehen wir in Europa nun.
Wir verlieren deswegen den Frieden, weil uns dieser gute Wille immer mehr fehlt.
Das „Zeichen“ des Friedens ist das neugeborene Kind in einer Krippe – das sagen die Engel.
Auch darüber sollten wir heute einmal nachdenken, wir einheimischen Deutschen und Franzosen, die wir uns den Kindern, die uns geschenkt wurden, gegenüber so sehr verweigern, dass ein beträchtlicher Anteil derer, die uns regieren, nicht mehr wissen, was es heißt, Vater oder Mutter zu sein. Wie viele von uns haben ihre Kinder abgetrieben oder vernachlässig, unseren Selbstverwirklichungwahnvorstellungen unterworfen?
Der Ausgangspunkt für eine echte auctoritas wäre die Vater- und Mutterschaft, die für sich nichts und für ihre Kinder alles will. Unsere Regierungschefin aber ist (wie so viele Politikerinnen und auch viele Politiker) eine Frau, die zu nichts und niemandem eine tiefere Beziehung hat. Keine eigenen Kinder, ohne Beziehung zu ihrer Heimat, zu ihrem Vaterland, zu ihrer Muttersprache, geschweige denn Europa, das sie doch in Wahrheit dominieren, unterwerfen will und gerade nicht mit auctoritas regiert. Mit echten Herausforderungen weiß sie nichts anzufangen und verspielt Chance um Chance, ohne Vernunft und Konsistenz, aber auch ohne Ehre, denn die vielen Toten und Verletzten ihrer unverantwortlichen und chaotischen Migrationspolitik wären und waren immer ein unbedingter Rücktrittsgrund, dem gegenüber sie sich immer mehr verhärtet.
Es graut mir bei der Vorstellung der „Ansprache“, die diese Frau heute zu Weihnachten oder zum Neuen Jahr von sich geben wird. Ich will es nicht hören, es ist – es sei denn, sie erklärt ihren Rücktritt - ein Hohn der Opfer. Ein Hohn auf jeden Menschen auf dieser Welt, der wirklich unsere Hilfe bräuchte. Wir helfen jedoch nicht den Opfern, sondern den Tätern. In unseren Asylantenheimen werden Schutzsuchende gequält und vergewaltigt, und wir schweigen dazu, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.
Deutschland mit seiner braunen Pathologie wie es leibt und lebt, und mich beschämt besonders, dass so viele Frauen wie in einer geistigen Umnachtung, wie die berühmten Kälber, die ihre Schlächter selber wählen, in voller Verblendung leugnen, was sich abspielt. Sie verkennen das Wesen dieses „Geistes, der stets verneint“, der gerade ihre Würde als Frau verleugnet und sie zu einem Objekt degadiert und treten gegen die aus, die sie an ihre marianische Würde erinnern wollen. Sie wählen wie einst die Juden den Massenmörder Barabbas und wollen den, der ihnen zur Freiheit geboren wurde, am Kreuz sehen. Deutschland wählt den Barabbas und fühlt sich gut dabei, pharisäisch und hochmütig.
Ich sage es heute wieder: Der Retter ist geboren aus einer Frau ohne jegliches Zutun eines Mannes. Das ist unsere Würde als Frauen, und ich rufe jede Frau, die sich selbst achtet, auf, sich an Maria zu orientieren, die nicht irgendeinen Menschen geboren hat, sondern Gott, Gott. GOTT hat sie geboren! Nicht zuletzt diese Bevorzugung hat der Satan bis heute nicht verkraftet und wo er herrscht, herrscht auch die Zurücksetzung der Frau. Je satanischer eine religiöse Ausrichtung, desto mehr hasst und beleidigt sie die Frau. Leider ein Phänomen, das in der Kirche großen Raum gewinnen konnte bis heute. Das Kopftuch ist Symbol der Verneinung des weiblichen Kopfes und der weiblichen Ansprache durch den Herrn. Niemand mache sich darüber etwas vor!

Der verblendete Mann aber, der in dem Priester Zacharias ein Denkmal erhielt, sang, als er zurechtgekommen war, der Gottesmutter nach:

„Visitavit nos, oriens ex alto: illuminare his qui in tenebris, et in umbra mortis sedent: ad dirigendam pedes nostros in viam pacis.“ (Canticum Zachariae: Benedictus)

Das ist Weihnachten:

„Es hat uns besucht der Morgenstern aus der Höhe, um die zu erleuchten, die in der Finsternis und in Schatten des Todes sitzen, um unsere Füße auf den Weg den Friedens zu weisen.“

Das ist Weihnachten heute im Jahr 2o16, einem Jahr, in dem die Schatten des Todes uns bereits tief berührt haben.

Montag, 19. Dezember 2016

Adventus IV: Als das römische Kaisertum aufstieg



Adventus IV: Als das römische Kaisertum aufstieg

Rorate, caeli desuper, et nubes pluant iustum: aperiatur terra, et germinet salvatorem:

„Tauet, ihr Himmel, von oben, ihr Wolken, regnet den Gerechten: Es öffne sich die Erde und sprosse den Heiland hervor.
(Jes 45,8)

1 Es war im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius; Pontius Pilatus war Statthalter von Judäa, Herodes Tetrarch von Galiläa, sein Bruder Philippus Tetrarch von Ituräa und Trachonitis, Lysanias Tetrarch von Abilene;
2 Hohepriester waren Hannas und Kajaphas. Da erging in der Wüste das Wort Gottes an Johannes, den Sohn des Zacharias.
3 Und er zog in die Gegend am Jordan und verkündigte dort überall Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden.2
4 (So erfüllte sich,) was im Buch der Reden des Propheten Jesaja steht: Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!
5 Jede Schlucht soll aufgefüllt werden, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, was uneben ist, soll zum ebenen Weg werden.
6 Und alle Menschen werden das Heil sehen, das von Gott kommt. 

