Montag, 21. Mai 2018

Die sakramentale Anderwelt der Eucharistie (VIII) - Das "apokalyptische Pessach"



VIII. Das „apokalyptische Pessach“ — eine Schlussbemerkung

Die kirchliche Lehrentwicklung von der Eucharistie hat sich nach diesen Meditationen fast unendlich weit entfernt aus dem neutestamentlichen und alttestamentlichen Zusammenhang.

Wenn die postmoderne katholische Theologie offen zugibt, dass sie ihre Lehre vom „Pascha-Mysterium“ als eine Kompilation von zerbrochenen Motiven des ursprünglichen Pessachzusammenhangs mit heidnischen Opfer- und Mysterienkulten entwickelt hat, dann muss man fragen, ob dies eine Lehre ist, die sich auf die Lehre des einzigen legitimen Lehrers der wahren Christen, Jesus Christus, gründet. Wenn auch das Lehren als Charisma von Gott selbst (nicht durch menschliche Vermittlung) verliehen werden kann, gilt im NT durchweg, dass kein Jünger Jesu sich „Lehrer“ nennen lassen darf und keine Lehrtätigkeit angestrebt werden soll. Angesichts des dreisten Lehranspruchs nicht nur der römischen Hierarchie mit ihrem universalen Papsttum, sondern auch der unzähligen evangelischen „Bibellehrer“, „Prediger“ und „Pastoren“, die sich aufgrund einer Selbstzuschreibung an „Erkenntnis“ und „Weisheit“ über die zu Belehrenden stellen, muss festgehalten werden aus den Schriften des NT:
Die Mahnung des Paulus an einer bestimmten Stelle, dass Frauen nicht lehren sollen, wurde dahingehend so verdreht, als käme es stattdessen dem Mann als angeblich „göttlichem Abglanz“ natürlicherweise zu, der Frau als vermindertem Menschen dagegen nicht. Diese Mahnung wird gerne bis zum heutigen Tag gegen weibliche Lehrer gewendet. Aber geflissentlich überhören die Verfechter einer solchen Auffassung, dass das Lehren als Anspruch niemandem — auch keinem Mann — zukommt. Wenn Paulus hinsichtlich eines Missstandes, in dem Frauen offenbar mit einem Lehranspruch auch einen Herrschaftsanspruch über den Mann verbanden und darüber Unordnung ausbrach (s. Schriftzitat unten), diese Worte schrieb, folgt daraus nicht, dass Frauen kein Charisma haben können, das sie zu Lehrerinnen beruft, sondern daraus folgt, dass auch Frauen keinen Anspruch auf Lehre im Zusammenhang mit Herrschaftsansprüchen haben. Paulus würde — hätte er dies global und exklusiv gegen die Frau gerichtet gemeint — zahlreichen alttestamentlichen Realitäten widersprochen, in denen sehr wohl Frauen berufen waren, zu reden und in einem gewissen Sinn auch zu lehren und zu führen (zB Deborah, Jael, Miriam, Hulda, Judith, Hanna). In einer angebrochenen, aber noch nicht offenbar gewordenen messianischen Realität, in der in diesem Messias, Jesus, nicht mehr „Jude noch Grieche, nicht mehr Freier noch Sklave, nicht mehr Mann noch Frau ist“ (vgl. Gal 3, 28), kann es nicht darum gehen, zumal Paulus eindeutig sagt, dass er hier in eigenem Namen (nicht vom Herrn, wie er bei anderen Fragen hinzufügt) hinsichtlich einer bestimmten desolaten Situation an einem bestimmten Ort spricht, in anderen Fällen aber doch selbst Frauen als Mittlerinnen und Lehrende (Erklärende) schickt (vgl. Röm 16). Es kann an sich im gesamten Zusammenhang verstanden nur um eine generelle Ablehnung jeglicher Lehrtätigkeit als Herrschaftsanspruch gehen.

Über allem steht das Wort Jesu selbst, der eindeutig sagt, dass nur er selbst Lehrer für die Seinen ist und niemand sich in seinem Gefolge als Lehrer aufbauen (lassen) darf:

„Vos autem nolite vocari Rabbi : unus est enim magister vester, omnes autem vos fratres estis. (…) Nec vocemini magistri : quia magister vester unus est, Christus.“  (Mt 23, 8+10) —  „Ihr sollt euch auch von niemandem Rabbi (Lehrer) nennen lassen: einer ist nämlich euer magister (Lehrer/Meister), ihr aber seid alle Brüder. (…) Und lasst euch nicht magistri nennen (Lehrer), denn euer Lehrer ist einer, der Christus (der Messias).“

„Docere autem mulierem non permitto, neque dominari in virum : sed esse in silentio...“ (1. Tim 2, 12) — „Ich erlaube aber nicht, dass eine Frau lehrt, auch nicht, dass sie den Mann beherrscht: sondern sie soll sich in Stille halten.“

„1 Nolite plures magistri fieri fratres mei, scientes quoniam majus judicium sumitis. (…) Et lingua ignis est, universitas iniquitatis. Lingua constituitur in membris nostris, quæ maculat totum corpus, et inflammat rotam nativitatis nostræ inflammata a gehenna. (…) 13 Quis sapiens et disciplinatus inter vos ? Ostendat ex bona conversatione operationem suam in mansuetudine sapientiæ.
14 Quod si zelum amarum habetis, et contentiones sint in cordibus vestris : nolite gloriari, et mendaces esse adversus veritatem :
15 non est enim ista sapientia desursum descendens : sed terrena, animalis, diabolica.“ (Jak 3) —

Meine Brüder, ihr sollt nicht so viele magister (Lehrer) sein wollen, denn als scientes (Gelehrte) haben wir ein härteres Urteil zu erwarten. (…) Und die Zunge ist ein Feuer, ein Universum an Bosheit. Die Zunge ist das unter unseren Gliedern, das den ganzen Körper verdirbt, und sie entzündet das Rad unserer Geburt und ist entflammt durch die Hölle. (…) Wer unter euch ist weise und diszipliniert? Er möge sein gutes Werk durch ein gutes Verhalten zeigen und durch ein Verbleiben in Weisheit. Wenn ihr einen solchen bitteren Eifer habt und Streitsucht in euren Herzen ist: Blast euch nicht auf und hört auf, Lügen gegen die Wahrheit zu setzen: eine solche „Weisheit“ ist nämlich nicht aus der Höhe herabgekommen: sondern sie ist irdisch, sinnlich, satanisch.“

Insbesondere die Jakobusstelle führt vor Augen, dass das Lehrenwollen immer eine satanische Komponente und Motivation hat. Nicht nur Frauen, — die vielleicht in der Realität wesentlich seltener als die Männer mit diesem Anspruch auftreten (!) — , sondern alle stehen in der Gefahr, andere belehren zu wollen und damit die Hölle auf Erden zu schaffen und die Botschaft Christi zu verdunkeln.

Man muss nun andererseits klar unterscheiden zwischen einer öffentlichen Kontemplation über geistliche Dinge, die weniger belehrenden als mitteilenden oder Zeugnis gebenden Charakter hat, und einem „magisterium“ (Lehramt), das einen Herrschaftsanspruch erhebt, wie das die römische Kirche tut, wie Paulus es aber auch von einer bestimmten Gruppe von Frauen im Timotheusbrief berichtet. Ein solcher Anspruch tritt in Verbindung mit der Behauptung einer besonderen Befähigung, besonderen Erkenntnissen oder einer besonderen Zusage Jesu auf, die er aber nicht öffentlich kundgetan hat. Wer mit einem lehrenden Herrschaftsanspruch auftritt, beruft sich in aller Regel auf eine private Befähigung, die sich nicht durch Wunder, vernünftige Rede, dienstbare Leidensbereitschaft oder sichtliche und geistliche Erfüllung (wie bei den Propheten) zeigt oder nimmt auf eine fragwürdige, verworrene oder verdrehte und illegitime Weise Bezug auf Bibeltexte.

Nicht zuletzt forderte Jesus Christus die Seinen nicht dazu auf, Lehrer zu werden, sondern Zeugen. Dass das Zeugnis in einem gewissen Sinn auch eine „Lehre“ ist, sollte dennoch nicht den Unterschied zwischen Lehranspruch und Pflicht zum Zeugnis verwischen:

„6 Sie nun, als sie zusammengekommen waren, fragten ihn und sagten: Herr, stellst du in dieser Zeit für Israel das Reich wieder her?
7 Er sprach zu ihnen: Es ist nicht eure Sache, Zeiten oder Zeitpunkte zu wissen, die der Vater in seiner eigenen Vollmacht festgesetzt hat.
8 Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist; und ihr werdet meine Zeugen sein, sowohl in Jerusalem als auch in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde.“ (Apg 1)

Das „Reich“, das der Messias gekommen ist wiederherzustellen, wird von Jesus in keiner Weise abgelehnt oder als eine falsche jüdische Ansicht abgewehrt. Er sagt allerdings, dass es noch nicht politisch verwirklicht wird, die Jünger bis zur Verwirklichung (die mit seiner Wiederkunft beginnen wird) mit dem Heiligen Geist ausgestattet werden, um Zeugen zu sein für den Messias und das, was er gelehrt hat, im ganzen Erdkreis. Alleine die Tatsache, dass die Kirche mit dem Anspruch auftritt, dieses Reich bereits sichtbar zu verwirklichen, offenbart sie als eine Einrichtung, die nicht von dem kommen kann, der sagte, dass uns nicht zustünde darüber zu befinden, was noch aussteht und nur der Vater alleine weiß. Warum anders sollten wir beten „Dein Reich komme“?!
Die Verdrehung der Sätze Jesu durch die katholische Lehre in eine Richtung, die ihren sichtbaren und buchstäblichen irdischen Herrschaftsanspruch jetzt schon — vor der Zeit und besserwisserisch die Worte Jesu ignorierend — erhoben hat und das Reich Gottes mit einem künftigen Weltreich, das dann vollends unter ihrer Herrschaft steht, ist blasphemisch. „Es ist nicht eure Sache, Zeiten oder Zeitpunkte zu wissen, die der Vater in seiner eigenen Vollmacht festgesetzt hat.“ — Die Kirche hat sich hier der Vollmacht des Vaters entgegengestellt. Hätte Jesus es eindeutiger sagen können? Dass diese Zeit aber nicht kommt, bevor er wiederkommt, ist aus der ganzen Schrift eindeutig: „Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird so kommen, wie ihr ihn habt hingehen sehen in den Himmel.“ (Apg 1, 11) Zuvor wird das Böse sich immer stärker „offenbaren“ und die ganze Welt in schwere Katastrophen führen (2. Thess 2).

