Sonntag, 4. Dezember 2016

Adventus II



Adventus II:

Mariae Heimsuchung



Zwei Mütter, zwei Kinder.
Eine Mutter und ihr Kind, ergraut, dem Alten zugehörig.
Eine Mutter und ihr Kind, eine Jungfrau, dem Neuen zugehörig.

Eine Mutter, in Schmerzen kinderlos alt geworden.
Eine Mutter, die freiwillig das Joch der Kinderlosigkeit auf sich genommen hatte.

Und die Männer dieser Frauen?
Beide sind verstummt, mussten verstummen.
Gott hieß sie schweigen.
Der Vater der Alten wurde mit Verstummen-Müssen für seinen Unglauben bestraft, der andere schwieg von selbst, weil er ein Gerechter war.

Die Mütter redeten im Heiligen Geist, beide, die Alte und die Junge.
Und wie sollten die Kinder geisterfüllter Mütter nicht ebenfalls von ihm erfüllt sein: Der Sohn der Alten war schon im Mutterleib von Ihm erfüllt.
Der Sohn der Jungen war heilig.

Welch eine Konstellation.

Zur Zeitenwende erscheint der Engel Gabriel einem Priester des alten Bundes, um ihm einen Vorausschein des kommenden Heils anzusagen.
Zacharias aber, dieser Repräsentant des Alten Bundes, weiß es besser als Gott – das Dilemma Israels und auch der Herrschaft des Mannes im Alten Bund, die stets in der Gefahr standen, Gottes unverbrüchliche Liebe zum ungetreuen Israel zu konterkarieren.
Nicht umsonst heißt es später im Johannes-Prolog, „nicht aus dem Willen des Mannes“ würden die Kinder Gottes geboren.

In unserer Geschichte ist das eine geradezu weltstürzende Realität.

Doch sehen wir uns doch die Texte im Lukas-Evangelium genauer an:

5 Zur Zeit des Herodes, des Königs von Judäa, lebte ein Priester namens Zacharias, der zur Priesterklasse Abija gehörte. Seine Frau stammte aus dem Geschlecht Aarons; sie hieß Elisabet.
6 Beide lebten so, wie es in den Augen Gottes recht ist, und hielten sich in allem streng an die Gebote und Vorschriften des Herrn.
7 Sie hatten keine Kinder, denn Elisabet war unfruchtbar, und beide waren schon in vorgerücktem Alter.

(Lk 1)

Schon im ersten Satz fällt auf, dass nicht ausdrücklich Zacharias, der nur mittelbar über Abija als Aaronide gekennzeichnet wird, sondern seine Gemahlin Elisabeth als Frau aus der Elite der priesterlichen Vorfahren stammt.
Sie ist direkte Nachfahrin des „Ur-Priesters“ Aaron, des „Ahnvaters“ aller von Gott am Sinai eingesetzten Priesterschaft, dem Bruder des Moses und der Miriam.
Man fragt sich schon an dieser Stelle, wenn man genau liest, warum ihre Herkunft so ausdrücklich hervorgehoben wird.
Diese drei Geschwister, die beim Auszug Israels aus Ägypten die führende Rolle spielen, stammen von Amram und Jochebet, einem Ehepaar aus dem Stamm Levi, der allgemeinen israelitischen Priesterkaste.
Aarons Rolle in der Tora ist vielschichtig. Obwohl er der Erstgeborene ist, scheint er doch nicht der Führer zu sein, sondern der priesterliche Beistand zur Führerschaft des Moses. Die Tora berichtet uns, dass Aaron und Miriam sich – offenbar unter der Führung Miriams - gegen den Vorrang Moses aufgelehnt haben. Miriam wird deshalb mit Aussatz und mit Ausschluss aus dem Lager der Israeliten für sieben Tage bestraft. Sie kehrt nach Verbüßung dieser Strafe geheilt zurück. Ihr Aufstand gegen Moses ist wie ein Nachhall auf Eva. Aber diese Episode bestätigt dennoch die Führerrolle einer Frau, die in Gen. 3 vorhergesagt ist und die Heilung in Aussicht stellt. Gott bestätigt seine Wahl des Zweitgeborenen, aber auch seine Hinwendung zu den beiden anderen als Priester und Propheten.
Schon hier zeigt sich, dass Gott in der Wahl seiner Heilsträger nicht den Gesetzen folgt, die doch sonst dem gängigen hierarchischen Denken gemäß als „gottgegeben“ angesehen werden: Wie einst bei Abel, wie einst bei Jakob, erwählt der Allmächtige auch unter den drei Geschwistern nicht den Erstgeborenen, sondern den Zweiten. Aber allen gibt er eine Schlüsselrolle, und ohne die beiden anderen wäre Moses verloren gewesen.
Aaron ist zugleich der, der dem Murren des Volkes nicht standhält, als Moses auf dem Sinai das Gesetz empfängt, und das Kultbild des goldenen Kalbs anfertigt und davor Rituale durchführt.
Im Buch Leviticus wird der von Gott angeordnete Einsatz Aarons in sein Priesteramt wie eine Königskrönung vollzogen. Und der Prophetin Miriam ist es gegeben, die Rolle aller Prophetinnen vorzuformen.
Aus diesem Geschlecht also stammt mit besonderer Hervorhebung Elisabeth, die Frau des Zacharias.

Zu beachten ist ebenfalls, dass ausdrücklich beiden Personen Gerechtigkeit im alten jüdischen Sinne zugesprochen wird. Sie sind nicht, wie heutzutage oft so leichtfertig gesagt wird, „Sünder wie alle“, sondern ein Mann und eine Frau, die sich „streng“ darum mühen, den Willen Gottes in ihrem Leben wirklich werden zu lassen. Diese Beschreibung ist eine außerordentliche Auszeichnung für beide.

Doch wie geht es weiter?

11 Da erschien dem Zacharias ein Engel des Herrn; er stand auf der rechten Seite des Rauchopferaltars.
12 Als Zacharias ihn sah, erschrak er und es befiel ihn Furcht.
13 Der Engel aber sagte zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias! Dein Gebet ist erhört worden. Deine Frau Elisabet wird dir einen Sohn gebären; dem sollst du den Namen Johannes geben.
14 Große Freude wird dich erfüllen und auch viele andere werden sich über seine Geburt freuen.
15 Denn er wird groß sein vor dem Herrn. Wein und andere berauschende Getränke wird er nicht trinken und schon im Mutterleib wird er vom Heiligen Geist erfüllt sein.
16 Viele Israeliten wird er zum Herrn, ihrem Gott, bekehren.
17 Er wird mit dem Geist und mit der Kraft des Elija dem Herrn vorangehen, um das Herz der Väter wieder den Kindern zuzuwenden und die Ungehorsamen zur Gerechtigkeit zu führen und so das Volk für den Herrn bereit zu machen.
18 Zacharias sagte zu dem Engel: Woran soll ich erkennen, dass das wahr ist? Ich bin ein alter Mann und auch meine Frau ist in vorgerücktem Alter.

Es ist eine ungeheuerliche Ansage, die da an den Priester Zacharias gerichtet wird. Er und seine Frau sollen ein Kind zeugen, obwohl doch, wie einst bei Abraham und Sara, ihr Leib erstorben ist, und dieser Sohn soll schon im Mutterleib vom heiligen Geist erfüllt sein.
Diese Ansage ist Zacharias zuviel. Zu viele Informationen auf einmal:

Als Greise sollen sie Vater und Mutter werden. Das Kind wird eine große Freude für alle darstellen. Und dann dieser Satz, nochmal schreibe auch ich ihn nieder:
Es wird schon als Fötus geisterfüllt sein – das ist unerhört, das gab es doch noch nie! Und dann wird er großes Heil in Israel bewirken und dem „Herrn den Weg bereiten“…

Und dennoch offenbart sich in Zacharias Reaktion Verbitterung und Stolz. Er wusste doch, dass Gott auch einst der Sara den verheißenen Sohn schenkte. Er wusste doch, dass bei Gott alle Dinge möglich sind. Dass seine Reaktion nicht recht war, zeigt sich daran, dass seine Frau nicht so reagierte wie er. Der Engel lässt sich auf keine Debatte ein und gibt ihm strenge Worte zurück:

19 Ich bin Gabriel, der vor Gott steht, und ich bin gesandt worden, um mit dir zu reden und dir diese frohe Botschaft zu bringen.
20 Aber weil du meinen Worten nicht geglaubt hast, die in Erfüllung gehen, wenn die Zeit dafür da ist, sollst du stumm sein und nicht mehr reden können bis zu dem Tag, an dem all das eintrifft.

Das Volk stand unterdessen draußen und erwartete von Zacharias den aaronitischen Segen. Er dauert lange, bis er kam, und dann erlebten die Wartenden etwas Merkwürdiges:

22 Als er dann herauskam, konnte er nicht mit ihnen sprechen. Da merkten sie, dass er im Tempel eine Erscheinung gehabt hatte. Er gab ihnen nur Zeichen mit der Hand und blieb stumm.

Kurz danach empfing Elisabeth einen Sohn und pries Gott, lebte aber die ersten fünf Monate ihrer Schwangeschaft verborgen.

Der Evangelist Lukas erzählt im nächsten Abschnitt, wie der Engel Gabriel Maria erscheint:

26 Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret
27 zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria.
28 Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.
29 Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe.
30 Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden.
31 Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben.
32 Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.
33 Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben.
34 Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?
35 Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden.6
36 Auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat.
37 Denn für Gott ist nichts unmöglich.
38 Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.

Diese Erzählung hat literarisch gesehen eine ähnliche Struktur wie die der Erscheinung des Engels Gabriel bei Zacharias. Beide erschrecken, als sie Gabriel gewahr werden. Wie Zacharias etwas Unerwartetes und nach menschlichem Ermessen Unmögliches verheißen bekommt, so geschieht dies auch Maria. Und beide äußern Unverständnis und fragen, wie dies möglich sein soll.
Wer genauer hinsieht, erkennt jedoch, dass Maria nicht in Frage stellt, dass all das, was ihr angesagt wird, geschehen soll.
Sie will vielmehr wissen, wie sie schwanger werden soll, da sie doch mit keinem Mann schläft. Diese Formulierung ist so generell, dass nicht herauszulesen ist, dass sie je vorhätte, mit einem Mann zu schlafen. Leicht hätte man ja denken können, dass die logische Folgerung aus des Engels Anfangssätzen ist, dass Maria Geschlechtsverkehr haben soll, um diesen Sohn zu zeugen. Aber genau dies scheint vollkommen ausgeschlossen zu sein. Ihre Jungfrauenschaft ist absolut und kann nicht aufgehoben werden. Ihre Frage offenbart uns, dass sie selbst das so sieht, aber auch davon ausgeht, dass Gott dies weiß. Zurecht hat die Kirche von Anfang an auf ein Gelübde geschlossen.

Maria ist – anders  als Zacharias – in außerordentlicher Weise „begnadet“. In ihrem Fall wundert sich der Leser, dass der Engel nicht einem Mann, etwa Josef, zuerst  erscheint, wo doch der Mann der vor allem selbsternannte und dem Augenschein nach auch bestätigte bevorzugte Adressat aller Heilsabsprachen ist. Er ist „der Erste“, wie er selbst glaubt.
Aber wir haben es schon gesehen – Gott erwählt so oft den Zweiten, nicht den Ersten.
Diese Souveränität Gottes entspringt keiner Willkür, sondern seiner Sicht auf die Dinge. Nur er weiß, wer wirklich die Ersten sind. Und bei ihm gilt bekanntlich kein Ansehen der Person.
Marias berühmtes „Fiat“ beendet diesen Diskurs zwischen Gottesboten und Mensch.