(Lk 3)


Da unten auf der Erde formierte sich der Bruch mit der römischen Konsuln-Republik, das an sich verfassungsfeindliche Prinzipat, hatte doch Rom einstmals, wie Livius berichtet (Ab urbe condita 2,1), die Monarchie von sich geworfen, weil man ein halbes Jahrtausend zuvor erkannt hatte, dass sie allzu leicht zur Despotie, zur Tyrannis pervertiert. Der Vorteil der Republik war, dass die Autorität des Gesetzes über der Autorität irgendeines schwachen Menschen stand, aber der Drang nach persönlicher Macht ließ sich schwerlich unterdrücken. Wo der Mensch wirkt, finden Machtkämpfe statt und einzelne reißen die Macht an sich und vielewollen einen "Höheren" verehren, an den sie nicht nur die Befriedung ihrer Interessen delegieren.
Kaiser Augustus, unter dessen „erhabenem“ und erstmalig global angelegtem Kaisertum Jesus geboren wurde (Lk 2), fand in Tiberius einen zunächst wackeligen Nachfolger. Noch gab es im römischen Reich keine Institution des Kaisertums… Als dieser merkwürdige und düstere Mann also das Prinzipat fortsetzte oder fortsetzen sollte, der tristissimus hominum, der „traurigste aller Menschen“, der grausam, judenfeindlich und pädophil gewesen sein soll, berief Gott Johannes den Täufer, als Bußprediger aufzutreten, um dem kommenden Messias den Weg zu bereiten. Pontius Pilatus war unter seiner Herrschaft Statthalter in Judäa, und Pilatus’ Frau Claudia soll der Legende nach Tochter des Tiberius gewesen sein.

Die Heilsereignisse spielten sich nicht im spirituellen Nirgendwo und nicht am St. Nimmerleinstag, sondern an der Schnittstelle zu einer erneuten Despotie in Rom ab, zu einem bestialischen Kaisertum, dessen Inhaber posthum divinisiert wurden und für Jahrhunderte die Kirche verfolgen sollten.

Jesus wurde geboren, als das römische Kaisertum aus seinem Stammvater Augustus, der sich „der Erhabene“ nannte, geboren wurde.
Unter diesem Kaisertum wurde er nackt und bloß geboren, er, der doch Gott war. Und unter diesem Kaisertum kam der Sohn Gottes zu Tode. Dieses aufsteigende römische Kaisertum stand seinem Königtum diametral entgegen.

Im 15. Jahr des Kaisers Tiberius trat Johannes öffentlich auf und rief zur Buße. Ein wahres Kontrastprogramm zu dem, was sich in Rom abspielte. Es werden auch die beiden Hohenpriester erwähnt, Hannas und Kajaphas. Man fragt sich, warum Johannes zur Buße ruft, und warum nicht sie, die doch die formell berufenen Hüter Israels sind. Doch alle Welt war erfasst von diesem Strudel der im Kern von Anfang an antichristlichen Perversion des Prinzipats. Überall stiegen kleine principes auf und bildeten als Vasallen das Prinzipat in Rom ab. Tiberius brach neben vielen Verfasstheiten der römischen Repubik auch mit deren kurzem Rotationsprinzip für hohe Ämter: er beließ die unter ihm wirkenden Machthaber nun ohne zeitliche Grenze. So hatte Galiläa, woher Jesus stammte, einen eigenen kleinen römischen König, einen "König der Juden", Herodes, den das Volk nicht liebte und nicht anerkennen wollte, und der den Juden deshalb den letzten großen Tempel baute, den "herodianischen Tempel", der 21 v. Chr. errichtet und 70 n. Chr. doch von den Römern zerstört wurde.

Ein bemerkenswertes Schauspiel – während sich in Rom und in Israel eine Selbstermächtigung des Menschen zuspitzt, bereitet Johannes dem Allerhöchsten den Weg, dem Allerhöchsten, der gerade jetzt am wenigsten gefragt ist, wo Menschen sich anschicken, sich selbst zu Allerhöchsten zu erheben. Der Allerhöchste, noch bevor er dem jüdischen Gesetz unterworfen wird, muss sich als Fötus zu einer Steuerschätzung des ersten, neu-römischen princeps einfinden. Seine Mutter muss ihn auf der Reise und in ihrem Stammort Bethlehem gebären, weil der Kaiser sie dorthin zitiert hat, um sie als Steuerpflichtige zu erfassen.

Die Konfrontation ist eigentlich überdeutlich. Und ich verstehe nicht, warum man sie in der Kirche nie erkannt hat. Nein, Jesus wird nicht geboren mit dem natürlichen Anrecht auf den römischen Kaisertitel, den die Kirche später sowohl im Papst- als auch im Kaisertum um jeden Preis fortsetzen wollte, sondern fernab dieses Kaisertums und dessen Zugriff unterworfen und ihm doch - für viele in Israel und unter den Heiden wie in einem Wunder ganz leicht erkennbar - überlegen.

Sein kurzes Leben endet später mit der Anklage, er sei ein Aufrührer gegen den Kaiser. Ohne diese Beschuldigung hätte er niemals hingerichtet werden können. Jüdisches Religionsgezänk hätte das Todesurteil des Pilatus nicht begründen können. Folgerichtig bekennt die Kirche von alters her auch an erster Stelle, dass er unter Pontius Pilatus gelitten habe und nicht unter dem Sanhedrin. Dafür spricht auch die Aufschrift des Pilatus am Kreuz: IESUS NAZARENUS REX IUDORUM. Der erste römische  princeps, Kaiser Augustus, hatte ein „Majestätsgesetz“ erlassen, demgemäß jeder eigenmächtige Anspruch auf Königstitel im römischen Reich als Majestätsbeleidigung zu ahnden war. Unter Kaiser Tiberius stand darauf die Todesstrafe durch Kreuzigung. Jesus starb also tatsächlich den Tod eines Mannes, der gegen den Majestätsanspruch des römischen Kaisers angetreten war und gegen ihn verstoßen hatte. Die Juden meinten, ihn wegen Gotteslästerung verurteilen zu sollen, aber auch sie wendeten ihre Anklage um in eine Majestätsbeleidigung gegen den römischen Kaiser, zu dem sie sich schließlich ausdrücklich bekannten: "Wir haben keinen König außer dem Kaiser!" (Joh 19, 15)
Dieses Faktum, dass es tatsächlich das entgegenstehende Königtum Christi ist, weswegen er hingerichtet wurde, geht aus den wenigen Worten zwischen Jesus und Pilatus hervor. Pilatus will von ihm wissen, ob er ein König sei. Matthäus, Markus und Lukas überliefern, Jesus habe auf die Frage des Statthalters, ob er „König der Juden“ sei, geantwortet: „Du sagst es.“ (Mt 27, Mk 15, Lk 23) Jesus gibt ihm die bekannten und geheimnisvollen Worte zurück, das „sein Reich nicht von dieser Welt“ sei. Und Pilatus ruft aus: „Also bist du doch ein König!“ (Joh 18). Und Jesus bestätigt ihm diese Frage: Ja, er ist ein König. Dem Sanhedrin hatte er bestätigt, dass er der „Sohn Gottes“ (Lk 22) sei, eine Aussage, die bis heute sogar von vielen christlichen Theologen geleugnet wird, als stünde sie nirgends in den Evangelien.