Auch der berühmte „Missionsbefehl“ ist nur dem Anschein nach ein „Lehrauftrag“. Es gilt immer, genau zu lesen:

„18 Et accedens Jesus locutus est eis, dicens : Data est mihi omnis potestas in cælo et in terra :
19 euntes ergo docete omnes gentes : baptizantes eos in nomine Patris, et Filii, et Spiritus Sancti :
20 docentes eos servare omnia quæcumque mandavi vobis : et ecce ego vobiscum sum omnibus diebus, usque ad consummationem sæculi.“ (Mt 28) „Und (der auferstandene) Jesus kam auf sie, redete zu ihnen und sagte : Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden : Geht darum hin und lehrt alle Völker : tauft sie im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des Heiligen Geistes : lehrt sie zu bewahren alles, was ich euch hinterlassen habe : und siehe ich bin bei euch an allen Tagen, bis zur Vollendung des Zeitalters.“

Es ist vollkommen ersichtlich, dass es hier nicht darum geht, dass die Jünger einen Lehrauftrag im späteren Sinne der Kirche hätten, die sich eine „dogmatische Entfaltung“ der Lehre angemaßt hat. Sie sollen nicht selbst lehren und ein Reich Gottes sichtbar machen, sondern das weitergeben, was sie empfangen haben von ihren eigentlichen Rabbi und Lehrer. Wenn sie das tun, wird der Lehrer selbst bei ihnen bleiben bis zum Ende dieses Äons, danach aber wird er seine messianische Königsherrschaft errichten. Es ist ebenso vollkommen ersichtlich, dass dieses Äon erst zu Ende gehen muss, bevor der Messias sein Reich sichtbar aufrichten wird.
Ich möchte an die Worte Maria Magdalenas erinnern, die gewürdigt wurde, als erster Mensch den Auferstandenen zu sehen und mit ihm zu sprechen und als Erste auch einen Verkündigungsauftrag von Jesus selbst erhielt. Sie sprach den Auferstandenen in dieser seiner Rolle als einziger und persönlicher Lehrer an:

16 Dicit ei Jesus : Maria. Conversa illa, dicit ei : Rabboni (quod dicitur Magister). (…) vade autem ad fratres meos, et dic eis…“ (Joh 20) — „Jesus sagte zu ihr : Maria. Als jene sich umwandte, sagte sie zu ihm :“Rabbuni“ (was Lehrer bedeutet). (Jesus sagte zu ihr:) Geh zu meinen Brüdern und sag ihnen…“

Nicht nur, dass Jesus hier eine Frau schickt, um wichtigste Zeugnisse gegenüber den „Brüdern“ auszusprechen und Aufträge zu überbringen, sondern wichtig ist, dass Maria Magdalena uns bis heute bezeugt, dass der höchste und einzige Lehrer Jesus alleine ist. Und weil sie es persönlich sagt: „Mein Lehrer“, gibt sie damit Vorbild für jeden Gläubigen, der nur einen wahren Lehrer hat, nämlich Jesus Christus. Was immer andere Menschen uns beibringen oder nahelegen wollen: Es muss geprüft werden angesichts der Worte, die uns von Jesus hinterlassen worden sind durch die ersten Zeugen und Apostel! Jeder Christ muss denken lernen und prüfen, keiner kann sich auf seine Verführer herausreden! Weil wir diese Aufgabe schwerlich ohne Gefährdung durch Irrlehrer und unsere eigene Herzenshärtigkeit und Trägheit bestehen können, haben wir — wie ich es so oft nachgewiesen habe aus den Schriften — als „Anzahlung“ den Heiligen Geist empfangen, der uns „in die ganze Wahrheit führen wird“ (Joh 16, 13).
Das Zeugnis Jesu aber ist nach den Worten eines Engels in der Apokalypse nicht irgendeine „Lehre“ oder ein selbstermächtigtes „magisterium“ (Lehramt). Das Zeugnis Jesu aber entspringt dem „Geist der Weissagung“:

„Testimonium enim Jesu est spiritus prophetiæ.“ (Apk 19, 10) — „Das Zeugnis Jesu aber ist der Geist der Prophetie.“

Paulus schrieb dazu eindringlich: 19 Spiritum nolite extinguere. 20 Prophetias nolite spernere.“ (1. Thess 5) — „Löscht den Geist nicht aus! Verachtet nicht Weissagungen!“

Nicht das „Lehren“ ist das Amt des Jüngers oder der „Kirche“, sondern das Zeugnisgeben und die Weissagung. Beides aber ist Charisma, nicht formelles, von Menschen gesetztes Amt (!), wird Mann wie Frau verliehen, soll allen dienen, wenn Gott es will und von jedermann sorgfältig geprüft werden mit Verstand und Nüchternheit (1. Thess 5, 21f).

Wir sind, wie es im Licht des NT aussieht, auf einem jahrhundertelangen Holzweg immer tiefer ins Dickicht geraten, haben das verlassen, was der wahre und einzige Lehrer uns hinterlassen hat. Wir haben uns gepriesen dafür, heidnische Lehren übernommen zu haben und Sibyllen und Philosophen als angebliche Vorläufer auf Christus hin erklärt und darüber das verworfen und verdreht, was der Christus uns als Lehre hinterlassen hat.

Was sein letztes Abendmahl am Pessachfest betrifft, haben wir vergessen und verworfen, verdreht und gewaltsam paganisiert und dafür unendlich viel Blut fließen lassen, dass Jesus als der Messias das Pessachfest auf sich selbst hin gedeutet hat und die gebotenen acht Pessachtage als apokalyptische Wanderung seiner Jünger erklärt hat.