Bei Zacharias behielt sich der Engel das letzte Wort vor, bevor er Zacharias zum Schweigen verurteilte.
Bei Maria behält die Frau das letzte Wort.
Und dieses letzte Wort ist die Bestätigung des Menschen, dass Gottes Wort gelten soll.

Maria macht sich nach dieser Ansprache auf und besucht Elisabeth.
Das ist die berühmte Szene von „Mariae Heimsuchung“
Das geisterfüllte Kind der Elisabeth spürt sie nahen und hüpft im Leibe seiner alten Mutter. Daraufhin erfüllt der Heilige Geist auch Elisabeth und sie ruft die Worte aus, die niemals mehr vergehen werden:

42 Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.
43 Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?
44 In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.
45 Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.


Elisabeths Sätze bestätigen uns gleich mehrere Überzeugungen der Kirche:
Maria ist die Mutter des Herrn. Und der Herr ist immer Gott. Maria ist auch nach der Schrift die „Mutter Gottes“, Gottesgebärerin, wie auf dem Konzil von Ephesus dann abschließend definiert wurde.
Zugleich wird hier von einem Gesegnetsein aller Frauen gesprochen, das bei Maria noch übertroffen wird.
Dieses Gesegnetsein aller Frauen leuchtet geheimnisvoll heraus. Was meint es? Die Kompetenz, Mutter zu sein? Wohl auch, aber es scheint doch noch viel mehr zu sein. Etwas Verborgenes. Etwas, das man nicht scharf sehen kann.
Aus der Reaktion Marias auf diese Worte wird einerseits auf den Lobgesang der Hanna zurückgegriffen, andererseits präzisiert er die Rolle der Frau in einer nicht nur für damalige, „patriarchalische“ Verhältnisse bestürzenden Weise:

46 Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn,
47 und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
48 Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
49 Denn der Mächtige hat Großes an mir getan und sein Name ist heilig.
50 Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten.
51 Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind;
52 er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.
53 Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen.
54 Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen,
55 das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.

Die beiden ersten Verse bezeugen, dass Seele und Geist der Frau Gott erkennen und loben dürfen … und dass er der Retter ist, ausdrücklich der Retter der Frau.
Danach erfahren wir, dass die Sängerin für immer seliggepriesen werden wird, weil Gott an ihr Großes getan hat.
Auch dies ein eindeutiger biblischer Hinweis darauf, dass die Gottesmutter mit hyperdulia, mit außerordentlicher Verehrung zu bedenken ist von jedem Christgläubigen!
Nicht, weil sie selbst etwas wäre, ist sie zu verehren, sondern weil Gott sie erwählt hat für sein Werk.
Bedenken wir: noch nie hat ein Patriarch sich selbst solche Worte zuschreiben dürfen!
Es ist außerordentlich und bleibt außerordentlich.
Und der Tag, an dem Männer nachgezogen haben und sich selbst ähnliche Ehre heranziehen wollten, war der Tag des sichtbaren Abfalls vom Glauben.
Maria schärft es uns allen ein: Gott ist heilig!
Wehe dem, der den Allmächtigen belehren oder ihm Ehre abringen will für die eigenen Person und Rolle – diejenigen stößt er herab wie den gefallenen Engel und nichts hindert ihn, die Zweiten zu erheben, wenn sie Gnade vor ihm finden, weil die Ersten versagten.
Was sich anmaßte, groß sein zu sollen, soll „leer ausgehen“.
In Zacharias temporärem Verstummen wird dies plastisch, obwohl er immer noch als Gerechter des Alten Bundes gesehen wird:

Aber weil du meinen Worten nicht geglaubt hast, die in Erfüllung gehen, wenn die Zeit dafür da ist, sollst du stumm sein und nicht mehr reden können.“

Zacharias ist ein Gerechter, ein Mann und ein aaronitischer Priester und glaubt doch nicht, nicht da, wo Gott sich als der Lebendige zeigt.
Anders seine Frau. Sie wird erfüllt vom Heiligen Geist und erkennt die Begnadete. Ihre Worte an Maria formulieren das Gegenteil zu dem, was ihren Mann betrifft:

Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.“

Die Geschichte um Johannes und Jesus und ihre Mütter ist ein Schlüssel zum Verständnis des Heilsgeschehens.

Der alte Bund und seine Priesterschaft scheint in Elisabeth und Johannes noch einmal auf, aber nur, um nun den Staffelstab zu übergeben. Die Übergabe erfolgt nicht über das Priestertum des alttestamentlichen Mannes direkt, sondern über die Frau und deren Sohn, der sich Gott weiht, ehelos und arm in der Wüste lebt, von Heuschrecken und wildem Honig lebt, ein härenes Gewand trägt und zur Umkehr ruft.
Sein Vater Zacharias muss schweigen, bis diese Übergabe geschehen durch Elisabeth ist.
Danach wird auch seine Zunge gelöst.
Ähnlich ist es bei Josef, dem Daviden.
Auch er ein Gerechter.
Auch er muss schweigen, wird nichts gefragt, erhält nur mehr Weisung, während seine keusche Frau um Ihr Einverständnis gefragt wird und ohne jedes Zutun des Mannes empfängt und zur Heilsträgerin des größten Kindes wird, das je geboren wurde.

„Unter allen, die von einer Frau geboren sind, ist keiner aufgetreten, der größer ist als Johannes der Täufer.“

Nach diesen Worten Jesu ist Johannes das größte Kind des Alten Bundes (Mt 11, 11), nach der Ordnung Aarons, gezeugt von unfruchtbaren Eltern, geboren aus einer greisen Frau, deren Glauben den Unglauben des Mannes wettmachen konnte.

Jesus selbst aber ist das größte Kind der ganzen Welt, nach der Ordnung Melchisedeks, die diejenige vom Sinai um eine Ewigkeit übersteigt. Geboren von einer Jungfrau in der Kraft und unter dem Schatten des Heiligen Geistes.
Und das erkennt Elisabeth auf einen Blick:
Sie selbst ist die Mutter des „größten Menschen“ Israels, aber die, die da kommt, ist die Mutter des „Kyrios“, des Herrn.

Der Alte Bund ist in Elisabeth ein letztes Mal ganz repräsentiert. Johannes selbst nimmt sich schon als Vergehenden, Schwindenden angesichts dessen, der da kommt, wahr. Immer wieder bekennt er, dass der, dem er den Weg bereitet, größer ist als er:

29 Wer die Braut hat, ist der Bräutigam; der Freund des Bräutigams aber, der dabeisteht und ihn hört, freut sich über die Stimme des Bräutigams. Diese Freude ist nun für mich Wirklichkeit geworden.
30 Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden.

(Joh 29)

Israel ist der Freund des Bräutigams, und das wird niemals aufgehoben. Das ist seine Erwählung.
Der Freund tritt zurück, wenn der Bräutigam kommt.
Die Braut ist die „Tochter Zion“, Israel, aber nicht nur Israel, sondern aus der Menschheit alle, die guten Willens sind, und das ist die Kirche.

Wie in einem großen Zeichen verliert Johannes am Ende sein Haupt. Oberflächlich betrachtet deswegen, weil er für die Reinheit und Unverbrüchlichkeit der Einehe einstand. Er begründete seinen Einstand mit der Tora und wies doch weit über sie hinaus auf ein Neues.
Die Ehe – das Sakrament der Vermählung Christi mit denen die guten Willens sind.
Aber tiefer betrachtet verlor der Alte Bund sein Haupt. Johannes gab sein Leben, um die Vermählung Christi mit allen, auch denen, die nicht aus Israel kommen, zu ermöglichen.
Und deswegen ist er der größte Mensch des Alten Bundes, und seine Mutter ist symbolisch die, die den Stab Israels an Maria übergab, die schon dem Neuen Bund zugehörig ist, weil sie vorauserlöst ist und vollständig begnadet war als erste der künftigen Schar der Christgläubigen.

Sonntag, 27. November 2016

Adventus I



Adventus I 

Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters. Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.

„Was aber die Zeiten und Fristen betrifft, Brüder, so habt ihr nicht nötig, dass man euch darüber schreibe. Denn ihr wisst selbst sehr wohl, dass der Tag des Herrn kommt wie ein Dieb in der Nacht“ (1 Thess 5, 1-2)

Wir leben in einer Zeit großer Verwirrung. Die einen sind fanatisiert und schlagen destruktiv um sich, die andern glauben an das „Anything goes“. Dazwischen gibt es tausend konkurrierende oder umarmende Entwürfe. Und doch müssen am Ende alle davon und werden vor dem ewigen Richter stehen. Wir alle wissen das tief in uns und fürchten und konditionieren uns entweder auf eine vollkommene, achselzuckende Taubheit gegenüber dieser Frage, oder wir drängen uns und andere in eine religiöse Schockstarre.
Allerdings wird uns ein gerechter Richter mit Sicherheit nicht danach fragen, was uns die Panik oder ein machtgeiler religiöser Mob eingab, die fanatische Leugnung oder die zynische Verdrängung, sondern was uns eine ruhige Offenbarungstradition, unsere Vernunft und das Gewissen zu lehren versuchten. Doch nichts hat heute schlechtere Karten als das Gewissen und die feine und vernünftige Stimme des Herzens.

Rom, Kalixtuskatakombe, Krypta der Hl. Caecilia: Christusgesicht
Heute ist der Erste Advent. Wir gehen der Inkarnation des göttlichen Wortes in unserem liturgischen Gedächtnis entgegen. Viele Abendländer fühlen sich von der barbarisch auftretenden und blutrünstigen "Stärke" der mohammedanischen Religion bedroht. Mit Recht, solange sie nicht wissen, woher sie selbst einst kamen!
Die Häresie der Wüstenleute besteht darin, einen Glauben kreiert zu haben, der dieses lebendige Wort Gottes, das Christus heißt und Mensch wurde, verwechselt mit dem Stammeln der babylonisch verwirrten menschlichen Sprache, die an sich selbst immer unzulänglich ist und alles Göttliche nur wie einen schwachen Abglanz zurückhallen lassen kann.
In die Starre und Sterblichkeit des menschlichen Sprechens gezwungen erstickt ein solcher Menschenwort-Glaube jede Lebendigkeit. Selbst natürliche Menschensprachen sind Instrumente lebendiger Geistesbewegungen. Diese Leute aber, die daraus ein Steinbild machen, ein verbales Götzenbild, können folglich weder frei denken noch Inspirationen erhalten, mit deren Hilfe sie sich selbst überschreiten können. Und das ist ihr Problem. Sie versinken in einem unsäglichen Zorn, einer großen emotionalen Unruhe, im rituellen Selbstmitleid und letztendlich im Selbsthass und der trotzigen Sehnsucht nach der Hölle auf Erden.
Der Mensch, der zum lebendigen Nachdenken, zur Kontemplation geschaffen ist, soll Maria nacheifern. Sie ist die gotterwählte Spitze der Menschheit, die Jungfrau und Gottesmutter Maria.
Sie empfing das göttliche Wort in ihrem Herzen und "bewegte" es, ja sie durfte es sogar leibhaftig gebären! Wer die Inkarnation Gottes und die Trinität ausdrücklich und grundsätzlich leugnet, wird zur Verschließung vor dem lebendigen Gott unterworfen und fällt ins Bodenlose.
Und sie fallen und reißen im Fallen mit sich, was noch zu fassen ist. Brände legen sie gerade im Heiligen Land! Dornen und Brennnesseln überwuchern ihre Felder. Mord und Totschlag bringen sie über andere. Und die ihnen hierzulande von den Unseren zujubeln, mögen vielleicht nicht ihrer totenstarren konkreten Glaubensverweigerung folgen, aber sie steuern eine Totenstarre eigener Art hinzu, die sich mit der der Steinewerfer, Brandleger und Selbstpeiniger verwandt weiß.
Und doch: wer weiß, wie viel unerfüllte Sehnsucht nach der Wahrheit in deren Reihen verborgen liegt und nicht wagen darf, zu seufzen?