Auch wenn er in einem konkreten politisch-revolutionären Sinn mit Sicherheit kein Aufrührer war, ist seine "Widersetzlichkeit" gegen den Kaiser dennoch spürbar, denn er definiert in der berühmten Szene mit der römischen Münze (Mt 22, 21) einen Bereich „der Gottes ist“, auf den der Kaiser keinerlei Anspruch hat und je haben darf. Die Kennzeichnung seines Reiches als „nicht von dieser Welt“ musste provozieren und wirkte womöglich ein wenig unheimlich, unfassbar und abgründig. Er regierte ein Reich, das keine Münzen kannte, auf denen sein Kopf abgebildet werden könnte. Er prägte sich nicht auf Geld ein, sondern in die Herzen, war unverkäuflich und als Zahlungsmittel nicht geeignet.

Diesem also sollte Johannes den Weg bereiten, diesem König, der alles Kaisertum, alles Königtum dieser Welt befremden sollte.
Das Wort erging daher auch nicht an einen Mann, der in einem Palast wohnte und teilhatte an dieser Welt der Macht, sondern an einen, der „in der Wüste“ lebte, an ein Nichts in den Augen dieser Welt. Die Wüste ist aber auch eine Kennzeichnung dieser aufgeblasenen, babylonisch-machtbesessenen römischen Welt: all diese selbstgebaute Größe ist leer.

Der aber, der kommen sollte, würde alle Unterschiede zwischen Hoch und Niedrig einebnen. Vor ihm sollte all das, was sich in der Welt zur Macht aufgeworfen hatte, „begradigt“ und gebeugt werden, während das Erniedrigte und Tiefe erhoben werden würde. Maria singt davon im Magnificat: "Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhebt die Niedrigen." Niemand sollte die Brisanz dieser Botschaft unterschätzen. Niemand sollte meinen, dass der römische Geist diese Konfrontation nicht genau erkannt hätte!

„Tauet, ihr Himmel“, rief der Prophet des Alten Bundes. Die Erde solle sich öffnen und den Heiland hevorsprossen. Es waren alles Personen „nicht von dieser Welt“, die dieses Werk taten: allen voran Maria, die der Welt und ihrem Fürsten, dem Satan, als Frau sowieso nichts galt, als Mutter des Herrn aber die größte Provokation darstellte, und Johannes, der alles aufgegeben hatte und sich in die Wüste zurückgezogen hatte, um dem Herrn den Weg zu ebnen. Seine Bußpredigt ist eine erste schwerwiegende Einebnung von Hoch und Tief, denn seine Bußtaufe vereinte alle Menschen im Sündenbekenntnis und ... unter Wasser, zeichenhaft im Grab.

Die Reiche der Welt, die Jesus bald danach vom Satan – Jesus fastete in der Wüste – gezeigt bekam, die dem römischen Kaiser gehörten und ihm, dem Kaiser, offenkundig von des Bösen Gnaden, schlug er aus. Sein Reich ist nicht von dieser Welt. Er übernimmt kein Reich vom Satan! Er ist der Herr! Er richtet sein eigenes Reich auf! Aber diese Herrschaft, wie die Welt sie kennt, ist ihm nicht gemäß. Er regiert, er führt und leitet wie ein guter Hirte, der sein Leben lässt für die Schafe, er beherrscht nicht Untertanen wie ein irdischer Monarch, der die Menschen im Zweifelsfall für sich opfert... Warum hat die Kirche, warum hat das Abendland das mehrheitlich nicht verstanden?

Wie konnte es also kommen, dass in der Kirche genau dieser Schnittpunkt der Welt- und Heilsgeschichte am Ende in sein glattes Gegenteil umgedeutet wurde?

Es wäre uns dringend nötig, heute, in unseren Tagen darüber nachzudenken. Nein, Jesus hat keine Monarchie propagiert, wie die Welt sie kennt! Ich weiß, dass viele katholische Traditionalisten sich in dieser Irrlehre derzeit (erneut) verfangen. Sie seien gewarnt: denn der diese Hoffnung erfüllt, wird nicht Christus sein, sondern dessen größter Gegner. Der diese Hoffnung erfüllt, ist der Antichrist.
Jesus aber ist der, der Hoch und Tief dieser Welt einebnen wird.
Und obwohl die Kirche dies dogmatisch überliefert hat, hat sie es doch faktisch im eigenen Tun missachtet, wie es nicht tragischer denkbar wäre, und ein Ende ist noch nicht erreicht.

Adventlich gesprochen müsste man sagen: Möge es bald erreicht sein, dieses Ende in der faktischen Missachtung, damit er wiederkommt und ein Ende bereitet, wie nur er es bereiten kann und kein Mensch auf Erden.