Das Pessach, der vorausgebildete und bildhafte Auszug aus der Sklaverei Ägyptens, des Heidentums und der Schlangenverehrung ist nun auf eine andere Stufe gehoben:
Das Pessach der Christen beginnt wie das alte Pessach mit der Schlachtung des Lammes, von dem am nächsten Morgen des 2. Tages nichts übriggeblieben sein darf. Diese Schlachtung aber erinnert an die 10. Plage der Ägypter, die Tötung aller männlichen Erstgeborenen, die den Pharao dazu zwang, die Israeliten ziehen zu lassen. Er wollte sie zuvor um keinen Preis der Freiheit übergeben. So war er selbst zu einem Ausdruck der alten Schlange geworden, die ihren erworbenen Anspruch auf die Menschheit vor Gott geltend macht… Auf seiner Stirn trug der Pharao das Symbol der Schlange und ihrer Macht. Sie war und ist es, die ihn bestimmte und ihr Fürstentum durch Menschen beansprucht und durchsetzt.
Das Reich des Messias brach mit der Tötung des gesalbten Erstgeborenen an. Jesus wird im NT häufig als der „Erstgeborene“ bezeichnet: Er ist „imago Dei invisibilis, primogenitus omnis creaturæ“ (Kolosser 1, 15), das „Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung“. Aber auch von Maria heißt es, „peperit filium suum primogenitum (Lk 2, 7), dass sie “ihren erstgeborenen Sohn gebar“. In Ps 89, 28; Römer 8,29; Kolosser 1,18; Hebräer 1,6; Offenbarung 1,5 werden wir immer wieder mit der Tatsache vertraut gemacht, dass der Christus, dass Jesus, der Messias, der vor aller Zeit schon vorgesehene und dem Vater als zukünftiger Gesalbter bekannte Mensch Jesus der „Erstgeborene“ ist, vor allem auch der primogenitus mortuorum“, der „Erstgeborene von den Toten“, weil er ihn wieder auferweckt, verklärt und unsterblich gemacht hat.
Dieser in jeder Hinsicht „Erstgeborene“ setzt mit seinem Opfer am Kreuz an einem realen Pessachfest der Israeliten den Beginn des Pessach am Ende der Zeiten. Er wird „geschlachtet“, um die Menschen zurückzugewinnen und zu vermeiden, dass sie dem „Würgeengel“ in die Hände geraten, der ein Recht auf sie hat aufgrund der Herrschaft der Schlange, die sie über sich zugelassen haben und immer noch zulassen. Danach sind die Geretteten unterwegs, sie ziehen aus und erwarten den Einzug in das künftige Reich Gottes, sie essen das „Brot des Elends“, die ungesäuerten Brote, das jüdische Zeichen der Unbehaustheit in diesem Äon, aber auch der Reinheit und Freiheit als wach haltende Erinnerung an Jesus, der sie rein und frei gemacht hat, bis sie am Ende in einem großen Schabbat in die Ruhe Gottes einziehen dürfen. Mit der Benennung des Brotes und des Weines als Sinnbilder seines Leibes und seines Leben spendenden Blutes wird nicht auf ein heidnisches Mysterienspiel von einem permanent gegenwärtig gesetzten, sterbenden und lebendig gemachten Gott, oder eine sakramentale Parallelwelt abgezielt, sondern auf eine erneuerte, apokalyptische Sinngebung des Pessachfestes auf das Reich Gottes hin, das „nahe herbeigekommen“ ist, wie Johannes der Täufer und Jesus an zahlreichen Stellen bezeugt haben. Noch ist es nicht sichtbar, noch hat es „erst“ in den Herzen begonnen, noch gibt es einen Aufschub bis zum Anbruch dieses Reiches, aber es ist nahe, steht unmittelbar vor der Tür. Jesus hat so oft in Gleichnissen und Reden daraufhin gewiesen, dass er unzweifelhaft dieses Reich, wenn er wiederkommt, errichten wird und die Seinen darin mit ihm regieren werden. Bevor er aber wiederkommt, ist die Zeit dieser Regierung nicht gegeben. Es ist Zeit des Zeugnisses in der ganzen Welt, nicht aber die Zeit irgendeiner frommen Gewaltherrschaft. Es ist absolute Gewaltfreiheit verordnet, bis er kommt. Und wenn er kommt, wird er regieren als König, als „rex“, nicht als „imperator“. Sein Reich ist ein „regnum“, kein „imperium“. Auch diesen so wichtigen Unterschied hat die Kirche vollständig verfinstert.
Die Christen, wenn sie zur „commemoratio“, d.h. zur Gedächtnisstütze und gemeinschaftlichen Wachhaltung des baldigen Kommens Jesu, nachdem er uns durch seinen Tod erlöst hat von der Herrschaft Ägyptens und des Schlangengottes, während der Zeitabschnitte des apokalyptischen Pessachfestes dieses „Brot des Elends“ essen, setzen fort, was Israel geheißen war zu feiern, aber sie tun es nicht mehr nur im Abglanz kommender Dinge, sondern sie stecken mitten in diesem endzeitlichen Pessach, das wie die Wüstenwanderung länger ausfällt, als ursprünglich geglaubt und erwartet, aber dennoch sein Ende und sein Ziel erreichen wird. Den Tod des Erstgeborenen lassen sie hinter sich als historisches und als „Schlüssel“-Ereignis mit unwiderruflicher Folge, denn der Erstgeborene, der auch in der Apokalypse wieder auftaucht (Apk 12), wird vor seiner sichtbaren, universalen Friedensregierung mit dem „eisernen Stab“ („virga ferrea“) (der weder Gold noch Edelsteine und erst recht keine Schlangensymbole trägt!) erst für eine lange Zeit von "1260 Tagen", als verklärte unsterbliche „Avantgarde“ in den Himmel entrückt. Sie schreiten in Geduld und „in der Wüste“ (Apk 12, 6) auf die Erfüllung zu. In dieser „Wüste“, dieser „solicitudo“. Die „Frau“ (früh auf die Jünger oder Israel, konkret auch auf Maria gedeutet) bleibt an einem Ort, den Gott ihr bereitet hat. Es kann auch hier keine Rede von einer mächtigen Kirche sein, die "Schwerter führt", wie Bonifaz VIII. beanspruchte, die mit ihrem Papsttum oder einer selbsternannten Hierarchie oder Führungsschicht den Weltherrschaftsanspruch formuliert und auslebt. Die Kulmination der Kreuzzüge drückte aus, dass die Kirche sich anmaßte, das biblisch angekündigte messianische Friedensreich in Israel bzw von Israel aus zu verwirklichen. Wir wissen, dass Gott ihr einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht hat und sie viel Blut für ihren Wahn vergossen hat. So kann auch erklärt werden, warum die Kirche ihren Gläubigen um keinen Preis zugestehen wollte, auf das „Millennium“ zu warten und mit dem Staatskirchentum rigoros gegen jeden Chiliasmus vorging. Sie radierte in den Gläubigen diese Passage aus der Offenbarung aus (Apk 20), denn sie wollte und will dieses „Tausendjährige Reich“ selbst darstellen und ihren Papst anstelle des Messias „herrschen“ lassen. Dass auch andere machtbewusste Gestalten früh dieses „Tausendjährige Reich“ — wie wir wissen bis in unsere Tage — mit ebenso vermessenen Behauptungen, wie die Kirche sie für sich beansprucht, für sich verbuchen wollten, gab und gibt der Kirche noch lange kein Recht, es einfach zu leugnen und die Gläubigen sogar zu ermutigen, daran als etwas Zukünftiges, von ihr Unterschiedenes, das der wiederkommende Messias einrichten wird, nicht zu glauben. Die frühen Christen glaubten daran selbstverständlich, denn es war der sichtbare Beginn der neuen Ordnung unter der Regierung des Messias nach seiner Wiederkunft, das messianische „Königreich“, das alle Propheten des AT ebenso wie Jesus und die Apostel verkündet haben.
Selbst Wikipedia gibt dies offen zu:

„Ab Mitte des 3. Jahrhunderts wurde der Chiliasmus auch innerhalb der katholischen Kirche bekämpft. Die Erwartung eines irdischen Gottesreiches wurde nun überflüssig, denn der katholischen Kirche ging es materiell zunehmend besser, und der politische Einfluss stieg. Dies interpretierte man als Zeichen, dass das Reich Gottes bereits begonnen habe. Man betonte die angebliche „Endlosigkeit“ des Reichs Christi und erklärte die gegenteilige – auch durch Paulus vertretene – Anschauung von einem befristeten (äonischen) Messiasreich offiziell zur Häresie. Die Kirche bemühte sich, das chiliastische Schrifttum in seiner Bedeutung in den Hintergrund treten zu lassen.
Augustinus verwarf den Millenarismus nach anfänglicher Befürwortung zugunsten eines Konzeptes, das den Anbruch des Millenniums bereits mit dem ersten Erscheinen Jesu Christi gleichsetzte (Amillenarismus). Als 1000 n. Chr. Christus jedoch nicht erschien, wurde es für die Anhänger des Amillenarismus notwendig, auch die Dauer der 1000 Jahre allegorisch aufzufassen. Jetzt sollten die 1000 Jahre für einen unbestimmten Zeitraum zwischen den beiden Kommen Christi stehen. Satan sei zwar gebunden, aber noch nicht ganz – das gegenwärtige Zeitalter sei, nach Augustinus, als Kampf zwischen der (weltweiten) Kirche Jesu Christi (der Ekklesia) und der nichtchristlichen Welt, zwischen „Stadt Christi“ und „Stadt des Teufels“ zu sehen (Augustinus, De civitate dei 20,11). Diese allegorische Sicht setzte sich weithin im Christentum durch.“[i]

Und so nannte die Kirche das dogmatische Dekret des Vaticanum I von 1870 „Pastor aeternus“ (Der ewige Hirte) und suggerierte schon ab dem ersten Satz, dass der Papst als Stellvertreter nicht nur des Sohnes Gottes, sondern aufgrund der Trinitätslehre sogar Gottes selbst dieses sichtbare Reich auf Erden anführe als „unfehlbarer Lehrer“ und „Richter“ mit universeller Jurisdiktion, was eine Zuschreibung der gesamten messianischen Funktion und Verheißung auf sich selbst bedeutet.[ii] Dostojewski hat seinen Großinquisitor in den „Brüdern Karamasow“ aussprechen lassen, was dies bedeutet: der echte Messias, der entrückt ist zum Thron Gottes, stört diese Hierarchie. Er kommt und wird von seinen angeblichen "Stellvertretern" verurteilt. Jeder, der klug ist, weiß aus dieser Geschichte des russischen Dichters die logischen Schlüsse zu ziehen. Und ein weiteres sollten wir bedenken: Nicht primär andere Religionen, auch nicht der Islam, auch wenn er eine Problematik eigener Art darstellt und grausam in Erscheinung treten kann, sondern das christliche Abendland hat die größten Christenverfolgungen der Geschichte zu verantworten.

Vielleicht ist uns durch die Lehren der Kirche(n) vollkommen verdunkelt worden, dass wir uns auf einer apokalyptischen Wüstenwanderung befinden, die in sich selbst bereits der Beginn der kommenden, noch nicht offenbar gewordenen Königsregierung des Messias Jesus ist.
Und wenn wir uns das vor Augen halten, können wir plötzlich auch ganz leicht verstehen, warum es die Juden immer noch gibt und warum Paulus die Tiefe der göttlichen Weisheit pries (Röm 11, 33 ff), als er vorhersah, dass sie auch am Ende der Zeiten, ganz am Schluss, vielleicht noch einmal diejenigen sein werden, von denen das Heil kommt, und warum sie angesichts der geistlichen Verkommenheit der heidenchristlichen Kirchen(n) trotz ihrer noch nicht aufgehobenen Blindheit für ihren Messias Jesus doch Zeugen des einen wahren Gottes und der wahren Messiasverheißung im AT sind und bleiben, deren Verständnis die Kirchenfürsten unter schwersten Gewalttaten so verzerrt haben, dass sie von den Baalen kaum noch zu unterscheiden sind. Gäbe es die Juden nicht mehr, wüssten wir nicht mehr, was das Pessachfest bedeutet und wie es gefeiert und verstanden wurde. Gäbe es die Juden nicht mehr, wüssten wir heute nicht mehr, welches Gottesbild Israel ursprünglich verkündet hat.