Heute ist der 1. Advent, und ich wünsche allen, die einem verbalen Steinbild unterworfen wurden, und die sich doch nach dem Lebendigen sehnen, dass sie es erkennen können, dass es bei Gott keine erstarrten Menschenworte geben kann, sondern nur Worte, die Herzen bewegen und „nicht leer zurückkommen“, wie es in der Schrift heißt, die eine Überfülle an weiteren Worten, an schöpferischen, liebevollen und klaren Worten hervorbringen, neue Klänge, Erfindungen und Ideen und eine Vorübung auf die selige Anschauung Gottes im Himmel, die nie zu Ende geht, weil der ewige Gott nie zu Ende geschaut werden kann.
Was aber bedeutet es für uns, wenn es uns vergönnt sein darf, dort anzulangen, in diese ewige Gottheit einzutauchen!

Denn wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, sondern die Erde tränkt und sie zum Keimen und Sprossen bringt, wie er dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen,
so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will, und erreicht all das, wozu ich es ausgesandt habe.
Voll Freude werdet ihr fortziehen, wohlbehalten kehrt ihr zurück. Berge und Hügel brechen bei eurem Anblick in Jubel aus, alle Bäume auf dem Feld klatschen Beifall.
Statt Dornen wachsen Zypressen, statt Brennnesseln Myrten. Das geschieht zum Ruhm des Herrn als ein ewiges Zeichen, das niemals getilgt wird.

(Jesaja 55)

Jeder denke nach, mit aller Kraft, welch ein unerschlossener Schatz hier für uns angelegt wurde.
Diejenigen, die bedroht werden, über diese Dinge nachzudenken, denen Angst gemacht wird, sie fielen vom Glauben ab oder kämen in die Hölle oder ihre Mitmenschen bereiteten ihnen die Hölle auf Erden:
Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten?
Niemand kann euch in eure Herzen sehen und niemand kann ein Gebet an den wahren lebendigen Gott verhindern. Wenn es den „wahren, lebendigen Gott“ gibt, kann  man ihn einfach mit diesem Namen ansprechen. Er weiß, dass er gemeint ist und schenkt alles weitere dem, der beschenkt werden und sich der Resignation nicht überlassen will.

Montag, 7. November 2016

Spätaufklärerische Religions-Ignoranz und Antimodernisten-Dschihad



Spätaufklärerische Religions-Ignoranz und Antimodernisten-Dschihad

Was mich am orthodoxen Islam als freie katholische Christin und Demokratin alter Schule so stört, ist seine fatale Assoziation mit dem katholischen Integralismus und Antimodernismus.

Und was mich ebenfalls stört, ist die offenkundige Verblendung derer, die sich für besonders fortschrittlich und weltoffen halten, wenn sie dieser totalitären, antimodernen fremden Religion all das nachsehen, wofür sie einheimische Traditionen bekämpfen.

So hysterisch unsere „Eliten“ auf einheimische Faschismen und eine schimärische „Rechte“ reagieren, so hysterisch reagieren sie auf solide Kritik am evidenten, unbezweifelbaren islamischen Antifeminismus, Antijudaismus, Antizionismus, Antimodernismus, an seiner Homophobie, Demokratiefeindlichkeit, einem Menschenbild, das Ungläubige mit Tieren gleichsetzt, und an seiner Antichristlichkeit.

Was auf der Hand liegt, was jeder mit Leichtigkeit nachlesen könnte, wird ignoriert, mit Hilfe eines Kulturrelativismus, der logischen Widersprüchen einen Persilschein zur rasanten Einfahrt ins eigene Haus ausgestellt hat, schöngeredet oder womöglich vollständig verleugnet. Der Islam ist jedoch vor allem eine Anti-Religion. Er ist defensiv und offensiv zugleich. Er hat uns nichts Positives zu sagen, er ist der „Geist, der stets verneint“ und seine Anhänger in einen spirituell angestrichenen, materialistischen Feindschaftsmodus treibt. Es gibt keine Religion, die eine so ausgeprägte Feindesnotwendigkeit aufweist. Ein Islam ohne einseitig erklärten irdischen Feind oder wenigstens eine irdische Rivalität bricht in sich selbst zusammen. Folgerichtig gehen alle rein islamischen Gesellschaften zugrunde. Ohne Feind, den man (im besten Fall) unterwerfen, (im schlimmsten Fall) vernichten kann, sind sie dem Untergang geweiht. „Islam“ heißt nicht nur „Unterwerfung“, sonder meint auch „Unterwerfung“. Wenn alle nicht-islamischen Feinde vernichtet sind, steht als finaler Akt die endgültige Zerstörung der Frau an.
Wir sind Zeitzeugen dieser Zerstörung der Frau.
Unsere Feministinnen sind allerdings, von wenigen Ausnahmen abgesehen, zu beschränkt, um das zu erkennen.
Ein Niqab oder eine Burka IST eine Art lebendiges Grab. Die Frau soll, wie in der Gnosis, "sterben", geistlich sterben, wie es im Thomas-Evangelium aufscheint, das die Kirche u.a. deswegen verworfen hat. Vorläufig ist sie noch notwendig, um als "Saatfeld des Mannes" zu dienen.
Wären postmoderne Europäer nicht solche ausgewachsenden Religions-Ignoranten, würden sie das mit Leichtigkeit sehen können, denn auch unsere schwarze Priestersoutane oder der Nonnen- und Mönchshabit bedeutete stets genau dies: das Absterben für die Welt.
Nur wurde dies niemandem aufgezwungen, sondern tatsächlich und per definitionem freiwillig von wenigen ergriffen.Das "Absterben" für diese Welt wurde im übrigen auch niemals einseitig der Frau auferlegt, während der Mann darin seine weltliche Macht fundiert. Das christliche "Absterben" für diese Welt ist Grundhaltung für jede Seele in einem persönlichen und vor allem gerade nicht im Rahmen der Ehe stattfindenden Sonderraum: dem Kloster oder dem Weiheamt. Damit und durch die dem Mann ebenso wie der Frau auferlegte Monogamie war trotz allem die Ehe eine vergleichsweise herrschaftsfreie Zone geworden.
Anders als im Islam zeichnete das Christentum mit dieser Kleidung eher eine spirituelle Arkandisziplin aus, an der einer oder eine Anteil hatte, die dem normalen Sterblichen gerade nicht abverlangt werden durfte!

Zu stark wirkt im fahrlässig „aufgeklärten“ Europa außerdem das Narkotikum Lessings von den drei angeblich ununterscheidbaren Ringen nach. Aufklärung könnte man in Sachen Religion auch als Ignoranz, als eine regelrechte „selbstverschuldete Unmündigkeit“ hinsichtlich eines fundierten und großen Religionswissens bezeichnen. „Aufklärung“ heißt heute, man findet Religion überflüssig und doof und ist stolz darauf, darüber nichts zu wissen – eine dumpfe Haltung, die sich bitter rächt und all jene, die sich so positioniert haben, eiskalt erwischt.

Die Aufklärung hat eine notwendige einheimische Religionskritik hervorgebracht, die im letzten Ende aber zur Ignoranz hinsichtlich der Religion geführt hat.
Nicht nur Religion kann Opium für das Volk sein, sondern jede Weltdeutung, die die Wachsamkeit und das Unterscheidungsvermögen betäubt.
Insofern wurde auch die Aufklärung zum Opium für das Volk.
Es liegt auf der Hand, der Vernunft gut sichtbar, dass Religion nicht gleich Religion ist, auch dann nicht, wenn einige Strukturmerkmale übereinstimmen sollten…
Nicht nur eine angemessene Religionskritik gegenüber dem Islam steht an, sondern auch eine fundierte Entmythologisierung der Aufklärung.

Das heißt im Klartext für den Ist-Zustand unserer einheimischen „Eliten“: Aufgeklärte „Antifaschisten“ stellen faktisch eine verschleierte, neo-faschistische Führerschicht dar, die nun, nachdem sie in Politik und Medien das gesamte Feld für sich erobert und hermetisch nach außen hin abgeriegelt hat, nach und nach ihre Hüllen fallen lässt und die Nacktheit, all die Versäumnisse, die sich die Moderne einerseits selbst zuschreiben muss und in die andererseits ein aggressiver kirchlicher Antimodernismus sie seit 200 Jahren getrieben hat, sichtbar werden lässt. Dem Volk wird eben jene Frauenverachtung, jener Judenhass, die Sexualisierung des Menschseins, die Verachtung des anderen plötzlich als ein schützenswertes Gut serviert, und dies sowohl aufseiten unserer pseudoliberalen, in Wahrheit aber reaktionären Eliten, als auch aufseiten offener abendländischer Traditionalisten.

Man findet da als liberal-konservativer Katholik kein Forum mehr. Nirgends.
Die Rückseite des antimodernistischen katholischen Integralismus – wie Oswald Nell-Breuning analysierte – ist der Progressismus, ein entwurzelter Fortschrittsglaube. Beide verleugnen den übernatürlichen Charakter des Leibes Christi und wollen durch die sichtbare politische Gestalt der Kirche deren Perfektion nicht nur erreichen, sondern auch durch Strukturreformen erzwingen. Und genau darin, in diesem Ehrgeiz, dem Herrn ein „Haus des Friedens“, auf Mohammedanisch „Daressalam“, zu bauen, ähneln nachkonziliare Reformer dem rabiaten Antimodernismus Pius X. einerseits und dem orthodoxen Islam andererseits aufs Haar.
Und unsere „Eliten“ sind inzwischen zu verbildet, um dies zu erkennen.

Nun weiß jeder einigermaßen Bewanderte, dass die Kirche seit Jahrhunderten, gewissermaßen spätestens seit der konstantinischen Wende, diese perfekte irdische Gestalt mehr als schuldig geblieben ist.
Das „Königtum nicht von dieser Welt“, das Jesus vor Pilatus im Verhör seines Kreuzigungsprozesses definierte und bis in den Tod vertrat, wurde von der Kirche zwar nicht dogmatisch, aber im ordentlichen Lehramt umgedeutet in den Anspruch, sie sei mit ihrem Papst das Königtum der weltlichen Könige, und alle Herren dieser Welt müssten sich ihr unterwerfen. Diese Lehre fand ihren Ausdruck in einer immer einseitigeren Formulierung und Interpretation der Zwei-Schwerter-Lehre, die dem Papsttum und der kirchlichen Hierarchie die absolute Oberhand über die weltlichen Mächte zuweisen wollte.
Die Perfektion, die damit der kirchlichen Hierarchie zugesprochen wurde, ähnelt dem Perfektionsanspruch des Islams als politischer Lehre.