Mittwoch, 14. Dezember 2016

Versuch über den "Populismus"




Versuch über den „Populismus“

I. Der Kampf- und Hetzbegriff „Populismus“ und seine Wort-Ausgeburten

„Populismus“ wird derzeit von denen, die herrschen, gegen die als Hetzbegriff eingesetzt, die nicht herrschen und anders wollen als die, die herrschen. Das Volk, das doch gemäß Grundgesetz der Souverän ist, von dem angeblich alle Gewalt ausgeht im Staat, wird behandelt wie eine Ansammlung von Untertanen und nimmt diese untergeordnete Rolle selbst an, die einen, indem sie willfährig der Obrigkeit nahezu alles zugute halten, vor allem, wenn sie eine Frau ist, die anderen, weil sie selbstmitleidig bereits aufhören zu kämpfen, bevor der Kampf entschieden ist.

Unsere Regierung im Bund und auf Länderebene setzt im Verein mit den Öffentlich-Rechtlichen Medien, und dies inzwischen unterschiedslos, den Begriff „Populismus“ bzw. „Rechtspopulismus“ für all jene ein, die ihnen zu gefährlichen Bestreitern der Macht werden, all jene also, die sich der Umarmung entziehen, der sich alle etablierten Parteien ergeben haben. Nachrichten werden unterschlagen, Ereignisse verschwiegen, Sachverhalte geschönt oder umgedeutet, und wer an die Fakten erinnert, wird als „postfaktisch“ gebrandmarkt. Bürger, die ihre Sorge friedlich äußern, werden als „Arschlöcher“ und „Pack“ (Sigmar Gabriel) bezeichnet.[1] Im Bayerischen Rundfunk werden ungehindert alberne Verschwörungstheorien daraus gezimmert, dass eben viele Menschen in unserer Demokratie mitreden und andere Meinungen vertreten als die, die gerade das Sagen haben.[2] Ein angebliches Gespenst geht um in Deutschland: die „Rechten“. Widerwärtig, wie hier aus allen Regierungsrohren die alte nationalsozialistische „Vorsicht, Feind hört mit“-Platte abgespielt wird. Leute, die sich verhalten wie Faschisten, warnen lauttönend vor Nazis – und das sind natürlich stets die anderen. Alleine die Tatsache, dass diese „Wir-gegen-rechts“-Waffe gegen alle Andersdenkenden direkt aus Berlin unterstützt wird, sollte einen halbwegs denkenden Bürger doch stutzig machen…

Wer den Regierungskurs vor allem in der Flüchtlingspolitik des letzten Jahres kritisiert, ist der „Hatespeech“ (Heiko Maas) verdächtig. Wer über Dinge spricht, die in den offiziellen Medien nicht berichtet werden, wird nun in der allerneuesten Kampagne der Regierung und der Öffentlich-Rechtlichen auf eine infame und suggestive Weise als potentieller Verbreiter von „Fake-News“ verhetzt. Man markiert nun die „Fakenews“, und wieder muss ich an die Markierungen denken, mit denen die Nazis den unschuldigen Deutschen etwas an die Hand gaben, um „böse“ Juden sofort zu erkennen… das Normalste Ding der Welt, nämlich Juden, war über Nacht zur „Gefahr“ geworden. Nun sind wir von „Fakenews“ existentiell bedroht, als ob es zuvor nie Zeitungsenten, Falschmeldungen oder Verschweigungen gegeben hätte… oder gerade gäbe…

Solche infamen Hetzkampagnen durch die Regierung und alle großen Medienhäuser gab es in dieser Schärfe und Zuspitzung noch nie in der Bundesrepublik, und so etwas ist tatsächlich brandgefährlich.

Saubermännische „Netzwerke gegen Rechts“ wie etwa die Amadeu-Antonio-Stiftung mit Anetta Kahane an der Spitze, die selbst jahrelang Stasispitzel war und eine beste Denunziantenausbildung und –erfahrung genossen hat, werden von der Regierung unterstützt und haben sogar einen Geheimdienstchef im Stiftungsrat, Stephan Kramer, den Präsidenten des Verfassungsschutzes in Thüringen.[3] Kahane hat unter anderem jahrelang den DDR-Schriftsteller Thomas Brasch bespitzelt und als „Feind der DDR“ denunziert.[4] Der Strategy-Manager Gerald Hensel der Werbeagentur „Scholz & Friends“,  zu deren Kunden die Bundesregierung gehört, hat jüngst einen Werbe-Boykottaufruf u.a. gegen zwei liberal-konservative Internet-Meinungsmagazine gestartet. Er tat dies über seine persönliche Website. Seine Website steht unter dem Sowjetstern und dem Gulaglagerruf „DavaiDavai“. www.davaidawai.com ist inzwischen, nachdem zahlreiche konservative und liberale Journalisten Krach geschlagen haben, mit einem Passwort verrammelt… Wer einen Screenshot haben will, kann ihn über diesen Artikel einsehen: http://www.achgut.com/artikel/der_denunziant_von_scholz_und_friends
Echte und leibhaftige Nazi-Opfer wie Henryk M. Broder fühlen sich unangenehm an den Boykottaufruf „Deutsche, kauft nicht bei Juden“ erinnert.

Hensel betreibt unter dem Motto #kein-Geld-für-rechts gezielte Verhetzung solcher Journalisten und Organe, die den Regierungskurs in letzter Zeit kritisiert haben. Es wird weder erklärt, warum der „Feind“ als „rechts“ betitelt wird, noch was „rechts“ überhaupt heißen soll. „Rechts“ sind alle, die den Kurs Merkels nicht für richtig halten und darüber öffentlich reden.