Hier stellen sich viele Fragen hinsichtlich der Dogmengeschichte, denn ohne das intrigante Zustandekommen und die gewalttätigen Folgen der dogmatischen Entscheidungen durch machtbewusste spätantike Politiker und Kirchenfürsten hätte sich die verworrene Eucharistielehre, die mit dem biblischen Zusammenhang sachlich kaum noch eine Berührung hat, niemals in dieser Weise entwickeln können.


[i] Artikel „Millenarismus“ im Internet-Lexikon Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Millenarismus#Millenaristische_Konzepte_im_heutigen_Christentum (21.5.2018)
[ii] „Pastor aeternus“ (1870), ASS 6 [1870-71]

Dienstag, 15. Mai 2018

Die sakramentale Anderwelt der Eucharistie (VII) - Stäbe: Lituus, Szepter, Zauberstab, Prügel, Fasces oder Wanderstock?



VII. Stäbe — Lituus, Szepter, Zauberstab, Prügel, Fasces oder Wanderstock?
Nachdenken über die herrliche Freiheit Gottes und seiner Kinder und die trostlose Unfreiheit des kultischen Liktorenbündels in Rom und anderswo

In der jüngeren Theologiegeschichte kreuzen sich zwei Gedankenwege:
Der anfangs erwähnte Odo Casel OSB entwarf seine „Mysterientheologie“, die das eucharistische Geschehen im Sinne heidnischer antiker Mysterienspiele deutet. Und im 19. Jh schrieb Alexander Hislop sein berühmtes Buch „Von Babylon nach Rom. Der Ursprung der römisch-katholischen Religion“.[i] Ähnlich wie Martin Luther in seiner Schrift „De captivitate babylonica ecclesiae“ von 1520 sieht Hislop im in die Kirche eingedrungenen Papstkult, in dessen Folge die Abendmahlsfeier pervertiert wurde, die Anmaßung und Häresie Nimrods, des ersten gewalttätigen Weltherrschers, der den Turm zu Babel baute, verwirklicht. Aus Luthers kurzer Erwähnung dieses Gedankens schafft Hislop einen ausführlichen Gedankengang. Hislops sprachliche Ableitungen werden häufig und zu recht kritisiert. Die Grundaussage seines Buches aber deckt sich, sorgsam durchdacht, mit dem Denkansatz Odo Casels, wenn auch „gegenläufig“.
Beide gehen vom selben Grundgedanken aus, dass der katholische Kult nicht nur heidnisch inspiriert ist, sondern ihn „ideal“ verwirklicht. In unseren Tagen wird wiederum in negativer Interpretation von Theologen und Religionswissenschaftlern wie Hubertus Mynarek der Katholizismus als ein Machtgebilde beschrieben, das aus allen antiken heidnischen Religionen ein Sammelsurium an Motiven zusammengeklaubt und kompiliert habe, die populär und vermarktbar sind, jederzeit mit neuen Elementen angereichert werden können und auf diese Weise eine perfekte Strategie sind, die Welt zu unterwandern und zu beherrschen.[ii]
Casel setzt voraus, dass die Kirche immer diesen Kult gehabt habe, den sie aus Ermangelung an Vorbildern im AT dem Hellenismus entnahm, der aber, wie alle heidnischen Kulte, nur ein schwacher, aber grundsätzlich einer guten Urreligiosität entstammender „Vorläufer“ auf die Kirche hin gewesen sei. Hislop dagegen glaubt, dass man mit dem Kultwesen schon in der Vorzeit der babylonischen und ägyptischen Religion überhaupt erst abgekommen sei vom wahren Gottesdienst und seine heidnische Ausprägung nicht Vorläufer auf die Kirche oder Christus hin war, sondern eine Perversion jeglichen rechten Glaubens, die durch Nimrod eine erste zentrale und „welteinheitsstiftende“ Dimension errang, die von Gott selbst zerstreut wurde. Die Zerstreuung der Menschheit in Völker und Sprachen ist — so verstanden — ebenso Folge einer ersten, spirituell getönten und welteinheitsstiftenden Herrschaft wie Voraussetzung für das Einwirkenkönnen seitens Gottes und damit eine erzieherische Gnade. Daraus folgt nicht, dass die Menschheit nicht eigentlich eine wäre. Auch folgt daraus nicht, das nun Nationen etwas seien. Es folgt daraus, dass in der Schwäche unserer Lage eine Zerstreuung in Völker uns bisher davor bewahrt, unserer hochmütigen Schwäche ganz zu verfallen.
Doch schauen wir uns eines nach dem anderen etwas genauer an:

Odo Casel skizziert kritisch die nachtridentinische Verkrustung des kirchlichen Eucharistieverständnisses weg vom „gemeinsam gefeierten Mysterium der Erlösung“ hin zu einer losgelösten Verehrung des Altarsakramentes in Form subjektivierter Andachten (wie der Herz-Jesu-Verehrung, des Marienkultes, verschiedener Heiligenkulte), aber auch einer Potenzierung der Beichte, einer nicht mehr gesunden Selbstbeobachtung, der Abhängigkeit von „Seelenführern“ und der Vorstellung, die Messe sei ein Begegnungsort mit dem gegenwärtig werdenden Herrn. Casel stellt zu recht fest: „Das Gnadenleben, das Bewußtsein der Erlösung trat zurück hinter dem besorgten Kampf um das individuelle Seelenheil.[iii] Wem fiele da nicht sofort Luthers verzweifelte Suche nach einem „gnädigen Gott“ und die zum Widerruf erpresste Jeanne d’Arc ein, die sich im 15. Jh geweigert hatte, nicht zu glauben, dass sie ganz und gar aus der Gnade lebe! Wir werden später auf die Frage zurückkommen, was Casel unter „Bewusstsein der Erlösung“ genau versteht. Klarsichtig erkennt er — wohl unbeabsichtigt — den Zusammenhang dieser Verkrustung  und Verfremdung mit dem Machtstreben des Papsttums:

„Mit dem Begriff der Kultgemeinde ging das konkrete Gemeinschaftsgefühl der Gemeinde (Pfarrei, Diözesen) zurück und verlor an Intensität zugunsten der weltumspannenden, aber naturgemäß weniger lebendig wirksamen Bindung an die Universalkirche.“[iv]

Damit wird der vor 1000-500 Jahren noch verfrüht erhobene „Weltherrschaftsanspruch“ der spätmittelalterlichen Kirche durch Gregor VII. und Bonifaz VIII. ausgesprochen. Die „Welt“ als ganze war noch nicht oder nicht mehr bekannt. Die Fixierung auf ein bestimmtes Modell der Erde (Globuserde), die vor 500 Jahren überhaupt erst in Gang gesetzt wurde, sollte daher als Element der Versklavung unseres Geistes nicht unterschätzt werden.[v] Als man aber glaubte, sie vollständig entdeckt und beschrieben zu haben, setzte das ein, was Casel kritisch beschreibt.
Casel überwindet in dieser kritischen Beschreibung nicht den kultischen Charakter der Hl. Messe. Man hat den Eindruck, dass der Horizont seiner Kritik die Frage, ob denn Jesus Christus überhaupt einen Kult geboten hat, nicht erreicht.
Auf Infragestellungen seiner Theorien, etwa durch P. Johann Baptist Umberg SJ[vi], reagierte er mit einer methodisch tautologischen Wiederholung seiner Prämissen. Er leugnet nicht die Vereinnahmung heidnischer Mysterienpraxis durch die Kirche, tut aber diejenigen, die fragen, warum das Christentum denn überhaupt glaubte, das notwendig zu haben, mit einer verräterischen Arroganz als „simpliciores“ ab. Er kommt nicht umhin, zuzugeben, dass das, was von Jesus und den Aposteln überliefert wurde, auch ohne „Mysterien“-Kult ausgekommen wäre. Für ihn ist nicht entscheidend, ob die Kirche ohne diese Kultpraxis ausgekommen wäre, sondern ob sie faktisch ohne sie ausgekommen ist. Und weil sie nicht ohne Mysterienkult ausgekommen ist, ist er auch notwendig und richtig. Eine solche Argumentation ist gefährlich, denn sie suggeriert, dass ein Irrtum nur lange genug etabliert worden sein muss, um seinen Charakter als Irrtum zu verlieren. Wahr ist in einem solchen Denken immer nur das, was sich machtvoll durchsetzt. Er verweist auf die umfassende Mysterienbegriffswelt der Kirche der Spätantike und zieht den Schluss:

„Man kann doch wohl nicht annehmen, daß die Kirche ihren Kult ein Mysterium nennt, weil er kein Mysterium ist; auch ist es nicht die Art der Kirche, mit hochtönenden, fremdartigen Ausdrücken um sich zu werfen, um ihrem Tun einen exotischen Schimmer zu geben; ferner wird sie es auch vermeiden, ihre Kinder durch einen uneigentlichen Gebrauch solcher Termini in Irrtümer zu stürzen.“[vii]