Perfekt ist allerdings nach der Überlieferung der Kirche nur das an ihrer sichtbaren Gestalt, was Christus selbst objektiv und person-unabhängig gestiftet hat: die Sakramente.
Das Perfekte ist zwar dem Menschen in die Hände gelegt, aber er kann nicht der Urheber dieser Perfektion sein. Das Sakrament wirkt durch sich selbst als ein von Christus Gestiftetes. Der Priester ist eine vermittelnde Leitung, die von sich selbst vollkommen absehen muss. Sobald er es nicht tut, beschädigt er das, was er vermittelt.
Die Hierarchie hat die Aufgabe, die Sakramente und die definierte Lehrüberlieferung zu bewahren, zu verwalten und weiterzugeben. Mehr nicht.

Jeder wirkliche und kenntnisreiche Katholik weiß, dass es auf die Person eines Hierarchen in diesen amtlichen Handlungen gar nicht ankommt. Er hat seine individuelle Gestalt in der Priesterweihe vollständig an Christus weggegeben. Was oder wer er ist, ist gleichgültig, weil nur der Herr durch seine Hände handeln will, dies aber eben nicht aufgrund einer charismatischen Fähigkeit, sondern aufgrund einer objektiven Vollmacht, (die) Sakramente zu spenden, die Lehre der Kirche zu predigen und Gläubige zu beraten.
Das Wirken Gottes ragt so als Mysterium in diese Welt hinein, leiblich und geistig, aber nicht weltlich-machtvoll. Dafür steht der Tod Jesu und seine Absage an jede irdische Macht, als der Satan ihn in der Wüste dazu verführen wollte. Gewollte und erstrebte Irdische Macht ist immer ein Pakt mit dem Teufel.
Eine Religion, die dies nicht nur unter Aufkündigung ihres ursprünglichen und auch lehrmäßigen Auftrages dennoch tut, sondern die irdische Macht als göttliches Gütesiegel ansieht, kann kaum anders angesehen werden als ein solcher prinzipiell mephistophelischer Pakt.

Die endgültige Umdeutung des Weiheamtes und dessen Spitze, das Papsttum, zu einem charismatischen Popanz geschah unter Pius IX, der von sich in einem vielzitierten, erschreckenden Satz behauptete, er „sei“ selbst „die Tradition“ („La tradizione sono io!“). Es handelte sich bei diesem inoffiziell und im Zorn an einen Mahner auf dem Vaticanum I gerichteten Satz um eine Häresie. Sie wurde von vielen klar denkenden Männern als solche erkannt und qualifiziert. Was Pius IX. vor einem größeren Skandal innerhalb der Kirche rettete, war zum einen der infallibilisische Ultramontanismus, den vor allem die Jesuiten aufgrund einer neuscholastischen, ignatianischen Theorie das gesamte 19. Jh hindurch mit allen Mitteln und mit Pius IX. als „Schutzschild“ durchgepeitscht hatten. Sehr viele Kirchenmänner des 19. Jh waren so aufgeputscht, dass ihnen dieser Satz immer noch tragbarer erschien als jedwede liberale Aussage. Zum anderen hatte Pius IX. den hochideologischen Satz, der den im Grunde antichristlichen Abgrund der infallibilistischen Ideologie offenlegte, „privat“ geäußert.

Nach dem Vaticanum I wurde das Kirchenvolk noch einmal in einem gewaltigen Schub auf ein weltliches Überleben und Siegen des alten Papsttums eingeschworen, das seine Macht auf den Sockel des Ancien Régime abgestützt hatte. Der neue Sockel sollte nach dem Zusammenbruch der feudalen Verhältnisse ein Papsttum sein, das sich selbst abstützte, und dies um jeden Preis – angeblich habe Jesus das dem Papst versprochen. Das Versprechen Jesu, dass die Pforten der Hölle die Kirche (nicht den Petrus!) nicht überwältigen können würden, wurde alleine auf Petrus bezogen: Ihn könne der Abgrund niemals überwinden.
Anhand dieser Umdeutung eines Jesus-Zitates wurde die absolute und ungehinderte Erscheinung des Antichristen theoretisch ermöglicht: Mit einem so definierten Papsttum hatte man eine Institution geschaffen, die auch, wenn sie nur vorgeben sollte, Christus zu vertreten, mit einem quasi-dogmatischen Anspruch Legitimität hätte. Das war vor dem Vaticanum I undenkbar!
Während man zuvor oft irre wurde an einzelnen Päpsten und offen über ihre Häresien oder ihre antichristliche Ausrichtung nachgedacht hatte, lange vor Luther, ist genau dies nach dem Vaticanum I unter Tabu gesetzt worden.
Das Vaticanum I ist auch der Schlüssel zum Verständnis der Priesterbruderschaft St. Pius X. und erst recht der Sedisvakantisten. Mit einem gewissen internen logischen Recht klagen sie ein Papsttum ein, das inhaltlich den antimodernistischen Kurs des Vaticanum I fortsetzt, der in der Tat inzwischen so weitgehend abgebrochen wurde, wie er zuvor zur scharenweisen Exkommunikation und Suspension vieler Theologen geführt hatte.
Vom Antimodernismus her erklärt sich die Option der Kirche des 20. Jh für den Faschismus: er schien ihr autokratische Verhältnisse zu garantieren, in denen auch sie sich strukturell wiederfinden und am leichtesten „fortbewegen“ konnte.
Diese Offenheit für faschistische Strukturen hat sie bis heute nicht überwunden, auch wenn sie allerhand „Linkes“ oder scheinbar „Demokratisches“ in ihre Strukturen implementiert hat.

Wir wissen jedoch längst, dass dieser strategische Schuss nach hinten losging. Es war nicht erst Rolf Hochhuth, der an einer solchen Kirche verzweifeln musste, wie konservative katholische Kreise es bis heute gerne darstellen.
Es waren ganz andere Denker als Hochhuth, die lange zuvor irre geworden waren an dieser Verfasstheit und am Versagen des Papstes und der Hierarchie während des 2. Weltkrieges. Man denke etwa an die Verarbeitung hierarchiekritischer Fragestellungen bei Reinhold Schneider, der damit aber keine Glaubenskritik verband.

Der Perfektionsglaube blieb trotz niederschmetternder Erfahrung erhalten, auch wenn das Vaticanum II, das auf das Desaster des Antimodernismus der Kirche folgte, vieles in Frage stellte, korrigierte oder verschlimmbesserte. Er wurde nun verschwiemelt auch dem „wandernden Gottesvolk“ zugesprochen, aber ausgedrückt blieb er konkret in der Hierarchie und dies noch schärfer als je zuvor. Mit den nachfolgenden Reformen wurde in der Kirche nun jedes Machtamt an das Weiheamt gebunden, was zuvor zumindest nicht per definitionem der Fall war. Es war immer noch ein Spielraum geblieben für einflussreiche Ämter ohne Weihe. Über 1000 Jahre lang hatte es Fürst-Äbtissinnen, die sehr wohl Priester investieren konnten und Gerichtsbarkeit ausübten, gegeben. Sie waren nach einem ähnlichen Protokoll wie Bischöfe geweiht worden, auch wenn das Element der Priesterweihe fehlte. Genauso hatte es Fürstbischöfe ohne Weihe gegeben. Selbst Pius IX. hatte noch einen verheirateten Kardinalstaatssekretär gehabt… Bemerkenswert ist auch das Verschwinden des dritten geistlichen Standes nach dem Vaticanum II. Jahrhundertelang gab es drei Stände: Geistliche, Ordensleute und Laien. Die postmodernen reformen haben aus Ordensleuten nun auch „Laien“ gemacht, es sei denn sie verfügen über eine Priesterweihe.

Johannes Paul II. knüpfte an das autokratische Papsttum Pius IX. und Pius X. insofern an, als er es vollends in ein charismatisches Über-Amt wendete. Das Motiv der Weltbeherrschung lebte er durch exzessives Reisen in alle Welt aus. Er wurde der Megasprecher für alle Katholiken, versandte nicht nur zahllose Briefe und Rundschreiben häufig politischen Inhalts, sondern spielte auch CDs ein, schrieb Gedichte und hielt das Kirchenvolk durch eine Öffnung der Theologie für den Charismatismus und Wundererscheinungen bei der Stange. Sein größter Joker war die konservative Abtreibungspolitik. Damit überzeugte er viele Katholiken und Nichtkatholiken.

Das typisch katholische Erscheinungswesen entstand im 19. Jh mit dem Papalismus und erfüllte eine politische Funktion. Mit himmlischen Erscheinungen wurde die jeweilige päpstliche Politik unterfüttert. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Die Muttergottes, die seit 200 Jahren erscheint, ist seltsam papsthörig. Das hatte es zuvor in der Kirche nie gegeben! Sie ist eine Art „Maskottchen“ des Papstes geworden. Ultrakonservative deuten dies als logisch, denn beeinflusst von Grignion de Montforts Deutung des Bildes von der apokalyptischen Frau („Signum magnum apparuit“) soll die letzte Zeit vor dem Kommen Jesu ein marianisches Zeitalter sein. Und dass es dies ist, belegen Marienerscheinungen… Eine andere Deutung der Präsenz Mariens in der Endzeit ist vollkommen verschüttet worden.
Blieb auch der reale Papst letztendlich die versprochene Perfektion, für die er stehe, schuldig – die Erscheinungen und subjektive charismatische „Erlebnisse“ machten das Defizit in einem anschwellenden Strom „neuer geistlicher Bewegungen“, im Zweifelsfall auch außerhalb der Kirche (Traditionalisten und Sedisvakantisten), wieder wett. Auch traditionalistische Schismatiker leben vom (vergangenen) papalistischen Wahn, vor allem aber von den Erscheinungen von Fatima und allerhand frommem Regional-Hokuspokus.

Die solcherart eingeschworenen Gläubigen, oft Konvertiten oder zur Kirche zurückgekehrte Menschen aus ursprünglich katholischen, der Kirche in den postmodernen Wirrungen vollkommen entfremdeten Familien, betreiben zahlreiche Blogs, auf denen sie ihren Papstwahn, einen dumpfen und absurden Traditionalismus (der übrigens ähnliche Kleidungsvorschriften und ein ähnlich boshaftes Frauenbild propagiert wie der orthodoxe Islam (!), eine ausgeprägte Marien- (und Jesus-)Erscheinungswut als angebliches Zeichen der Endzeit), eine Neigung zur Dämonisierung der Welt und eine damit verbundene Exorzismus-Sucht nicht selten auch mit charismatischen Anwandlungen verbinden.

Diese Erscheinungs- und Antimodernisten-DschihadistInnen sind im Grunde auf eine naiv-ignorante Weise antimodernistisch motiviert.
Und doch geht bei ihnen, gerade bei ihnen, die Saat des reformatorischen Subjektivismus und der modernen Psychologisierung der Welt am verheerendsten auf.
Mir ist bewusst, dass es für Menschen, die von Hause aus schon aus der Verwirrung stammen, kaum einen geistigen Ausstieg gibt.

Gestern war in der Lesung (Alte Ordnung) das Gleichnis vom Unkraut und vom Weizen dran.