Der Pirat Thomas Ney, sicher der Rechtsradikalität unverdächtig, lässt den Leser auf seinem Blog folgendes bedenken:

Mehrere Bundesministerien haben dem sogenannten „Hatespeech“ im Internet den Kampf angesagt. Mit Unterstützung ausgerechnet der von einer ehemaligen Stasi-Mitarbeiterin geführten Amadeu-Antonio-Stiftung, welche auch linksradikale Antideutsche beschäftigt, sollen Betreiber Sozialer Netzwerke zur Löschung „unangemessener Beiträge“ angehalten werden. Die Definition dessen, was „Hatespeech“ ist, ist vage und wirkt bisweilen tendenziös. Neben eindeutig strafbewehrten, werden darunter auch Aussagen gefasst, die klar von dem Grundrecht auf freie Meinungsäußerung gedeckt sind. (…)
Im Kontext der Flüchtlingsdebatte geistert ein weiterer, ursprünglich aus den USA kommender Begriff durch den politischen Diskurs: „Hatespeech“, zu Deutsch Hassrede. Mit ihm sollen auch jene Meinungsäußerungen erfasst werden, die zwar möglicherweise nicht strafbar, aus Gründen der politischen Korrektheit aber dennoch unerwünscht sind, etwa weil sie Elemente einer gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit enthalten könnten. Gleich mehrere Bundesministerien wenden sich seit neuestem dem „Kampf gegen Hatespeech“ zu. Mit der Durchführung beauftragt wurde u. a. die Amadeu-Antonio-Stiftung. Sie soll mit einer „Taskforce“ Betreiber Sozialer Netzwerke im Umgang mit Hassreden beraten und allgmeine Löschempfehlungen aussprechen.
„Wir sprechen uns gegen Hatespeech aus, egal ob strafbar oder nicht. Jeder darf seine Meinung äußern, aber sachlich und ohne Angriffe.“
Kampf gegen nicht strafbare Äußerungen?“[5]

Der Begriff des „Rechtspopulismus“ mit seinen weiteren Ausgeburten wie „Hatespeech“, „Fakenews“ oder „postfaktisch“ wird inflationär von Personen angewendet, auf die diese Begriffe wesentlich eher zutreffen als auf einen großen Teil derer, gegen den sie sie einsetzen. Unangenehm erinnert werde ich seit Tagen an den Roman „Der Nazi und der Friseur“ von Edgar Hilsenrath, in dem der Nazi-Protagonist nach dem Krieg die Rolle seines verfolgten jüdischen Nachbarn übernimmt und mit diesem „Fake“ selbst die Staatsbürgerschaft in Israel erwerben kann…

„Populismus“ und Volkssouveränität

Aristoteles und mit ihm später Thomas v. Aquin hielten 6 Regierungsformen für realistisch, drei davon gut, drei davon gewissermaßen deren Perversion: Gut, also am Gemeinwohl orientiert, waren die Monarchie (Perversion: Tyrannis), Aristokratie (Perversion: Oligarchie), Politie (Perversion: Demokratie).
Politie im Sinne einer Herrschaft der vielen meinte jedoch nicht das ganze Volk als "Souverän", sondern eine Auswahl der Vernünftigen und Klugen.
Was wir heute als Staatsform haben, wäre demnach, nach dieser aristotelisch-scholastischen Definition die Perversion der Politie, nämlich die Herrschaft aller, gleich wie vernünftig oder unvernünftig sie sind.

Das klingt scheinbar sinnvoll, aber wer wüsste nicht um die Problematik, dass es sich in monarchischen und aristokratischen Strukturen, auch in solchen, die die „Tüchtigsten“ auswählen oder auszuwählen vorgeben, letztendlich nicht wirklich um eine Herrschaft durch die Besten handelt, sondern um gewissermaßen in einem Treibhaus der Mächtigen selbst gezogene Herrschaftspflänzchen, deren Güte sich allzu oft als minderwertig erwiesen hat. Thomistischen Träumen davon, dass die Herrschenden deshalb herrschen, weil sie „weiser“ seien als die Untertanen, haftet daher immer etwas Infantiles oder Naives an – denn solche immanente „Weisheit“ der Mächtigen ist ja immer nur ein Zuchtprodukt derer, die bereits herrschen…

Szenenwechsel: Im alten Rom wurde die Monarchie 500 v. Ch. verworfen, weil sich die Herrschaft eines einzelnen als schlimmste Gefahr erwiesen hatte. So gibt auch Thomas v. Aquin später zu, dass keine Regierungsform übler sei als eine pervertierte Monarchie/Autokratie.
Man führte also - um das zu vermeiden - die Konsuln-Regierung ein, die für sehr begrenzte Zeit vom Volk gewählt wurde. Das „Volk“ war zunächst das Patriziat, im Laufe der Zeit aber erkämpften sich auch die „Plebejer“ (Handwerker, Bauern) in den sogenannten „Ständekämpfen“ Zugang zu politischen Ämtern. Ein kurzes Rotationsprinzip, enge rechtliche Regeln und eine hohe Beteiligung des Populus sollten künftig diktatorische Misswirtschaft und Ineefinzienz auf lange Sicht verhindern. Durch die Verstrickung in viele Kriege und wachsende soziale Probleme, die nicht gelöst wurden, kam es zu Bürgerkriegen im Römischen Reich, die am Ende zum Niedergang der Republik führten.

Die Perversion des republikanischen römischen Systems, das eine Mischung aus aristokratischen, politischen und demokratischen Herrschaftselementen darstellte, in genau das, was man Jahrhunderte vorher hatte endgültig überwinden wollen, nämlich die Alleinherrschaft eines Monarchen, kam zurück wie ein Dämon, den man ausgetrieben hatte, und der mit 7 weiteren Geistern gnadenlos die Institutionen besetzte. Vollzogen wurde nach langen Bürgerkriegen und der umstrittenen Alleinherrschaft Caesars eine Art „Ermächtigung“ des Kaisers Octavian, der sich alle Amtsvollmachten selbst zuschreiben ließ. Aber mit diesem selbsernannten Augustus, dem „Erhabenen“, war auch das Ende des antiken Rom eingeläutet. Formell bestand die Republik weiter, faktisch wurde sie immer weiter ausgehöhlt durch Ausnahmeregelungen für ein immer weiter pervertierendes Kaisertum. Es ist aus meiner Sicht hochproblematisch, dass sich sowohl die Kirche als auch das Heilige Römische Reich ausgerechnet an diese an sich nicht legitime Herrschaftsform als der angeblich „gottgewollten“ banden. Christus wurde nach der Überlieferung und Überzeugung der Kirche unter der Herrschaft dieser pervertierten römischen Herrschaftsentwicklung geboren. Und unter dieser Herrschaft kam er zu Tode, nicht nur wegen der jüdischen Intrige gegen ihn. Ausdrücklich wurde Jesus als Aufrührer gegen den Kaiser verleumdet, dessen Schwiegersohn sein Richter, der Statthalter Pilatus, war. Seine Aussage, sein "Reich sei nicht von dieser Welt" kennzeichnet die Polarisierung zwischen ihm und diesem Kaisertum. Sein berühmter Ausspruch "Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist", drückt keineswegs die geistliche oder theologische Akzeptanz des römischen Kaisers aus, sondern benennt viel eher ihn als den antichristlichen Gegenpol zu seiner verborgenen Herrschaft. Der Kaiser ist Ausdruck und Funktion des Fürsten der Welt, wenngleich diese Welt regiert werden muss und der Fürsten bedarf. Diese Spannung so fahrlässig zu "verchristlichen" und im eigenen Machtstreben aufzuheben, muss man der Kirche wohl für immer als antichristliche Komponente vorwerfen.