Diese Argumente halten einer wissenschaftlichen und vor allem einer logischen Prüfung nicht stand. Natürlich kann möglicherweise das, was sich nach der staatlichen Vereinnahmung des Sol-Anbeters Konstantin als Staatskirche etabliert, aus Anpassungsgründen einen wesensfremden Kult, der sich bereits schon hineingefressen hat in die Versammlungen der Christen, einführen, obwohl der christliche Glaube ursprünglich keinen Kult kennt. Natürlich kann die Kirche Begriffe einführen, um diese Anpassungsleistung plausibel zu machen — es geht doch nicht um „exotischen Schimmer“! Und zu guter letzt muss man, wenn man klug ist, damit rechnen, dass eine durch die politische Macht korrumpierte Kirche, die in sich zuvor zerstritten und uneins war über viele wesentliche Fragen, ihre Kinder sehr wohl in „Irrtümer stürzt“. Es gibt keinen vernünftigen Grund, dies auszuschließen, zumal das NT keinen Glauben „an die Kirche“ iS einer organisierten Machtinstitution gebietet — vielleicht mit gutem Grund. Wir wissen, dass in irdischen Institutionen immer das Recht dessen gilt, der sich durchsetzt. Er schreibt die Geschichte —die Wahrheit wird dem Mächtigen zugeschrieben, aber das Reich Christi ist nicht von dieser Welt und ihren Mächtigen, auch dann nicht, wenn sie plötzlich „christlich tun“. Das NT kennt — unter Verfolgung und Not geschrieben! — den Glauben an Jesus Christus, es kennt die Einigkeit in der Lehre der Apostel und die Bürgerversammlungen der „Freien“ („ecclesiae“) in Christus, aber bereits schon in dieser Zeit heftige Auseinandersetzungen in der Lehre und vor allem den Rückfall in heidnische oder gesetzliche Denkweisen. Eine Institution „Kirche“ mit autoritärer Lehrbefugnis, einer angeblich von Christus selbst gestifteten „Hierarchie“, womöglich unter einem unfehlbaren Papst, kennt es nicht. Im Grunde geht das NT von einem pneumatologisch ausgerichteten ecclesiae-Konzept (ein Plural!) aus, das nicht formell festgeschrieben werden kann, um nicht am Ende die Wahrheit und das freie Wirken des Hl. Geistes zugunsten einer verkehrten oder korrupten Institution aufgeben zu müssen. Die johanneischen „Antichristen“, die aus dem weiteren Apostelkreis kommen, „aus unserer Mitte“ (1. Joh 2 19), aber auch die „Irrlehrer“, die die Gemeinden schon damals heimsuchen, gehen ja nicht erklärtermaßen von einem „wahren Ort“ einer „wahren Kirche“ weg, sondern sie haben sich „eingeschlichen“ (Judas 4f). Sie streben nicht weg von den Gemeinden, sondern sie streben allesamt in sie hinein, um sie zu verderben. Man muss damit rechnen, dass sie sich an dem Ort der ecclesiae auch behaupten und vorgeben, sie seien der wahre Christus. Wer das nicht annimmt, nimmt die eindringliche Warnung Jesu, des Johannes, des Judas und des Paulus vor den „reißenden Wölfen“ im Gewand der Schafe nicht ernst und macht sich selbst zur leichten Beute.

Man kann Casels leichtfertige Argumentation, die so oder so ähnlich auch an anderer Stelle auftaucht, als ein gutes Beispiel für die Maxime „Was nicht sein kann, das nicht sein darf“ ansehen. All seine „Beweise“ für einen frühen Kult aus der Väterliteratur sind entweder zu späte „Beweise“ und für die Frühzeit nicht aussagekräftig, oder sie sind uneindeutig und könnten auch anders gedeutet werden.

Casel gibt zu, dass das Judentum und der Glaube Israels keinen Mysterienkult kannten. Er behauptet weiter, dass „die Kirche dem ihr eigenen Eidos des Mysterienkultes sprachlichen Ausdruck verleihen wollte“ und zu diesem Behufe „mußte sie die antike Kultsprache der Mysterien verwenden.“ Mit diesem Akt schuf sie sogar die „ideale Verwirklichung“ dessen, was im antiken heidnischen Mysterienkult keimhaft angelegt gewesen sei.[viii]
Das sind Argumente, die, gegen den Strich gelesen, belegen, dass diese Auffassung des Christentums als eines Mysterienkultes nicht etwa eine biblische Konsequenz, weder aus dem Alten Bund noch erst recht aus dem Neuen Testament, sondern das „Eidos“ der „Kirche“ ist, was immer man unter „Kirche“ nun verstehen will. „Eidos“ heißt hier: „immanente Form“, eine Art „Wesenskern“ der Kirche. Es handelt sich dabei um eine Prämisse, die nicht weiter begründet wird oder werden könnte. Casel geht von der Voraussetzung aus, es sei der „Kirche“ von Anfang an immanent gewesen, einen Kult auszubilden, wobei sie damit nicht das Erbe Israels fortsetzt, sondern das heidnische Erbe, das sie dabei auch noch „ideal“ verwirklicht.
Casel lässt eine Hinterfragung dieser Hypothese, die er wie eine conditio sine qua non vorträgt, um keinen Preis zu.
Gewiss fragt sich der Leser, warum er so sehr daran hängt, dass Christlichkeit zugleich „Kult“ bedeuten müsse. Es ist naheliegend, diese Frage damit zu beantworten, dass er wie alle braven und systemkonformen Katholiken das, was sich bereits etabliert und teilweise dogmatisch verfestigt hat, nicht mehr unterschreiten würde, auch dann nicht, wenn alles vernünftige Denken und unzweifelhafte Forschungserkenntnisse dagegen sprächen. Es ist im Denken der Katholiken tief verankert, dass der Fall eines grandiosen Irrtums nicht mehr eintreten kann, denn die Kirche lehrt „unfehlbar“. Was alles unter das „unfehlbar Vorgelegte“ fällt, ist aber nirgends präzise und eindeutig definiert und die Meinungen gehen darüber weit auseinander. Den höchsten Gewissheitsgrad hat aber alles, wovon die Kirche behauptet, es sei „de fide“ und genau so „von Gott geoffenbart“.
Für Casel kann der Gegenstand des christlichen Glaubens ohne Kult weder erkennbar, noch wirksam werden:

„Das Mysterium ist eine heilige, kultische Handlung, in der eine Heilstatsache unter dem Ritus Gegenwart wird; indem die Kultgemeinde diesen Ritus vollzieht, nimmt sie an der Heilstat teil und erwirbt sich dadurch das Heil.[ix]

Diese Aussage ist mehr als problematisch, denn es findet sich keinerlei Hinweis im NT darauf, dass das anfangs so aufgefasst wurde und folglich nur so sein könne. Im Gegenteil fällt alles, was das NT zum Thema „Heilsgewinnung“ sagt, als geradezu erfrischend „formlos“ und befreiend auf. Nirgends wird ein Kult geboten, nirgends eine — im strengen Sinne — rituelle Form. Es werden zahlreiche Menschen beschrieben, die angetrieben durch die Sehnsucht nach dem Heiligen und nach Erlösung sich auf verschiedenste Weisen aufmachen und Jesus suchen. Nicht selten verstoßen sie damit gegen rituelle und gesetzliche Vorschriften und werden von Jesus in Schutz genommen — ob es um Krankenheilungen am Schabbat, um Jesu Berührung mit der (daher „unreinen“) blutflüssigen Frau oder seine Verteidigung der Ehebrecherin gegen eine Steinigung war. Er hat nicht einen, nicht eine hinausgewiesen. Der Wortwechsel zwischen Jesus und der Samariterfrau am Jakobsbrunnen weist auf eine Form der Anbetung hin, die sich völlig von dem, was bisher üblich und bekannt war, abheben wird:

„20 Unsere Väter haben auf diesem Berg Gott angebetet; ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten muss.
21 Jesus sprach zu ihr: Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet.
22 Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden.
23 Aber die Stunde kommt und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden.“ (Joh 4)

Fraglich ist auch die Auffassung, die Kultgemeinde müsse „an der Heilstat teilnehmen“, um das Heil „dadurch zu erwerben“. Das NT spricht davon, dass man diese Heilstat annehmen muss in das eigene Herz, und „Annahme“ als persönliche Zustimmung ist ein wesentlich anderer Akt als die persönliche „Teilnahme“: „Quotquot autem receperunt eum, dedit eis potestatem filios Dei fieri, his qui credunt in nomine ejus.“ (Joh 1, 12) — „Wie viele auch immer ihn aufgenommen haben, denen gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben.“ Das ist die neutestamentliche Aussage im Johannes-Prolog, die uns sagt, wie man das Heil erwirbt! Casel verkennt, dass eine bloße äußere Teilnahme keine Herzensannahme impliziert. Er hält die Veräußerlichung des Beiwohnens in einer Hl. Messe für eine Fehlentwicklung der nachtridentinischen Kirche. Er sieht nicht, dass auch ein aktiveres Mittun des einzelnen im Mysterienspiel über die Problematik der Veräußerlichung hinsichtlich des Evozierten nicht hinausgelangen kann, weil er ja voraussetzt, dass der Gläubige inwendig noch nicht ein für allemal ergriffen ist von der „Urtat“ Jesu..
Demgegenüber will ich betonen: Wiederholen kann und darf man eine Heilstat nicht. Könnte man es, würde man sie annullieren. „Consummatum est“, sie ist vollbracht. Wir leben aus ihrer Frucht und nicht aus ihrem Vollzug, der ewig währen würde. Ewig ist die Frucht, aber zeitlich war der Vollzug.
Gravierend ist der Hinweis Jesu an die Samariterin, dass Gott nicht in Riten und Formen oder an bestimmten Orten angebetet werden will, sondern „im Geist und in der Wahrheit“. Das heißt: „nicht im Fleisch“ und „nicht in der äußeren Form“, die immer unwahr bleiben muss, wenn sie es ist, die Wahrheit wie ein Stützkorsett ausdrücken soll — Wahrheit bedarf keiner rituellen Form, weil sie aus sich selbst heraus und vollkommen wahr ist und ihre angemessene Form selbst findet. Aus einer natürlichen Form kann keine übernatürliche Wahrheit erzeugt werden. Aber die übernatürliche Wahrheit kann sich im Bereich des Natürlichen auf ihre Weise kundtun.
Jedem möglichen Einwand begegnet Casel mit dem alten scholastischen Kniff, das behauptete kultisch zu verwirklichende „eucharistische Mysterium“ sei voll vereinbar mit den „Denkgesetzen“, wo aber nicht, gelte, dass die „fides der menschlichen Unzulänglichkeit supplementum praebet“.[x]
Auch diese Argumentation ist bekannt als das scherzhafte „Der Chef hat immer recht, und wenn er nicht recht hat, gilt, dass er immer recht hat.“
Mit diesem Kniff ist jeder noch so berechtigte Einwand schachmatt gesetzt: der Glaube macht es möglich, jede noch so große Absurdität zu glauben… und zugleich erklärt man den Gläubigen in schwindelerregenden Gedankenpirouetten, dass Glaube und Vernunft sich gegenseitig bedingten…