Es war oft auch meine Frage, die die Knechte des Hausvaters fragen:
„Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher kommt denn das Unkraut?“ (Lesung Mt 13 24-30)
Die Antwort des Hausvaters am Ende der Reifezeit ist merkwürdig:
„…Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Büschel zum Verbrennen: den Weizen aber bringt in meine Scheune“

Das heißt, dass am Ende der Zeiten eine Scheidung der Geister stattfindet, die zuvor nicht stattfinden durfte.
Vielleicht muss man diese schmerzhafte Segregation aushalten.
Diese Scheidung wird nicht von den Knechten vollzogen. Es steht der Hierarchie demnach nicht zu, diese Segregation vorzunehmen – und wo sie es tat, riss sie gute Saat aus. Wir können das seit Jahrhunderten nachvollziehen.
Der Hausvater deutet an, dass es viel Unkraut sein wird auf diesem Acker, denn es wuchs ja ungehindert. Und jeder Bauer weiß, was das heißt: fast das ganze Feld ist voll!

Der „große Abfall“, den Paulus für die Endzeit ankündigte, ist demnach nicht so zu verstehen, als fielen Millionen einst Rechtgläubige nun ab.
Der „große Abfall“ ist vielleicht einfach dieses Aussondern und Zusammenbinden des Unkrautes durch Schnitter, die nicht identisch mit irgendeiner menschlichen Hierarchie sind.
Diese Schnitter sind nach dem Verständnis der Kirche oft als Engel, als Geistwesen gedeutet worden.
Was der Hierarchie untersagt war (und woran sie sich oft nicht gehalten hat!), wird Auftrag geistiger Schnitter.

Wie fühlt es sich an, wenn man plötzlich alleine in einem entleerten oder sich schmerzlich entleerenden Feld steht?
Möge man überhaupt zu diesen am Ende stehen bleibenden Halmen gehören!

Wenn unsere Erkenntnis, wie Paulus sagt, „Stückwerk“ ist, wie Luther sehr schön übersetzte, und wir den himmlischen Schatz in „zerbrechlichen Gefäßen“ haben und ihn bislang wie in einem „blinden Spiegel“ wahrnehmen, dann deutet das auf die Begrenztheit der sichtbaren Kirche hin. Die sichtbare Kirche als irdisches „Gefäß“ ist viel schwächer, als sie selbst es uns glauben machen wollte seit Jahrhunderten. Gewiss sind an ihr die Stiftungen Jesu, die objektiven Sakramente und die überlieferte dogmatische Lehre (ABER: nicht jeder Unsinn, den Päpste irgendwann einmal geschrieben haben und erst recht nicht die teilweise sogar häretischen Aussagen des Kirchenrechtes durch die Jahrhunderte hindurch!).

Da die Kirche aber diese Begrenztheit zunehmend ideologisch umgekehrt und in ein irdisches Perfektionsideal umgedeutet hat, steht klarer vor Augen, dass der Antichrist an sich schon aus logischen Gründen nur aus der Kirche selbst kommen kann – andernfalls hätte er für „die Heiligen“, von denen es heißt, sie könnten dieser Verführung nicht standhalten, keinerlei Gefährdungspotenzial.
Der Islam stellt in diesem Verlauf so etwas wie einen giftigen Narrenspiegel der sichtbaren Kirche dar.

Darum heißt es in Psalm (118) 119:  Lucerna pedibus meis verbum tuum, et lumen semitis meis. (Eine Ölleuchte meinen Füßen ist dein Wort, und ein Licht auf meinen Pfaden.) Man hat kein Licht am Ende des dunklen Weges, auf das man sicher zustreben könnte, denn die eigenen Augen können das Licht, das wahre Licht nicht sehen, ohne zu erblinden.
Von einer solchen Sicht weiß nicht nur ein integralistischer oder progressistischer Katholizismus nichts, sondern erst recht nicht der Islam. Sie wähnen sich hell erleuchtet!

Nur eine Ölfunzel bei den Füßen, ganz nah am Boden, die gerade den nächsten Schritt erhellt – mehr haben wir nicht. Dass wir durch ein dunkles Tal gehen werden, davon spricht uns der Psalm. Dunkel, weil diese Welt dunkel ist angesichts des wahren Lichtes, das wir im Credo bekennen und für das unsere Augen in der Sünde zu schwach geworden sind. Nicht umsonst machte Jesus so viele Blinde sehend und Maria ist das „lumen caecis“, ein Licht den Blinden.
Wir folgen ihr auf reines Vertrauen hin. Aber nicht auf die Hierarchen, sondern auf „dein Wort“ hin. Was dieses Wort ist, das an mich ergeht, so wie es schon an die Propheten des alten Bundes erging, das teilt der Heilige Geist dem Gläubigen mit. Es heißt Jesus Christus.
Es muss sich auch aus den objektiv vermittelten Sakramenten und Überlieferungen doch unserem begrenzten subjektiven Geist soweit erschließen, dass wir darin die Objektivität und Schönheit Gottes erahnen oder sogar stückweise erkennen können.
Die Ölfunzel des Psalmbeters lässt im übrigen kaum an Marien- , Engels- oder oder Jesus-Erscheinungen denken, die an theologischer Banalität kaum zu überbieten sind und mehr quasseln, als 2000 Jahre Kirchenschriftsteller zustande gebracht haben.…

Was immer geschieht im Abendland, es wird kaum die Qualität dieses wahren und mystischen Glaubens haben.
Aber ich würde mir zumindest ein wenig mehr Vernunft wünschen, und die hätten wir allemal immer noch in unseren Archiven.

Freitag, 21. Oktober 2016

Auf nach *-Land (sprich. "Piep-Land")



Auf nach *-Land (sprich: "Piep-Land") 
„Deutschland hat wahrlich keinen Rechtsanspruch auf Demokratie und soziale Marktwirtschaft auf alle Ewigkeit.“ (Angela Merkel 2005) 

Wer nach dem Mauerbau geboren wurde, konnte sich als junger Erwachsener nicht vorstellen, dass sie, also die Mauer, einmal nicht mehr da sein könnte. Ein Nachmauer-Geborener empfand die Mauer als integralen Bestandteil der Welt. Die ganze Welt zerfiel in diesseits und jenseits des eisernen Vorhangs. Das Diesseits wurde aus jenseitiger Sicht zum Gelobten Land. Das Jenseits wurde aus diesseitiger Sicht als eine beklagenswerte Projektionszone politischer Verdauungsprozesse gehätschelt.
Weil es die Mauer gab, gab es folgerichtig ein geteiltes Deutschland. Und nur geteilt war es der Welt geheuer. Und weil wir so weltläufig sind, war es auch uns nur geteilt geheuer. Die Frage nach dem eigenen Land als ungeteiltem Verband lagerte für uns Diesseitige jenseits eines geistigen Korrelats zur Betondemarkationslinie, die durch Berlin führte und ihre materielle Fortsetzung in der Hochsicherheitsgrenze um die DDR fand, jenseits also der „Mauer in den Köpfen“. Hä? Was?
Die Einheit hielten wir jedenfalls nur deshalb aus, weil nicht alle ehemaligen deutschen Gebiete dabei waren – irgend etwas Deutsches muss aus Deutschland immer draußen bleiben, sonst fühlen wir uns moralisch kompromittiert. Wir halten das rechtmäßige Vorkriegsdeutschland für illegitim. Weil wir keine Mauer in den Köpfen haben wollen und nicht mehr unterscheiden zwischen einem Unrechtsregime in einem Land und dem legitimen Völkerrechtssubjekt, das es - davon unabhängig – war und ist. Was? Revisionismus? Alles Mauer oder was, nee sorry: Alles ohne Mauer oder was? Wenn Fritz ne Straftat begeht, ist er dann noch Fritz? Nee? Doch? Nee? Sie meinen, man muss ihm mindestens ein Glied abhacken, wenn er eine kriminelle Handlung begangen hat? Wer was Schlechtes tut, darf nie mehr der sein, der er mal war? Die Islamisierung greift… Die Würde des Menschen ist also doch antastbar. Ganz definitiv. Jedenfalls rein theoretisch in deutschen Gehirnen ohne Unterscheidungsvermögen oder sagen wir: ohne Mauer im Kopf.
Doch halt stopp, wie war das noch mal mit der Mauer in den Köpfen?
Diese Mauer in den Köpfen... Immer dann, wenn das Gehirn seiner natürlichen und logischen Fähigkeit zur Analyse nachkommt, erschallt ein Ruf mit Donnerhall gegen die Mauern im Kopf. Die Zeigefinger heben sich. Der neue deutsche Gruß: erhobene Zeigefinger. Warum den ganzen Arm heben, ist doch so viel bequemer.
Wer denkt, trifft Unterscheidungen. Und wer Unterscheidungen trifft, baut Mauern auf und ist rechtsextrem. Ganz einfach.
„Äpfel sind keine Birnen!“ schreit ein ganz Vorlauter in die Runde. Und schon wurde ihm - neben den erwähnten Fingern - vor Augen gehalten, er habe eine „Mauer im Kopf“. Äpfel und Birnen müssen dasselbe sein, weil beide Obst sind. Klar soweit?
Und deshalb darf unser Land auch keinen Namen haben. Weil wir schließlich alle Menschen sind und andere Länder anders heißen.

Aber so ganz hab ich es noch nicht begriffen. Ich versuche es mal zu verstehen, das mit der Mauer in den Köpfen:
Heißt das etwa, dass es Leute gibt, die in ihr eigenes Gehirn eine Mauer einziehen? Daraus müsste man aber doch schließen, dass sie diesseits und jenseits ihrer inneren Mauer denken könnten? Nein? Aber wie sollen sie sonst dieses Mäuerchen eingezogen haben?
Also – sag ich doch!
Geht es um eine Verinnerlichung des politischen Diesseits und Jenseits in ein und denselben Personen? Bisher jedenfalls kannte man nur das berühmte „Brett VOR dem Hirn“, also eine Begrenzung eines individuellen Gehirns, eine hermetische Verschlossenheit gegenüber einem großen Ganzen, das im Außen liegt und ins Innen nicht hinein darf. Eine Begrenzung aber IM Gehirn selbst?! Die mitten hindurch läuft? 