Norbert Tofall wies heute[6] darauf hin, dass eine Politik des „Popularismus“ auf die Zeit der Bürgerkriege zurückgeht, in denen bewusst mithilfe des Volkes (des Populus), allerdings gegen die geltenden Normen, bestimmte Reformen und Maßnahmen durchgesetzt werden sollten. Tofall vergleicht diesen Popularismus der römischen Zeit mit dem, was heute als „Populismus“ verhetzt wird. Dies ist – neben meinen Zweifeln an der Deutung der antiken Vorgänge - m.E. ein Fehlschluss.

Niemand der als Populisten Verhetzten versucht bislang auch nur irgendeine politische oder soziale Maßnahme zur Abhilfe der Missstände durchzusetzen.

Vielmehr trifft ein solcher Vorwurf am ehesten die Politik Merkels selbst. Ihre Alleingänge, die angeblich „alternativlos“ seien, ihre Instrumentalisierung der Gutmeiner-Emotionen und Hilfsbereitschaft des Volkes, ihre „Wir schaffen das!“-Appelle an ein schimärisches „Wir“ ebenso wie ihr jüngster Appell "Ihr müsst, ihr müsst mir helfen!" auf dem CDU-Parteitag im Dezember 2016 sind genuin populistisch[7]. So pflegt sie, wie jüngst der Grünen-EU-Abgeordnete Reinhard Bütikofer in einer öffentlichen Veranstaltung sagte, vor EU-Gipfeln keinerlei Kontakt aufzunehmen mit den anderen Regierungschefs, sondern aufzutauchen und den anderen mitzuteilen, was sie beansprucht, auch hier „alternativlos“ und mit dem dumpfen Rückhalt im „Wir“. Merkels „Demokratieverständnis“ sei „unerträglich“, sagte er.[8] Wie isoliert wir inzwischen in Europa sind, welchen Zorn unserer Nachbarn wir mit dieser herrschsüchtigen Frau auf uns laden, dürfte den wenigsten braven und arglosen Deutschen klar sein. Der Gipfel waren auf dem CDU-Parteitag im Dezember 2016 Merkels folgende – wirklich infame – Sätze: „Wer bei uns das Volk ist, bestimmt bei uns das ganze Volk. (…) Dazu gehört auch, dass Einige, die schon immer in Deutschland leben, dringend einen Integrationskurs nötig hätten.“[9] Merkel spielt hier das „ganze Volk“ gegen mindestens die Hälfte des Volkes aus. Und sie grenzt Bürger, die angestammte Deutsche sind, aus der Volksgemeinschaft aus. Das heißt, dass sie faktisch Deutsche gegen Migranten ausspielt, dass sie ihre Anhänger und Migranten gegen ihre Kritiker ausspielt. Dieses Spiel ist nicht nur infam, sondern auch perfide und man darf sich fragen, wieviele Kriterien der Volksverhetzung es erfüllt.

In der Neuzeit debattierte man v.a. kirchlich einen spätrömisch-antichristlichen Monarchismus, der angeblich als Staatsform gottgewollt sei (!), daneben mit dem Beginn der Renaissance Modelle der unmittelbare Demokratie (Basis-Demokratie) und repräsentativer Systeme, die im Grunde die Ablösung vom monarchischen Modell insofern nie geschafft haben, als sie das "Repräsentative" nach wie vor annehmen:

Ein Monarch ist "Stellvertreter" des Gemeinwesens und aller Untertanen. Er ist in diesem Sinne der "Souverän", die Menschen die "Untertanen" (Untergeordneten). Feudale Konzepte sind in sich schlüssig, werden aber selten ideal gelebt. Ihr Makel ist die quasi-ontologische Absetzung der Untertanen von den Fürsten. Wir wissen, dass in einer solche Überhöhung des Fürsten kaum einer der Versuchung zum Machtmissbrauch standhält.

Im Rahmen einer Republik nistet sich jedoch eine Schizophrenie ein, wenn keine klare Lösung von solchen monarchischen Modellen erfolgt. Die moderne parlamentarische Demokratie hat daher einen Makel: sie setzt voraus, das Volk sei der "Souverän", raubt aber diesem Souverän die Souveränität, sobald er sich seinen bzw. seine "Stellvertreter" selbst gewählt hat. Sobald der Stellvertreter im Amt ist, ist er nur schwer zu stürzen oder zu kritisieren, und das Volk findet sich letztendlich schnell wieder in der Rolle des "Untertanen", obwohl dieser Untertan sich "Bürger" nennen darf und neben einer Verpflichtung auf das geltende Recht eine Garantie auf Gewaltenteilung und Menschenrechte hat.