Um zu vermeiden, in der Messopfertheologie das einmalige, historische Opfer erneut zu opfern, definierte die Kirche, dass es „nur“ sakramental, also im Mysterium, ein Opfer sei. Casel zitiert die bekannten Sätze:

„Christus in mysterio, in sacramento iterum moritur, iterum immolatur.“[xi]

„In mysterio“ bzw „in sacramento“ meint hier „in sakramentaler Seinsweise“. Das Kreuzesopfer werde „sakramental vervielfältigt“. Was aber soll das heißen? Wer ist in der Lage, diesen Gedanken wirklich zu verstehen?
Das alles klingt ungeheuer gelehrt, schwärmerisch und „geschwollen“, aber als „simplex“ frage ich dennoch: „Warum muss es denn vervielfältigt werden? Genügt das eine Mal denn nicht als Faktum in der historischen Zeit für alle Ewigkeit, eben weil der, der es vollzog, vom Himmel und aus der Ewigkeit kam?“
Wenn man eine Schuld tilgt, muss man sich bis ans Ende des Lebens täglich erneut vor Augen halten, dass man einst ein Schuldiger war? Muss man allezeit wie Lots Frau erstarren im Stand des Zurückblickens auf Sodom?
Was soll andernfalls der Satz Jesu heißen: „Nemo mittens manum suam ad aratrum, et respiciens retro, aptus est regno Dei.“ (Lk 9, 62) — „Niemand, der seine Hand an den Pflug legt und zurückschaut, ist geeignet für das Reich Gottes.“
Casel behauptet, man könne den Charakter der Eucharistiefeier als Mysterienfeier schon bei Paulus und den frühesten altkirchlichen Zeugnissen erkennen und sieht in Berengar von Tours im 11. Jh den ersten wesentlichen Angriff auf diese angeblich immer vorhandene Auffassung.
Das ist nicht nur — wenn man sich etwa die paulinischen Ausführungen ansieht — eine unhaltbare Aussage, sondern auch, wenn man die Kirchengeschichte und die ersten Auseinandersetzungen zur später dogmatisierten Abendmahlslehre untersucht, die im 9. Jh unverkennbar und gut bezeugt ausbrechen. Die Lehre von der Transsubstantiation etwa, genauso wie die, dass Christus überhaupt corporaliter realpräsent und die Messfeier eine sakramentale „Nachahmung“ des Opfergeschehens sei, wird als neue Lehre durch Amalar von Metz im 9. Jh aufgebracht. Ältere Auffassungen mögen in der nachkonstantinischen Zeit von einem „Opfer“ ausgehen, aber es wurde nicht deutlich definiert, und doch eher als geistiges Opfer verstanden. Es war durchaus nicht klar, wer oder was das Opfer in dieser Feier ist — ist es Christus, das Lamm Gottes, oder ist unser Dank und Lob das Opfer, das Gott wohlgefällt, wenn wir in seiner Nachfolge und im Gedenken an ihn das Brot brechen?
In Casels weiteren Ausführungen wird deutlich, warum er es für logisch unerlässlich hält, ein sakramentales Opfer anzunehmen, das corporaliter gedacht werden muss:

„Wie kann ein vergangenes Ereignis für uns heute wieder Wirklichkeit werden? Das Problem ist (…) eng verbunden mit dem der realen Präsenz und an sich nicht größer als dieses. (…) Die kirchliche Tradition betont immer wieder, daß es sich nicht um eine Wiedergegenwärtigsetzung des historischen Aktes an sich, als solchen handelt; sie stellt gegenüber: semetipso oder in facto und in sacramento (mysterio). Christus ist einmal gestorben in semetipso, täglich stirbt er in sacramento.“[xii]

Die erste logische Frage, die sich angesichts solcher Gedanken stellt, ist: Warum muss denn überhaupt „ein vergangenes Ereignis für uns heute wieder Wirklichkeit werden“? Die zweite logische Frage lautet: Warum muss Christus um jeden Preis immer noch „täglich sterben“, und damit er nicht „in semetipso“ stirbt, muss er „in sacramento“ sterben?! Wer ist derjenige, der ein großes Interesse daran hat, dass Christus immerzu sterben muss, nenne man es doch, wie man will, im Ergebnis muss er immerzu sterben… und dass er lebt, muss zurücktreten hinter diesem „ewigen“ Sterbenmüssen…

Beginnen wir, vernünftig und ehrfürchtig von Jesus und folgerichtig und nüchtern zu denken:
Hat ein Ereignis, das eine neue Situation schafft, nicht eine neue Wirklichkeit ein für allemal geschaffen? Warum glaubt Casel mit der Kirche, sie müsse immer wieder sakramental neu hergestellt werden? Sie ist doch wirklich — und zwar „wirklich wirklich“. Wozu der Zauber von einer „sakramentalen Wirklichkeit“ der „wirklichen Wirklichkeit“? Ich frage mich, wie ernst er das Kreuzesopfer so überhaupt nehmen kann, wenn er glaubt, es müsse sakramental wirklich werden, als sei es nicht „wirklich wirklich“… Woher diese Idee, man müsse die wirkliche Wirklichkeit einer sakramentalen Wirklichkeit „gegenüberstellen“? Oder anders gefragt: Ist ein in die Zeit gesenktes Ereignis, sobald es vergangen ist, nicht mehr „wirklich“?! Mit einer solchen Sichtweise müsste ich bezweifeln, dass ich je geboren wurde, dass ich einmal Abitur gemacht habe und mein Studium abgeschlossen habe. Ich müsste meine Eheschließung bezweifeln und jede Erfahrung, die mein Leben unwiderruflich verändert hat, nur deshalb, weil sie in der Zeit begrenzt wurde, ihre Wirkung aber stets bezeugt, dass sie geschehen und darum wirklich ist. Ich müsste jeden Mörder laufen lassen, weil seine Tat, sobald sie abgeschlossen ist, angeblich nicht mehr „wirklich“ wäre…
Wir feiern die Geburtstage unserer Kinder nicht, damit der Gefeierte immer wieder geboren wird auf einer fantastischen Ebene und wir ohne eine solche Feier bezweifeln müssten, dass er wirklich ins Leben gekommen ist, sondern weil wir uns freuen, dass er da ist, dass er, der vorher nicht war, jetzt ist.
Man wird auch, um die Erfindung des Autos zu feiern, nicht immerzu das Auto wieder neu erfinden müssen, man wird es nicht nötig haben, sich durch die evozierte Neuerfindung immerzu des Autos zu vergewissern — eine Welt ohne Autos ist doch längst Geschichte, eine Welt mit Autos ist Faktum. Nicht anders, ja, noch viel schärfer, ist es mit der Welt nach Christus. Haben wir nicht die gesamte Zeit nach ihm anders berechnet als die vor ihm, und sind nicht alle Jahre nach seiner Erscheinung „anni domini“?!