So wurde aus Deutschland *-Land.
„Piep-Land“, dessen einstigen Namen man nicht sagen darf, ohne in Verdacht zu geraten.Obwohl er auf dem Pass noch draufsteht. Aber was er da bedeuten soll - keine Ahnung mehr. Wir brauchen seit 2015 keine Pässe mehr hier, nur das rückständige Pack draußen, aber das ist für uns nicht wichtig. Piep-Land, Piepland über alles.
Das ist Piep-Land, das Land in der ewigen Talkshow, moderiert von einem Aufgebot skrupellos-unterwürfiger Frauen mit Entenarsch-Mäulern, an die Spitze gehievt von machtgeilen männlichen Zynikern (ja wartet es nur mal ab, wenn ihr es nicht glaubt!). Das Ergebnis: eine nationale bipolare Störung. Hilfe in der Krankheitsnot: die Auflösung der Geschlechter und um Gottes willen keine Bio-Nachkommen. Menschengeschenke holen wir von anderswo her. Der Wahlspruch dieser psychiatrischen Studio-Family-World lautet: „Wir sind andersherum, und es ist gut so!“ Oder kürzer: „Dämlich – na und?“ oder noch kürzer: „Wir helfen.“
Unsere multiideologische Piep-Regierung will uns unter Beschimpfungen und Flüchen unter ein Stück Gespenster-Stoff zwingen. Der brave Piep-Bürger soll ein geistiger Burkaträger sein. Das politisch korrekte Accessoire lässt den Blick in die Welt durch finstere Scheuklappen und ein Gitter gerade noch zu. Reicht doch! Was müssen die Leute auch frei in die Welt sehen können! Oder gar ihr Gesicht zeigen oder womöglich einen eigenen Namen tragen! Es genügt, dass die Schutzherrin der Kopf- und Gesichtslosen einen Namen hat und ihre Vasallen in alle Landeshauptstädte schickt. Was sie tut, ist alternativlos, und was der Populus will, das gibt es gar nicht oder es ist gefährlicher Wahn. Vom Minarett des Kanzleramtes tönt es fünfmal am Tag: "Das Volk, das bin ich."
Wehe dem Bürger, der das Visier hochklappt. Es kann sich bei ihm nur um einen Populisten handeln. Wer in irgendeiner Weise spricht und Zustimmung außerhalb des Kanzleramtes findet, ist kriminell.
Solcherart gemahnt zuckt er zusammen, der vorwitzige Pieper. Er denkt:
„Aber nein, pfui, zu denen will ich aber nicht gehören, zu diesen Schmuddelkindern!“
Was er draußen sah in der Welt, gleich nebenan, hakt er ab: das waren Gespenster, Täuschungen. „Wenn Herr Dömessierä das im Auftrag Muttis hat ausrichten lassen, dann hab ich mich eben geirrt.“ Und wachsam tastet er sich rückwärts zurück, mit beschwichtigend erhobenen Händen, der umflort-deflorierte Piep-Bürger. Wir schätzen die Harmonie über alles. Lieber ein paar Verrückte ermächtigen, als sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Und überhaupt: Man muss nicht alles wissen. Mutti hat ja gesagt, man soll nicht immer über alles diskutieren, sondern es einfach machen... Irgendwo hat man schließlich seine Belastbarkeitsgrenzen… Erst mal ausspannen von diesem Ausflug in diese geradezu unschicklich-dialektische Welt der geistigen Gegensätze und sich was gönnen…
Erleichtert und gerechtfertigt lässt der Piep-Bürger seinen Geistesschleier und anschließend die Hosen herunter und streckt seinen Zuhältern und Freiern willig und lüstern die Leibesmitte entgegen. Solange man zu essen und zu trinken hat und ein warmes Öfchen ist doch alles gut. Und lustvoll ist es bisher doch immer gewesen. Und das war auch gut so.

Die Generation, die vor der Ausrufung Piep-Landes geboren wurde, ist hochbetagt und lichtet sich immer mehr. Die Nachgeborenen kennen es nicht anders. Sie denken, ihnen kann nichts geschehen. Sie sind demokratie-überdrüssig. Immer nur diese alte Leier. Es kann nur so weitergehen, das Nuckelfläschchen für Erwachsene und die Kondome sind gesichert. Wo ist also das Problem? Probleme kann man in Piep-Land nicht haben. Die haben nur andere. Die jenseits des eigenen Bretts vor dem Hirn.
Überlassen wir uns doch unserer Monsignora in Berlin, unserer Domina, die vor nicht langer Zeit das Programm für ihre Regierungszeit angekündigt hat:
„Deutschland hat wahrlich keinen Rechtsanspruch auf Demokratie und soziale Marktwirtschaft auf alle Ewigkeit.“ (Rede auf der 60-Jahrfeier der CDU, 16.6.2005)[1]
Bloß das verdächtige D-Wort hätte sie weglassen sollen.
Seltsam. Aber bestimmt hat sie das alles nicht so gemeint, das mit dem D-Wort meine ich natürlich. War ein kleiner Versprecher. Ein Freudscher Versprecher. Das kann jedem mal passieren.
Was wetten wir, ob wir die nächste Bundestagswahl überhaupt noch erreichen?
Ein hübscher Ausnahmezustand vorher wäre nicht schlecht.
Nicht dass der Populus womöglich was anderes sagt als die Domina-Imperatrix.
Genau, ein Notstand muss her. 
Deshalb hat Herr Dömessierä gesagt, wir sollen Vorräte anlegen.
Piep.

Donnerstag, 22. September 2016

Das Rätsel der Hagia Sophia



Das Rätsel von der Heiligen Weisheit
Zu einem Gedankengang Erhart Kästners im „Aufstand der Dinge“

I. Der Hunger nach "mehr" Weisheit: Eva und Adam

Der Wunsch nach Weisheit und Erkenntnis durchzieht die gesamte Heilige Schrift. Uns wird von der Genesis an bis weit ins Neue Testament hinein das Streben nach Weisheit als der Dreh- und Angelpunkt  menschlicher Güte und Bosheit geschildert.

Der erste Mensch, der seine Erkenntnis und die damit verbundene Weisheit „vergrößern“ will, als ob Weisheit vermindert oder vermehrt werden könnte (!), ist die von der Schlange betörte Eva im Garten Eden. Nur darum greift sie zu der verbotenen Frucht und isst sie: im Inventar ihrer Erkenntnisse fehlt ihr – vergiftet von der Zurücksetzung durch die Schlange und das Stillschweigen Adams - etwas, und das will sie unbedingt „hinzuerwerben“. Aber immerhin teilt sie es gerne mit dem anderen Menschen, dem Mann. Und der greift ohne jedes erkennbare Nachdenken und ohne irgendein Wort zu sagen, blitzschnell zu. Zu frag- und bedenkenlos greift er zu…
Warum tat er das so unmittelbar und ohne zu zögern? 

http://www.ewige-anbetung.de/Worte/Heilige_Schrift/Adam_und_Eva/Adam_und_Eva_1.jpg

Das göttliche Gebot zur Zurückhaltung vergaß er in dem Augenblick, in dem es darum ging, dass er nun das Schlusslicht im Wettbewerb der Erkenntnis-Vermehrung sein könnte. Der Neid war ins Herz des Mannes eingezogen: Nicht dass womöglich Eva nun weiser war als er! Also auch er war abgefallen und glaubte, Weisheit könne man vermehren oder vermindern und darum zum Gegenstand des Wetteiferns und der Machtausübung machen. „Wissen ist Macht“ – dieser Satz stammt direkt von Adam. Gottes Schlusskommentar zum Geschehen ist denn auch voller beißender Ironie: „Seht doch nur, Adam ist geworden wie unsereins! Er erkennt Gut und Böse. Dass er jetzt nur nicht die Hand ausstreckt, auch vom Baum des Lebens nimmt und isst und ewig lebt!“ (Gen 3, 22).
Die Weisheit hatten sie verloren.

II. Die Sehnsucht nach der verlorenen Weisheit: König Salomo und die Königin von Saba

Gutes und Böses wollte Eva unterscheiden können, aber damit war es wohl nicht so weit her nach dem Genuss der Frucht… Warum sonst hätte der liebenswerte Davidssohn Salomo auf Gottes Aufforderung, von ihm etwas zu erbitten, die folgende Antwort gegeben:
„Verleih deinem Knecht ein hörendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und Gutes vom Bösen zu unterscheiden versteht.“ (1. Könige 3, 9)
Gott gewährt ihm diese Bitte „um Einsicht“ und „um auf das Recht hören“ (V. 11):
„Siehe, ich gebe dir ein so weises und verständiges Herz, dass keiner vor dir war und keiner nach dir kommen wird, der dir gleicht.“ (V. 12)
Salomo fällt danach salomonische Urteile und erwirbt einen sagenhaften Ruf bis an die Enden der Erde. Jeder weiß von der legendären Begegnung zwischen der Königin von Saba und Salomo. Die Königin von Saba, selbst eine große Erkenntnisliebhaberin, reist extra mit großen Gefolge und vielen Geschenken um seiner Weisheit willen nach Jerusalem, um sich davon zu überzeugen, ob sein Ruf wahr ist. „Ihr stockte der Atem“, wird uns berichtet, als sie mit Salomo sprach und sah, wie er dem Herrn einen prächtigen Tempel gebaut hatte.
„Deine Weisheit und deine Vorzüge übertreffen alles, was ich gehört habe. (…) Weil Jahwe Israel ewig liebt, hat er dich zum König bestellt, damit du Recht und Gerechtigkeit übst.“ (1. Kön 10, 7 + 9)

http://maerchenquelle.ch/wp-content/uploads/2015/02/SalomoSaba_Rudolf-von-Ems-14Jhdt_Weltchronik_Fulda_Aa88_317r_detail.jpg

III. Die Weisheit und das hörende Herz

Die Verbindung von Weisheit und Gerechtigkeit wird deutlich. Ein Weiser, ein wirklich kluger und einsichtiger Mensch, muss auch gerecht sein. Weisheit ist die Frucht der Gottesfurcht.
Salomo und die Königin von Saba erscheinen für einen Moment des Äons fern des Paradieses wie eine Vision des wieder aufgerichteten ersten Menschenpaares. Die Fraukönigin ersehnt das unauffindbare Kleinod eines wirklich klugen und rechtschaffenen Mannes und findet es in Jerusalem. Und Salomo, der König Israels, dessen Name „Frieden“ bedeutet, überstellt dieser Frau, die fast wie eine himmlische Gestalt noch einmal seine Weisheit zur Entfaltung bringt, alles, was sie nur begehrt, ohne zu zögern, ohne etwas zu verweigern oder zurückzuhalten, denn es gab „nichts, was dem König verborgen war und was er ihr nicht hätte sagen können“ (V. 3) und er „gewährte der Königin von Saba alles, was sie wünschte und begehrte.“ (V. 13)
Der König beschenkt die Königin, so heißt es abschließend im selben Vers, „wie es nur der König Salomo vermochte“.
Doch sie reist wieder ab in ihr Land.
Der Zauber wiederhergestellter Menschlichkeit konnte nicht bleiben unter den Bedingungen dieses Äons. Das wusste diese Frau.
Ja, Gott gab dem Salomo „Weisheit und Einsicht in hohem Maß und Weite des Herzens – wie Sand am Strand des Meeres.“ (1. Kön 5, 9)
In dieser Ausstattung ist er ein Vorläufer der wahren Weisheit, die in Christus aus der Jungfrau Maria in unser Fleisch zu uns als vollkommene Gestalt kam. Salomo besaß Weisheit „in hohem Maße“, mehr als alle anderen Menschen, aber Christus war die Weisheit selbst und machte Maria zum Thron seiner Weisheit, zur „sedes sapientiae“. Salomo ist der direkte oder indirekte Verfasser der Weisheitsliteratur des Alten Testamentes.
Weisheit ist ein Überbegriff über alles organische und lebendige theoretische und praktische Erkennen, über die Fähigkeit, sich ihr vollkommen anzuvertrauen und das, was sie eingibt, gestalterisch in den Lebensvollzug zu integrieren ohne Vorbehalt und Zögern. Salomos Weisheit führt direkt zu einer Befriedung der politischen Verhältnisse (1. Kön 5, 26).