Mit dieser Problematik kämpft die BRD von Anfang an, und der Souverän hat immer in der einen oder anderen Art gegen den/die "Stellvertreter des Souveräns" rebelliert. Nun sollte solche rebellische Reibung  per definitionem möglich sein in unserem System. Unvergesslich, als Thomas Brasch 1981 den bayerischen Filmpreis bekam, von genau dieser Problematik sprach, dass er vom "Establishment" (er nannte es etwas anders) nun gekürt wurde, obwohl er doch im Widerspruch zu ihm stehe, und der damalige Ministerpräsident FJ Strauss darauf antwortete, man habe Brasch den Preis gegeben, weil das ein Zeichen der liberalitas Bavariae sei.[10]
Solange das so läuft, ist alles halbwegs gut.

Es läuft aber nicht mehr so. Unter Merkel brach der innere Konflikt zwischen Souveränität und Souveränitätsstellvertretung massiv aus. Die laute Forderung der AfD nach mehr direkter Demokratie ist daher eine seismografische Reaktion auf den wachsenden Missstand. Merkels Regierung scheint daran zu arbeiten, die Meinungsfreiheit empfindlich einzuschränken, und dies durch gezielte Verhetzung der Regierungskritiker. Um von ihrem eigenen populistischen Treiben abzulenken, zeigt sie mit Fingern auf die AfD, in der sich objektiv doch vor allem all jene sammeln, die es aus der gleichgeschalteten politischen „Mitte“ (dem „Populus“) herausgekegelt hat. Wie Wolfgang Bosbach in Talkshows immer wieder plaudernd sagte, hat nicht er sich in seiner politischen Haltung verändert, sondern die CDU unter Merkel. Und dieses Empfinden haben viele ehemalige Angehörige der CDU und der SPD. Nicht wenige der heutigen AfD-Exponenten sind ehemalige Mitglieder der großen „Volksparteien“.

Wir stehen also eher vor dem Dilemma, dass nun diese zurechtgemerkelte „Mitte“ behauptet, sie repräsentiere die Mitte und das „Volk“, ausgedrückt im angelinischen „Wir“, während die Vertriebenen und Flüchtlinge dieser merkelschen Politik sich in der AfD oder bei der Linken sammeln und ihrerseits reklamieren, das zu repräsentieren, was das „Volk“ in Wahrheit empfinde und denke. Merkel und ihre Vasallen reagieren darauf mit dem sinnigen „Populismus“-Vorwurf, obwohl sie doch selbst offenkundig und unverdeckt popularistische Politik machen.

Wenn nun das echte Volk, also die, die weder in der „Mitte“, noch in der Linken noch in der AfD sind, sich verzweifelt daran erinnern, dass sie doch der Souverän seien, dabei aber gelegentlich vergessen, dass sie wirklich der Souverän SIND und „die da oben“ nur unsere abwählbaren Stellvertreter und eben nicht Monarchen, gegen die man wie ein Untertan opponiert, ist tragisch.

Tatsächlich autokratische Tendenzen sind einzig und alleine bei Frau Merkel erkennbar, und das seit Jahren. Sie hat die CDU total zerstört und auf sich eingeschworen. Wer ihr in die Quere kam, wurde weggedrückt – etwa Friedrich Merz oder Roland Koch. Danach hat sie über die Große Koalition und diverse Landesregierungen auch die anderen etablierten Parteien auf ihren Kurs eingeschworen. Seehofers gelegentliche Zwergenaufstände sind nicht ernst zu nehmen. Im Zweifelsfall leckt er Merkel doch wieder die Füße.

Ich kann dagegen bei der AfD, die mit Abstand am meisten verleumdet und verhetzt wird,  derzeit nicht erkennen, dass sie eine autokratische Verstärkung der Lage anstrebt. Habe gerade das Parteiprogramm gestern wieder angesehen. Etwa zum Thema „Zuwanderung“.[11]
Wer ihr ohne jeden Nachweis unterstellt, sie präferiere eine Autokratie, bewegt sich selbst im Bereich des Populismus, der Verleumdung und der Hetze. Es ist im Prinzip richtig, dass die AfD sich gegen solche Verleumdungskampagnen mit Anzeigen und Prozessen wehrt. Das gälte für jede andere Partei, die nicht als verfassungsfeindlich eingestuft werden kann, ebenso.

Leider haben unsere Eliten es nicht nötig, das Parteiprogramm der AfD einmal unaufgeregt zu lesen. Sie brauchen ihre Fantasy-AfD als den Badboy ihrer politischen Hollywood-Kitschwelt. Irgendwo muss der böse Nazi ja versteckt sein. Bloß nicht bei ihnen…
Ähnlich wie damals bei Thilo Sarrazins erstem Buch fantasieren auch hier unsere Moralhüter, angefangen von der Kanzlerin bis hinunter zu Schmidtchen Nazijäger über Bücher und Parteien, über Personen und Gegenstände, mit denen sie sich niemals beschäftigt haben. Und darauf sind sie auch noch stolz. Dummheit und Stolz auf einem Holz.

Das kantische „Sapere aude“ jedenfalls, etwas vom besten deutschen Erbe, wird derzeit von unserer Regierung und einem Heer an „anti-rechten“ Äpfeln, die – wie sollte es anders sein! – nicht weit von ihrem faschistischen Stamm fallen, um das Linsengericht kurzfristigen „Gott, ich danke dir, dass ich nicht so bin wie diese da“-Fühlens verscherbelt.

Was sich hier und heute, maßgeblich verschuldet durch die Merkel-Regierung, abspielt, entspricht nicht meinem Willen als Verfassungspatriotin und liberal-konservativer Bürgerin eines noch bestehenden Rechtsstaates. Wir befinden uns auf einem abschüssigen Weg in eine Diktatur. Und es sind eben nicht die "Rechten", wer immer das eigentlich sein soll, sondern es ist die Regierung selbst, die schleichend das ganze politische System umbaut.


Was ist eigentlich mit den echten Asylanten?