Der grundlegende Denkfehler Casels (und vieler anderer) besteht darin, dass sie ein historisches Ereignis nicht als das auffassen, was es ist: in der Zeit einmalig, aber eigendynamisch folgenreich und vom Wesen her fähig, eine gänzlich neue Situation als Faktum zu schaffen, das unwiderruflich ist. Wir zählen die Zeit vor und nach Christus, aber wir meinen damit nicht, dass wir immerzu Christus wirklich werden lassen müssten, sondern dass die Zeit nach ihm unwiderruflich eine andere Situation ist als die Zeit vor ihm.
Es ergibt, wenn man so gradlinig denkt, keinerlei Sinn, Christus täglich „in sacramento sterben zu lassen“: Warum sollte man das tun? Mit welchem Ziel, welcher Absicht und welchem Effekt? Was bietet die sakramentale Opferung über das historische Opfer hinaus denn an „Mehrwert“ hinsichtlich der Erlösung? Bietet sie nicht vor allem einen spirituellen Erlebniswert, eine großartige ästhetische und fantastische Ausschmückung, mithilfe derer die Priesterkaste die Gläubigen an sich bindet und vor allem sich selbst erhöht und notwendig macht, und weniger das Einfache, was in ihr ursprünglich gemeint war (nämlich die Erlösung aus der Sündenverfallenheit), die seither schlicht gilt?
Und immer wieder sei gefragt: War es das, was Jesus wollte? Casel interessiert dies nicht. Er ist völlig umfangen von dem, was eine bestimmte „Lobby“ in der Kirchengeschichte wollte, als sei das das Maß der Dinge.
Er stützt sich ganz und gar auf die „sakramentale Welt“, die die kirchliche Überlieferung geschaffen habe und wirft seinen Kritikern vor, sie beachteten nicht, dass man hinsichtlich dieser „sakramentalen Welt“ nicht mit den Maßstäben der alltäglich erlebten Welt argumentieren könne.
Mir erscheint dies als Ausflucht: schaffe ich eine virtuelle Welt, eine Art „Anderwelt“, wie man heute in esoterischen Kreisen sagt, und behaupte, ohne sie vorauszusetzen könne man die alltägliche Welt spirituell nicht verstehen, mache ich nichts anderes als das, was die Heiden tun und was das Heidentum kennzeichnet.
Casel gibt selbst zu, dass Israel solches Denken nicht kannte. Man müsste präzise sagen: im AT findet eine scharfe Auseinandersetzung zwischen einem solchen heidnischen Denken statt und einem eigentümlichen Ernüchterungsprozess, den Israel durchläuft. Immer wieder werden die heidnischen Kulte entzaubert, entmythologisiert und mit ihnen auch die damit verknüpften Vorstellungswelten.
Wenn also das Erbe Israels eine Ernüchterung bedeutet, und Jesus ganz diesem Erbe entstammte, ist es nicht einsichtig, warum der Sohn Gottes und Israelit ausgerechnet ein Mysterium iS des Heidentums gemeint haben sollte, als er das Abendmahl feierte, oder womöglich dessen doch durchweg kritisierten Denkansatz „ideal“ habe entfalten wollen.
Die sakramentale Halbwelt will so gar nicht zu der Schärfe und Klarheit, zu der gewaltigen geistigen Welt passen, mit der der erlöste Mensch nun in Berührung gebracht wird ohne jedes Beiwerk der „schwachen und armseligen Elemente“ dieser Welt (Gal 4, 9). Und hat nicht gerade Paulus vor solcher philosophischer Verzeichnung gewarnt: „Videte ne quis vos decipiat per philosophiam et inanem fallaciam secundum traditionem hominum secundum elementa mundi et non secundum Christu.“ (Kol 2, 8) — „Seht zu, dass nicht einer euch täuscht durch Philosophie und eitlen Trug gemäß der Tradition der Menschen und gemäß den Elementen der Welt und nicht Christus gemäß.“

Im NT spiegelt sich eine erneute scharfe Trennung zwischen dem nüchternen Glauben, der „Christus angezogen hat“ (wie ein Kleid) und dem Zauberdenken der spirituellen Traditionen der Heiden. Paulus beklagt, dass die Gläubigen freiwillig zurückfallen entweder ins jüdische Gesetzesdenken (das er an dieser Stelle mit der Schwäche der heidnischen Denkansätze vergleicht) oder in pagane, meist philosophisch getönte Spekulationen und Regeln:
„Convertimini iterum ad infirma et egena elementa!“ (Gal 4, 9) ruft er aus. „Ihr kehrt euch wieder zurück zu den schwachen und erbärmlichen Elementen!“
Es ist — nach Paulus — die Versklavung unter die „elementa egena“, die uns zu den armseligen, aber mysteriösen spirituellen Verrenkungen zwingen, die sakramentalen Halbwelten schaffen müssen, um sich den Trost der religiösen Verwurzelung zu schaffen. Wir sind aber doch losgekauft worden, um Söhne und Töchter zu sein und damit Erben vor Gott, die jetzt schon in ihren Herzen den heiligen Geist empfangen haben, der uns erlaubt, „Abba“ (Vater) zu rufen (Gal 4, 5f).
Wenn es so ist, wie Paulus sagt, ergibt es keinerlei Sinn, in einem Mysterienspiel das Kreuzesopfer sakramental wirklich werden zu lassen. Es ist wirklich, indem wir nun Söhne und Töchter sind. Dass dies aber so ist, beruht auf Glauben und nicht auf Schauen:

„5 Gott aber, der uns gerade dazu (zu einem Verschlungenwerden vom Leben, Anm HJ, vgl V 4) fähig gemacht hat, er hat uns auch als ersten Anteil den Geist gegeben.
6 Wir sind also immer zuversichtlich, auch wenn wir wissen, dass wir fern vom Herrn in der Fremde leben, solange wir in diesem Leib zu Hause sind;
7 denn als Glaubende gehen wir unseren Weg, nicht als Schauende.“ (2. Kor 5, 7)

Unser erster „Anteil“ an der neuen Lebendigkeit und der „neuen Kreatur in Christus“ ist nicht ein Kult, sondern der „Geist“.
Die gebotene Abendmahlsfeier muss von daher anders verstanden werden. Jesus sprach von einer „commemoratio“. Casel erwähnt diesen Begriff als einen typischen Begriff des Heidentums und seines Mysterienglaubens.
Was ist eine „commemoratio“ bei den Heiden?
Eine „commemoratio“ ist allerdings auch im römischen Kontext nicht vordringlich eine Mysterienhandlung, sondern eine „(erinnernde) Darlegung“ oder auch ein „Anführen“ (Zitieren) von etwas, dessen man in dieser Weise gedenkt. „Commemorare“ als Verb meint immer das Gedächtnis einer denkwürdigen Sache oder Person. Mit dem Gedenken vergegenwärtigt man sich und möglichen Teilnehmern oder Zuhörern in der Tat das, was denkwürdig ist. Eine mysteriöse Halbwelt aber, in die man die Denkwürdigkeit „zaubert“ oder kultisch hinein hebt, ist damit im Normalfall nicht verbunden.
Die Praxis antiker Mysterienkulte ist uns — auch an dieser Stelle muss man Casels Denkansatz kritisieren — nur in Umrissen bekannt, weil sie stets der Geheimhaltung unterlag. Nur die Mysten hatten teil, nicht etwa jedermann. Auch dies unterscheidet den Mysterienkult fundamental von christlichen Gemeinschaftsfeiern, an denen niemand ausgeschlossen sein kann, der getauft ist und im Glauben steht. Dass die Kirche selbst den Begriff der „commemoratio“ liturgisch völlig anders versteht als bei der Eucharistie-Lehre, habe ich bereits an anderer Stelle in diesem Aufsatz referiert.

Richtig ist aber, dass die alten Mysterienspiele drei typische „Vergegenwärtigungen“ vollzogen, die dem, was Christen erinnern bzw als Glaubensgegenstand kennen, ähnlich scheinen: den Kult eines sterbenden und auferstehenden Gottes, den Mutterkult und den Unsterblichkeitskult.
Vorchristlich und parallel zur Ausbreitung des christlichen Glaubens kennt man den Isis- und Osiriskult aus Ägypten.
Die Hochphase der Mysterienkulte scheint aber erst im Hellenismus und nach Christus erreicht worden zu sein.
Mysterienkulte und Christentum entwickeln sich daher zeitgleich. Erstere erreichten ihre Blüte, letzteres verbreitete sich schnell im ganzen Reich.
Der Eleusiskult, der Dionysos-Kult, der Kybele-Kult konnten sich durch die Mobilität innerhalb des römischen Reiches genau wie das neu entstandene Christentum leichter und weiter verbreiten. Einige Kaiser waren selbst Geweihte dieser Kulte. Ein interessantes Phänomen sind die „galli“, die heiligen Eunuchen im Dienst der Muttergöttin (Kybele), die nach ihrer Kastration nur von Opferfleisch leben durften. Die Selbstentmannung im Rahmen eines Mysterienkultes wurde allerdings von den römischen Behörden nicht akzeptiert und unter Strafe gestellt.

Eine Besonderheit stellte der Mithraskult dar, der seit dem 1. Jh n. Chr. im römischen Reich eine sehr weite Verbreitung fand und als eine Abart des Sol-Kultes verstanden werden kann. Auch hier ist nicht sicher bekannt, was die eingeweihten Mysten „dramatisierten“. Es scheint ein „sakramentales“ Opfer-Mahl gegeben zu haben, bei dem Brot, Wein, Fleisch und Blut geopfert und genossen worden sein sollen. Der höchste Priester wurde „papa“ genannt und trug eine Mitra, ein rotes Kleid, einen Ring und einen Hirtenstab. Er war „mitra lituoque decorus“ wie ein römisch-katholischer „episcopus“ oder „Abbas“ (Abt).
Über Parallelen zwischen Mithraskult und Christentum wird in der Forschung diskutiert. In jedem Fall scheint die Gestalt des Mithras-Summus-pontifex bis in die feinsten Attribute das Vorbild des Papstes und der Bischöfe zu sein, denn das NT kennt nichts davon! Offen bleibt, ob das Christentum vom Mithraskult Elemente übernommen hat oder der Mithraskult umgekehrt eine Nachahmung des Christentum sei, dies aber Elemente der großen paganen Religionen aufnahm.
Ich möchte in diesem Zusammenhang auf das Insignium des „Stabes“ („lituus“) zu sprechen kommen, das in der Kirche eine große Rolle spielt:

Der bischöfliche Krummstab ist keineswegs ein gemeiner Hirtenstab der Schäfer oder ein Wanderstab müder Pilger mit blasigen Füßen, sondern leitet sich vom Augurenstab des antiken religiösen Herrschers oder Gottes her, der sehr oft mit einem Krummstab dargestellt wurde. Der Stab bedeutete das Herrschaftsszepter. Mit einem herrscherlichen Hirtenstab werden Pharaonen ebenso dargestellt wie Osiris und Horus. Der Stab symbolisierte die Macht über Wiedergeburt und Erneuerung, die Kraft des Sonnenstrahles, des Phallus, ebenso wie einen „Zauberstab“. Die römischen Hauptgötter wie Jupiter oder Ceres tragen alle einen solchen Stab. Der Stab ist Zeichen der Herrschaft und der Sendung.
Wie ging Israel mit diesem starken heidnischen Symbol um, das sich überall in der Welt auf die eine oder andere Weise findet? Welche Rolle spielte es in seiner Geschichte?