IV. Weisheit gebiert Frieden – Stolz gebiert Krieg

Doch der König Salomo, der die Schönheit und das Königtum der Frau in ihrer ganzen Größe und Wahrheit verstand, erlag der Selbstüberhebung. Er war süchtig nach der Frau, nach der Frau aus allen Völkern, er umgab sich mit Frauen, und der ungute Drang, den Zauber der Frau in der Sexualität, selbst in einer wohl kaum mit jeder einzelnen gelebten Sexualität, zu bannen, überwältigte ihn:
„Er hatte 700 fürstliche Frauen und 300 Nebenfrauen. Sie machten sein Herz abtrünnig.“ (1. Kön 11, 3) Er ergab sich den Götzen der verschiedenen Frauen und „teilte“ sein Herz: es schlug nicht mehr alleine für den einzigen, unteilbaren Gott, der doch die Weisheit ist!
Das Buch der Könige berichtet, dass Gott dem König Bundesbruch vorwirft und ihm ein Gericht verheißt: er will ihm das Königtum, das er doch David auf ewig verheißen hat, entreißen.
Die Weisheit ist eine und unteilbar, man kann ihr nur ganz oder gar nicht angehören. Wer weise ist, kann nur eine Frau haben, denn sie ist Hort der Weisheit, wenn sie ein hörendes Herz hat. Und wehe dem, der sich an ihr vergeht… Ihm ergeht es schlimmer als einem, der sie nie kannte und aus Unvermögen und Dummheit sündigt. Gott kündigt an, was geschehen wird: Israels Königtum wird in die Hände der Knechte gelangen. Nur ein einziger Stamm soll in der Hand der Nachkommen Davids bleiben um der Verheißung willen, die Gott ihrem Stammvater gegeben hatte. Und sofort schwindet auch der politische Frieden. Salomo beschließt seine späten Tage mit Kriegen, die seine Nachbarn über ihn bringen und mit einem vor Neid zerfressenen Herzen, das ihn danach trachten lässt, den Beamten Jerobeam, den Gott ihm schon angekündigt hat als den künftigen König und der sich gegen ihn erhebt, zu töten. Der Friede war mit der Weisheit ausgezogen.

http://www.schneckenburg.de/link-logos/l_na_sp.jpg
V. Weisheit und die Gabe der Unterscheidung der Geister

Wir lernen daraus, dass es einen Frieden ohne Weisheit und Gerechtigkeit nicht gibt. Diese Weisheit aber kann niemand sich selbst geben. Sie ist eine Gottesgabe. Es wundert daher nicht, dass die „Unterscheidung der Geister“, die „discretio spirituum“, im Neuen Testament eine Geistesgabe, ein Charisma ist, das Gott alleine verleihen kann.
Man fragt sich betroffen, warum Salomo, der doch der weiseste Mensch gewesen sein soll, am Ende der Weisheit verlorenging. In seiner Weisheit wurde er zum Narren. Der Grund für seinen Verlust ist derselbe wie der bei Adam: er hat Gott, der doch die Weisheit ist, nicht gehorcht und sich selbst über die Unterwerfung und Stilisierung der Frau zum Götzen der Weisheit gemacht. Die Königin von Saba ließ sich einst nicht missbrauchen für diesen Zweck und auch nicht vergötzen, denn sie reiste wieder ab „in ihr Land“. Sie wurde keine Haremsdame der selbsternannten Weisheit und ordnete sich dem weisen König auch nicht unter, denn nur Gott alleine verdient diese Unterordnung unter die Weisheit.

VI. Weisheit und Demut

Die Weisheit hängt innig mit der Demut zusammen. Wer weise ist, ist auch demütig. Von Jesus heißt es, dass er „von Herzen demütig“ sei (Mt 11, 29). Die wahre Weisheit ist auch die wahre Demut in Person. Demut aber ist Dienstbereitschaft. Als Salomo mit der Königin von Saba alles teilte, was ihm geschenkt worden war, war er noch dienstbereit. Als er Frauen sammelte, als er sie besitzen wollte, als er nicht mehr teilte, sondern herrschen wollte, verlor er das Königtum. Das Königtum Christi ist darum „nicht von dieser Welt“, nicht an solcher Herrschaft interessiert.

Wahre Demut aber kennt sich selbst ebenso wenig wie wahre Weisheit sich selbst kennen kann. Wir wissen, dass Sätze wie „Ich bin demütig“ oder „Ich bin weise“ förmlicher Beweis dafür sind, dass der, der sie sagt, weder demütig noch weise ist (unser Herr ausgenommen).

Wer sich selbst womöglich noch von Natur aus für „weise(r)“ ansieht, liegt quer zur neutestamentlichen Mahnung: „Bleibt demütig! Haltet euch nicht selbst für weise!“ (1. Kor 12, 16)
An dieser Aufforderung lasen auch in der Kirche die größten Philosophen gerne vorbei (s.u.).

VII. Weisheit und Macht: Weisheit und Torheit wie in einem Vexierbild

Die „discretio spirituum“, die „Unterscheidung der Geister“ ist Geistesgabe und wird dann verliehen, wenn Gott es will. Nur dann. Man „hat“ sie nicht, sondern sie wird zuteil. Wer sie „haben“ will oder sie sich wesenhaft womöglich noch selbst zuschreibt, verliert sie sofort. Besonders gefährlich ist die Verklammerung von angeblicher Weisheit und Macht.
Man muss hier auch einige Frage stellen bei der von bestimmten Kräften in der Kirche verabsolutierten Philosophie Thomas von Aquins. Auch er setzte voraus, dass der, der empirisch herrsche, herrschen müsse und solle, weil er „weiser“ sei als die, über die er herrscht. „Herrschaft“ heißt hier förmlich „weiser sein“ (s.th. Ia 92 a. 1 arg. 2), wohl zum Nutzen des Beherrschten, aber um den Lohn der Überheblichkeit, die sich seinsmäßig erhaben wähnt über den, dem sie „dient“. Der unter den alten Kirchenvätern eher verbreiteten Sicht, dass solche Herrschaftsgefüge eine Folge der Sünde seien, hält er entgegen, dieser hierarchische Zustand zwischen den Menschen habe so schon vor dem Sündenfall bestanden. Nur die Umkehr des Herrschens in eine Lebensform, die sich dienen lässt und nicht dient, sei Folge der Sünde. Überlegene Weisheit und Würde behandelt er sogar wie ein Wesenmerkmal, das angeboren sei. So sei etwa der Mann grundsätzlich und wesenhaft „würdiger“ und „weiser“ als die Frau. Nun zeugen solche Gedanken nicht nur von einer peinlichen Arroganz und maskulinem Narzissmus, sondern auch von einem gefährlichen Hochmut.

Immerhin finden wir solche Gedanken nicht im Befund der Heiligen Schrift, sondern das Gegenteil scheint dort zu finden zu sein. Wir hören immer wieder davon, dass die Weisen der Welt in ihrer Weisheit vor Gott Toren geworden seien:
„Wer den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben. Denn Gottes Tempel ist heilig, und der seid ihr. Keiner täusche sich selbst. Wenn einer unter euch meint, er sei weise in dieser Welt, dann werde er töricht, um weise zu werden.
Denn die Weisheit dieser Welt ist Torheit vor Gott. In der Schrift steht nämlich: Er fängt die Weisen in ihrer eigenen List.
Und an einer anderen Stelle: Der Herr kennt die Gedanken der Weisen; er weiß, sie sind nichtig.“ (1. Kor 3, 17 ff)
Von einem ebensolchen, beinahe unbeschreiblichen Überlegenheitsdünkel gegenüber dem Rest der Menschheit ist auch der Islam gezeichnet, der uns darin immer mehr zum Problem wird, uns leider aber unsere eigenen Verfehlungen überzeichnend vor Augen hält wie ein Gottesgericht:

VIII. Erhart Kästners „Aufstand der Dinge“ von 1973: Die Hagia Sophia als Mahnmal des Weisheitshochmuts der Christen


Ich stieß neulich auf eine Stelle in den „Byzantinischen Aufzeichnungen“, die Erhart Kästner 1973 unter dem Titel „Aufstand der Dinge“ als letztes großes Werk vor seinem Tod veröffentlichen konnte. Er beginnt sein Buch mit dem Text „Gotteshaus gottlos“ und beschreibt darin den Zustand der Hagia Sophia, als er sie besuchte, die 1935 unter Ata Türk zum Museum gemacht, endgültig gottleer wurde.
Der moderne Besucher spürt dennoch das „Numen“ in ihr, die ehemals erbetene und gefeierte und geheimnisvolle Präsenz Gottes, die niemand löschen kann, die aber dennoch nun vollends geleugnet wurde und sich nur dem noch mitteilt, der den inneren Menschen dafür öffnet. Einen irdischen Mittler gibt es nicht mehr.

Das nächste Kapitel kommt gleich zur Sache und ist mit dem einfachen Wort „Macht“ überschrieben. Kästner entwirft einen ganz anderen Begriff von „Macht“ und echter „Weisheit“, als dies aus den an dieser Stelle so dumpfen Vorstellungen des Thomas abgeleitet werden muss.
„Macht“ ist nicht Übermacht oder Überlegenheit über andere, ist nicht „Herr-Sein“, auch nicht eine überheblich-paternalistische „Dienstbereitschaft“, die doch nur getarnte Herrscherlichkeit sein will, sondern:
„Zu Macht kommen heißt, zu seiner höchsten Möglichkeit kommen. In Macht sein: Sonnenhochstand. Macht: eines Dinges großer Moment, seine Glücksstunde. Macht: wenn etwas ganz bei sich selbst ist.“ (Erhart Kästner: Aufstand der Dinge. Byzantinische Aufzeichnungen. Frankfurt a. M. 1976. S. 24)
Justinian also, der diesen Dom baute, war mächtig. Aber war es eine Macht, wie Kästner sie zeichnete?
Er schreitet fort und fragt:
„Wer ist das, die heilige Weisheit“? (S. 37)

Was er entfaltet, liest sich wie eine zunehmende Verdüsterung eines historischen Sachverhaltes.
Er beginnt den Abstieg in den irdischen Orkus christlicher Verfehlung der heiligen Weisheit mit der Feststellung, dass es bezeichnend sei, dass niemand nach ihr frage, nach ihr, der heiligen Weisheit. Man rede immer nur über all die vielen Menschen, die ihr Können in die Waagschalen geworfen haben, um diese Manifestation menschlicher Größe zu erbauen.
Er zitiert Prokop, der immer angeführt werde mit den Worten Justinians, der bei der Einweihung des Doms am Weihnachtsfest im Jahr 537 gerufen habe, er habe den vormaligen Erbauer des Tempels in Jerusalem, den König Salomo, - wir erinnern uns: der mit Weisheit begabt wurde und sie verspielte - , nun übertroffen mit diesem Bau:
„Ruhm und Ehre dem Allerhöchsten, der mich für würdig hielt, ein solches Werk zu vollenden. Salomo, ich habe Dich übertroffen.“
Es ließe sich unendlich viel sagen über den genialen Kuppelbau, der Vorbild für den Typus der noch heute überall anzutreffenden Moscheebauten wurde, über den enormen Aufwand, mit dem in doch wenigen Jahren dieser gigantische Dom entworfen und fertiggestellt wurde. Allein – Kästners Erwähnung alles dessen bleibt seltsam trüb, denn er hat noch etwas vor Augen, das ihn umtreibt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Hagia_Sophia

IX. Die Unerforschlichkeit der Weisheit Gottes

Kästner stößt bitter auf, dass dieser Bau, der den Bau Salomos übertreffen wollte, den demütigen Umgang mit der unerforschlichen Weisheit Gottes geradezu konterkariert hat und vielleicht darum, auch wenn Gott lange Geduld hatte,  gestürzt wurde, erst in die Niederung des Bethauses einer puren Machtreligion und schließlich sogar in die totale Säkularisierung.
Salomo erhielt von Gott die Erlaubnis, ihm einen Tempel zu bauen, nachdem der Allerhöchste sie David verwehrt hatte… David habe, sagte der Herr, Kriege geführt und Blut vergossen: „Du sollst meinem Namen kein Haus bauen; denn du hast Kriege geführt und Blut vergossen.“ (1. Chr 28, 3)
Wer ist würdig, dem Herrn ein Haus zu bauen, wo es doch der Herr ist, der uns ein Haus gebaut hat? Wer menschliches Blut vergossen hat aber, ist niemals würdig, dem Herrn ein Haus zu bauen. David erkannte das an und teilte es genauso dem Volk mit. Darum sollte Salomo, der unschuldig war und noch rein, den Tempel bauen.
Was ist zu halten von christlichen „Stellvertretern Christi“, an deren Händen Blut klebt?

https://en.wikipedia.org/wiki/Justinian_I

Kästner bezweifelt wohl zu Recht, dass Justinian sich nur einen Moment mit der Unerforschlichkeit der Heiligen Weisheit befasst hat:
„War das der Gedanke des allerchristlichsten Kaisers? Des Weltherrschers? Des Nachfolgers der Cäsaren, der es übernommen hatte, im Namen Christi zu herrschen, zu handeln, Entschlüsse zu fassen, da das verheißene Ende aller Dinge nicht kam? Es musste ihm fernliegen… (…) Die Unerforschlichkeit Gottes könnte beschwiegen, kaum gebaut werden.“ (S. 38 f)
Aber das ist noch nicht alles, was ihn befremdet.