Mich beschleicht angesichts all dieser Merkelschen Aktionen immer wieder der beklemmende Verdacht, dass Merkel, ähnlich wie Augustus, keinen offenen Umsturz durchführt, sondern über die untertourig-scheinbare "Notstands-" und "Ausnahmeregelungsschiene" unsere parlamentarische Demokratie bei offiziellem Fortbestand ihrer Institutionen in ein Zerrbild ihrer selbst umprägen wird. Die überfordernde und viel zu hohe Anzahl von angeblichen oder wirklichen Flüchtlingen, dabei einer unnatürlich hohen Zahl junger, wehrfähiger Männer aus dem arabischen Raum, die seltsamerweise - obwohl dort doch Christen und Jesiden die wirklichen Verfolgungs-Hauptopfer sind - fast alle Muslime sind, und einer Dunkelziffer von fast einer halben Million illegaler Menschen (wer weiß das schon so genau!), sind willkommen für diesen lautlosen Putsch, als Unruhestifter und brauchbare Verwirrer, um das Volk in Panik zu versetzen, und kein Wunder propagierte die Regierung die "Willkommenskultur".

Wer nicht größenwahnsinnig ist, weiß, dass solche Zahlen nicht zu stemmen sind, schon gar nicht, wenn man gar nicht weiß, wer da überhaupt ins Land eingedrungen ist, und man von einer hohen Zahl an total demoralisierten und traumatisierten Täter-Opfern ausgehen muss, die sich definitiv niemals integrieren lassen werden. Woher sollte intensive psychiatrische Behandlung für so viele Menschen und dies über Jahre weg denn herkommen? Die Häufung schwerer Gewalttaten aus diesem Personenkreis spricht für sich und sollte nicht propagandistisch durch eine lückenhafte Erfassungsliste "nach unten" nivelliert werden. Ideale und wunderbare „Menschengeschenke“ (Kathrin Göring-Eckhardt), die mit letzter Not dem IS entronnen sind, stellt man sich etwas anders vor diese überdurchschnittlich vielen Räuber, Vergewaltiger, Mörder und Islamisten, die uns ihre Verachtung doch so offen zeigen und das Gastrecht ebenso missbrauche wie unsere Hilfsbereitschaft.

Was mich dabei am meisten bedrückt ist die Tatsache, dass diejenigen, die wirklich geflohen sind vor Gewalt und Terror, in Deutschland aufgrund der pauschalen "Verteidigung" aller ins Lande Gekommenen, von fast niemandem mehr genauer beachtet und geschützt werden. Terror von angeblichen Flüchtlingen gegen wirkliche Flüchtlinge in Auffanglagern, die Einsamkeit v.a. der Frauenminderheit, die hoffte, den unsäglichen Umständen in entfesselten islamischen Gesellschaften zu entkommen und hier denselben Personenkreisen, denen sie entflohen sind, wieder ins Messer laufen, vor allem eine massive sexuelle Belästigung und Gewalt in Flüchtlingseinrichtungen sind unserer Regierung samt ihren Claqueuren keine Aufregung mehr wert. Als im September 2015 über diese katastrophalen Missstände unverdächtige Institutionen wie der Paritätische Wohlfahrtsverband, Pro Familia, der Landesfrauenrat und die Landesarbeitsgemeinschaft Hessischer Frauenbüros in einem Brief an die Fraktionen im hessischen Landtag berichteten, war die Reaktion der Politik Abwiegelung und Leugnung. Daran hat sich seither nichts geändert.[12] Flüchtlinge sind vielmehr das pauschale Unterpfand des unbeugsamen Größenwahnsinns der Kanzlerin geworden. Im Klartext heißt dass, dass wir für ernsthaft Asylbedürftige kein Zufluchtsort mehr sind und immer weniger sein werden.
Es sollte uns zutiefst erschüttern, wenn uns christliche syrische Flüchtlinge berichten, was erfreulicherweise der Deutschlandfunk im Mai 2016 sendete:

„Wir sind nach Deutschland gekommen, um hier zu leben, zu arbeiten, vielleicht einmal eine Familie zu gründen. Aber wenn du in der Schlange beim LAGeSo stehst und diese fanatischen Sätze hörst, von der Sharia – die ganze Zeit reden sie über das islamische Recht, von den ungläubigen Deutschen, dass ihre, die islamische Religion die bessere sei. Manche träumen sogar, die Deutschen zum Islam zu bekehren. Für mich ist das wirklich hart, diesen Druck zu spüren."[13]

Berichte über Diskriminierung durch Lagerleiter, wenn Flüchtlinge keine Muslime sind, syrisch-orthodoxe Gottesdienste, die nur noch unter Polizeischutz stattfinden können – das alles spielt sich in Deutschland ab und ist unserer Regierung keine Beachtung wert. Im Gegenteil wird der Hinweis auf diese Tatsachen medial heruntergespielt und als Übertreibung oder falsche Information ausgegeben, obwohl integre Zeugen wie Bassam Tibi oder Sr. Hattune Dogan, die selbst Migranten sind, für sie einstehen.[14] Mit einer beispiellosen Kaltschnäuzigkeit gehen nicht nur Frau Merkel und die Etablierten, sondern auch ein gewisser Teil der „Gutmeiner“ und Moralwächter im Volk über dieses unsägliche Leid der echten Flüchtlinge hinweg!

Merkel folgt der alten Strategie „Divide et impera“.
„Teile und herrsche“, stifte Unruhe im Volk, bringe die Menschen gegeneinander auf, spiele das „ganze Volk“ gegen das „halbe Volk“ auf, und schon hast du gewonnen.
Vor uns liegt die Aufgabe, für den Erhalt der Bundesrepublik zu kämpfen als einem demokratischen und rechtsstaatlich geführten Staat. Andernfalls sind wir verloren.  


[8] Redezeugnis von der Veranstaltung „Bricht Europa auseinander?“ mit Reinhard Bütikofer (MdEU) am 7.12.2016 in Karlsruhe http://gruenekarlsruhe.de/Veranstaltung/reinhard-buetikofer-in-karlsruhe-bricht-europa-auseinander/ (14.12.2016)
[9] Vgl. Anm. 7
[10] Die Rede Braschs und die Reaktion Strauss kann hier im Film angesehen werden: https://www.youtube.com/watch?v=bYX-tY_pnu0 (14.12.2016)