X. …aus dem blutigsten Vorgang die Kirche wuchs

„Dass aus dem blutigsten Vorgang die Kirche wuchs, die uns der Inbegriff von Macht und Milde zu sein scheint: ein Rätsel, nicht wegzuschieben.“
Kästner referiert die fünf Tage des Nika-Aufstandes im Jahr 532, in dessen Folge die alte Basilika der Hagia Sophia verbrannte. Der Nika-Aufstand richtete sich gegen die strenge und willkürliche Herrschaft Justinians und schien diese Willkür auch in einer eigenen fehlenden Zielgerichtetheit wiederzuspiegeln. Auslöser war die Hinrichtung einiger Unruhestifter in Sachen verfehlter Politik des Kaisers und das Versagen der Henkerswerkzeuge bei zweien von ihnen, worin das Volk einen Fingerzeig Gottes sah und um deren Begnadigung bat. Justinian blieb hart und wollte „durchregieren“. Die beiden Verurteilten wurden von Mönchen in einem Kloster in Sicherheit gebracht. Das Volk wurde immer unruhiger, forderte die Amtsenthebungen ihrer schlimmsten Peiniger unter den Regierungsbeamten, was Justinian erfüllte, aber der Volkszorn war zu lange provoziert worden und nicht mehr zu bremsen. Auch müssen vielschichtige Verschränkungen der Zusammenhänge angenommen werden, die eine Beruhigung kaum mehr möglich erscheinen ließen. Justinian dachte offenbar an Abdankung, nachdem das gesamte Palastviertel von Aufständischen vollkommen niedergebrannt wurde. Ob er wirklich von Kaiserin Theodora zum Weitermachen überzeugt wurde, mag man auf sich beruhen lassen. Jedenfalls rief er das Volk im Hippodrom, der großen Pferderennarena, zusammen. Das Volk kam zusammen, und Justinian bot den Aufständischen nach einer Einigung Straffreiheit an. Doch konnte man sich nicht einigen und draußen wurde ein Gegenkaiser ausgerufen, den das Volk im Hippodrom, eben noch im Gespräch mit dem alten Kaiser, nun frenetisch feiern wollte. In Wirren und Frontwechseln einzelner Personen und Gruppen kam es unter der Leitung Kaisertreuer im Hippodrom, dessen Eingänge man verrammelte, nachdem Sschwerbewaffnete eingedrungen waren, zu einem der größten Massaker der Spätantike, bei dem 30 000 bis 40 000 wehrlose Männer getötet wurden. Es war eine Schandtat.
Am Tag danach befahl Justinian den Abbruch der verkohlten Reste der Vorgängerkirche. Nach 40 Tagen wurde der Grundstein für die Hagia Sophia gelegt.
 „Großmord und Bau der Hagia Sophia, das ist leider untrennbar. Um Himmels willen: Welche Heilige Weisheit konnte denn also gemeint sein?“ (S. 44)
Kästner reflektiert die ambivalente Persönlichkeit, die spätantike Quellen von Justinian zeichnen. Ein unerbittlicher hartnäckiger Disputant, wenn es um Theologie ging. In irgendeiner Weise tiefgläubig. Ein Mann, der das Recht „bauen“ wollte. Auf ihn geht das „corpus iuris civilis“ zurück, das „CIC“, das Vorbild für den späteren römisch-katholischen „codex iuris canonici“… Asketisch wird er geschildert, ohne erkennbare Gefühlsregungen und unendlich grausam. Ein Mörder, wenn es sein musste.
Kästner bleibt auch unerbittlich:
„Also was ist das, die Heilige Weisheit, der dieser Kaiser diese Kirche geweiht hat? (…) Was liegt auf dem Grunde?“ (S. 51)
Kästner verweist uns auf berühmte Paulus-Stellen, in denen Christus mit der Weisheit identifiziert wird. Aber dieser Jesus Christus hatte doch gesagt, sein Reich sei „nicht von dieser Welt“?
Und doch hatte Konstantin dieses „ungeheuerliche Kopfüber“ geschafft, das aus Christus einen innerweltlichen Mega-Herrscher gemacht hat, einen „Pantokrator“ und der Kaiser maßte sich an, dessen „Mit-Regent“ zu sein und darum auch „Mit-Weiser“ und „Mit-Inhaber des Zorns Gottes“. Kästner würdigt den Gedanken, dass eine Regentschaft „von Gottes Gnaden“ das Elend des Herrschens niederhalten sollte, „indem man Macht anband an eine Macht, die nicht von dieser Welt war“. (S. 53) Er stellt jedoch den schnellen, allzuschnellen Verfall dieser Vorstellung fest, der gar nicht anders als schnell sein konnte, wenn man logisch denkt. Dieser erschreckende große Gedanke, der in seinem Einbruch in die Einsicht etwas Plötzliches, Unerwartetes und Blitzartiges hatte, konnte nicht verweilen. Wenn irdische Macht sich anbindet an die irdische Ohmacht dessen, der in dieser Welt am Kreuz starb und dessen Reich nicht von dieser Welt ist, dann kann es sie eigentlich gar nicht geben. Das Missverständnis war vorprogrammiert: christliches Kaisertum konnte über kurz oder lang nur einen antichristlichen Charakter bekommen.
Die Rede vom „vicarius Christi“, vom Stellvertreter Christi ist seelengefährlich. Sie ist wie ein scharfes Messer, das im Nu von der ewigen Seligkeit trennen kann. Es gibt ein „an Christi statt“ auch im Neuen Testament, begegnet dort aber ausschließlich geistig. Eine Ummünzung in irdische Anmaßung von Personen, die sich für „weiser“ halten als andere, ist dort nirgends zu finden.
Wir erinnern uns an Kästners Diktion echter „Macht“: es ist nicht Anmaßung über andere, sondern größtmögliche Entfaltung der Potenzen. Und die können per definitionem den anderen nicht herabstufen, denn am Leibe Christi kann nicht einmal das Haupt zuungunsten der Entfaltung der Arme und Beine, der Leber und Niere und was sich immer findet, seine Potenzen entfalten. Das einzelne Glied kann sich nur dann vollkommen entfalten, wenn es die anderen auch tun. Und es liegt eine Schwierigkeit in der auch katholischerseits so gerne getätigten Rede davon, dass schließlich nicht alle das Haupt sein könnten (wobei die, die das betonen, sich selbst meistens die Position beim Haupt zumessen). Nun wissen wir aber nicht wirklich, wie der Herr seine Stellvertretungen verteilt, denn er sagte ein ums andere Mal, dass die Ersten die Letzten sein werden. Und auch das Magnificat nimmt diese Perspektive ein: „Er stößt die Mächtigen vom Thron und erhebt die Niedrigen.“ Wenn also einer sich anmaßt, sich für den vicarius Christi zu halten, quasi institutionell, obwohl die Heilige Schrift gerade ein solches Amt niemals formell vergeben hat (!) und jede Überzeichnung des Kaiser- oder Papsttums tatsächlich, weil es sich eben doch als von dieser Welt her ansieht, als antichristlich angesehen werden muss, kann es sein, dass er nicht das ist, wofür er sich hält und trüge er zehnmal eine Tiara oder eine Kaiserkrone, so würde sie ihm zum zweischneidigen Schwert, das sich ihm am Ende entgegenstellt.

Kästner findet daher angesichts seines Besuches der Hagia Sophia auch eine Antwort auf seine quälende Frage, wer denn die Heilige Weisheit sei, die hier zugrunde läge:

„Wenn man er fertigbrächte, den Kopfüber-Gedanken, die grandiose, hochfragwürdige Umstülpung, die darin bestand, daß der Stellvertreter des leidenden Heilands, der die Herrschaft über diese Welt eben gerade nicht wollte -: wenn es möglich wäre, diesen Kopfüber-Gedanken ohne den Rost so vieler Jahrhunderte zu denken, so als besäße er noch die Gewalt seines Eintritts: wie müßte er entsetzen.
Wenn es also auch kaum noch gelingen kann, den Gedanken Mit-Regent, Mit-Richter, Mit-Weiser Christi so zu denken, als ob er einträte, so gibt es doch, was der Geolog einen Aufschluß nennt. Wenn nämlich durch eine Verletzung, also in einem Steinbruch oder in einem Bahn-Durchstich auf einmal offenliegt, was vorher verwachsen war.
So ein Aufschluß ist, wenn man das Macht-Wunder des Hagia Sophia-Doms zusammen mit dem Großmord des Januartages bedenkt. Mit dem Verstand nicht zu fassen. Immerhin stellt sich das wieder ehr: ein großes Entsetzen.“ (S. 54)

Es ist vielleicht ein solches „Entsetzen“, das die Königin von Saba empfand, als ihr „der Atem stockte“ (s.o.) angesichts der Weisheit, die aus Salomo damals noch sprach. Aber was tat sie daraufhin?
Sie pries Gott, tauchte ein paar Tage ein in diese Weisheit und dann – ging sie, wie sie gekommen war, ohne weitere eifernde Macht, aber reich beschenkt und insofern in ihren Potenzen entfaltet wie nie zuvor.

http://www.catholic-church.org/ao/O-17.html

Dass aber Konstantinopel und seine Hagia Sophia-Kirche in der Einsicht, dass diese Kirche auf einem blutigen Massenmord auferbaut wurde, am Ende von der Religion vereinnahmt und schließlich ganz „entmachtet“ wurde, von der Religion, die doktrinell ihre Entfaltung auf der anmaßenden Unterwerfung anderer, und sei sie noch so blutig, gründet und dies für gottgewollt hält, dass dies das Schicksal des oströmischen Reiches mit seiner Machtkirche wurde, das erscheint, so betrachtet, ganz folgerichtig. Die „Heilige Weisheit“, wenn wir damit Christus meinen, hat sich ihr Recht zurückgeholt und wird es sich eines Tages von der Wüsten-Fratze pervertierten Christentums erst recht zurückholen.

Und wir?
Man muss erschauern und sich fragen, was geschieht, wenn die Stunde des Menschensohns bei uns in Westrom schlägt.
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