In Psalm 45, 7 wird Gott alleine ein „gerechtes Szepter“ (hebr. „schevet mischor“) zugesprochen. In Gen 49, 10 wird ausgesagt, der Stamm Juda habe nur solange das Szepter, bis sein „Schilo“, der „Löwe aus Juda“ (Apk 5, 5), der wirkliche König käme. Diese Stellen sagen deutlich, dass keinem Menschen ein Szepter zukommt, vor allem dann nicht, wenn der „Löwe aus Juda“ bereits bekannt geworden ist und mit Jesus Christus identifiziert wurde. Er führt den wahren Hirtenstab und niemand sonst, wie es in der Gen ausgesagt ist. Dieser Hirtenstab aber bedeutet weder Gewalt noch Zauber für die Seinen, weder Phallus noch Prügelstock, sondern Trost und Wegweisung (Ps 23: hebr. „misch’an“ — „Stütze“; „schevet“ (s.o.)), wo sich sonst an den Stab in der ungerechten Finsternis dieser Welt nur Böses und Trauer heftet.

Eine eigentümliche Bedeutung hat ein Stab (hebr. „matteh“ — Stab, Stecken, Stamm) im Rahmen der Erzählung vom Auszug aus Ägypten im Buch Exodus (hebr. „Schemot“, „Namen“), und der Wüstenwanderung, die im Buch Numeri (hebr. „Bemidbar“, „In der Wüste“) beschrieben wird. Zunächst fordert Gott Mose auf, den Stab, den Mose in der Hand hat — vermutlich den Hirtenstab, den er als Schäfer der Herden seines Schwiegervaters nutzte, ein schlichter „matteh“ —, auf die Erde zu werfen: es wird eine Schlange draus (hebr. „nachasch“). Mose soll sie am Schwanz packen, und sie wird wieder zu einem Stab (Ex 4, 2 ff). Diese Verbindung von „Stab“ und „Schlange“, die die Ägypter beeindrucken soll, hat einen unguten Beigeschmack, wenn man bedenkt, wer die Stammeltern einst verführte und wer sich hinter der Schlange verbarg und die ganze Welt beherrscht. Unweigerlich treten uns die kultischen Schlangensymbole der Ägypter vor Augen, insbesondere der Uräus.[xiii] Die Erzählung trägt eine gewisse Ironie in sich, wenn man sich vor Augen hält, dass die Uräusschlange den Göttern und Pharaonen vorbehalten war, nun aber durch einen schnöden Hirtenstecken von einem Sklavenabkömmling und Flüchtling erzeugt und wieder zum Verschwinden gebracht werden kann. Es ist wie eine Persiflage auf die ägyptische Mythologie, die hier dargestellt wird.
Gott fordert später Aaron wiederholt auf, den Pharao durch Wunder zu beeindrucken (Ex 7, 9+15+17+19; 8, 1+12). Aber Aaron als Mitglied der Sklavennation Israel und Bruder Moses’ hat mit Sicherheit keinen auch Herrschaftsstab mit sich geführt! Gott hieß ihn, einen Stab (den schlichten „matteh“) zu nehmen, als er sich dem Pharao vorstellen sollte. Die Erzählung scheint Aaron den ägyptischen Zauberern gegenüber zu stellen:
Die ägyptischen Zauberer haben ebensolche Stäbe, mit denen sie vergleichbare Wunder vollziehen können. Nachdem die Stabwunder Aarons sich als unbezwingbar erwiesen haben und der Stab des Sklaven die Stäbe der königlichen ägyptischen Zauberer „verschlungen“ hatte (Ex 7, 12), wechselt Gott das Medium: Nun wird nur noch durch Rede und andere Zeichen das Eingreifen Gottes angekündigt. Im Kapitel 9, 8 sollen Aaron und Mose mit der bloßen Hand Ofenruß in die Luft werfen, um damit eine Seuche über ganz Ägypten bringen. Es bedarf keines „Zauberstabes“ mehr! Auch die folgende Plage geschieht auf Befehl Gottes nun mit der bloßen Hand: „Streck deine Hand zum Himmel empor! Dann wird Hagel auf ganz Ägypten niedergehen.“ (V 22). Man muss genau lesen: Mose tut nicht das, was Gott ihm gesagt hat, sondern er streckt seinen Stab gegen den Himmel. Der Herr lässt es daraufhin dennoch donnern und blitzen. Man mag diese feine Unterscheidung für „Hand“ und „Stab“ noch für unwesentlich halten. Wir wissen jedoch aus dem Verlauf der Erzählung, dass Mose auch später noch einmal mit diesem Stab agiert, wo Gott etwas anderes befohlen hat und deshalb samt Aaron das Heilige Land nicht betreten darf:

„7 Der HERR sprach zu Mose:
8 Nimm den Stab und versammle die Gemeinde, du und dein Bruder Aaron! Sagt vor ihren Augen zu dem Felsen, er solle sein Wasser spenden! Auf diese Weise wirst du für sie Wasser aus dem Felsen fließen lassen und der Gemeinde und ihrem Vieh zu trinken geben.
9 Mose holte den Stab von seinem Platz vor dem HERRN, wie der HERR ihm geboten hatte.
10 Mose und Aaron riefen die Versammlung vor dem Felsen zusammen und Mose sagte zu ihnen: Hört, ihr Meuterer, können wir euch wohl aus diesem Felsen Wasser fließen lassen?
11 Dann hob er seine Hand hoch und schlug mit seinem Stab zweimal auf den Felsen. Da kam Wasser heraus, viel Wasser, und die Gemeinde und ihr Vieh konnten trinken.
12 Der HERR aber sprach zu Mose und Aaron: Weil ihr mir nicht geglaubt habt, um mich vor den Augen der Israeliten zu heiligen, darum werdet ihr diese Versammlung nicht in das Land hineinführen, das ich ihnen gegeben habe.“ (Num 20)

Gott verlangte, auf das bloße Wort, die bloße Ansprache hin das in dem Felsen vorhandene Wasser hervorzurufen. Der Stab hatte offenbar einen „Platz vor dem Herrn“ gehabt, sollte auch durchaus in der Hand sein, aber er sollte nicht zum Einsatz kommen, denn die Israeliten brauchen weder Herrschaftszeichen noch Zauberstäbe, und was sie bedürfen, erhalten sie auf Geheiß Gottes! Hier sollte nicht Wasser „gezaubert“ werden, wo keines war, sondern Wasser, das vorhanden, aber nicht sichtbar war, durch ein Wort der Ansprache aus seiner Felsenkammer hervorgebracht werden. Mose aber verhält sich wie ein ägyptischer Zauberer und Herrenmensch: er schreibt sich selbst die Kraft zu, Wasser aus dem Felsen zu holen und spricht nicht die Worte des Herrn, sondern schlägt den Felsen — zweimal, heißt es, weil es vielleicht beim ersten Mal nicht gelingen wollte… Nebenbei bemerkt: welch ein Unterschied zwischen der Art Gottes, mit seinen Geschöpfen zu reden und der des heidnisch geprägten Menschen, als der Mose und Aaron sich hier selbst zeichnen: Gott spricht seine Geschöpfe an, auch einen Felsen, der Wasser in sich verborgen trägt, und sagt: Spende doch dein Wasser! Das Geschöpf hätte ohne Zweifel auf diese liebevolle Ansprache hin sein Wasser herausfließen lassen für Mensch und Vieh. Der heidnische Mensch prügelt wortlos auf das Geschöpf ein, prügelt seine Schätze aus ihm heraus, mehr als nötig ist…

Den meisten Christen ist die Problematik des Augurenstabes, des (Hirten-)stabes als heidnischem Herrschaftssymbol, und seine innere Verbindung zum Symbol der Schlange nicht klar.
Um so mehr verstehen es die Juden. Chajm Guski[xiv] schrieb vor einigen Jahren einen Artikel über die Frage, was damals eigentlich passiert war in der Wüste. Er bemerkt sehr scharfsinnig, dass Mose nicht nur den Stab zum Einsatz brachte, wo Gott es anders wollte, sondern auch im Zusammenhang mit der „ehernen Schlange“, die Mose aufrichtete, als die Israeliten brennenden Schlangen ausgeliefert worden waren, nachdem sie wider Gott gemurrt hatten, eine Merkwürdigkeit zu erkennen ist:

„Das Volk verstand und wandte sich an Moses, er möge diese Plage abwenden. Um dies zu tun, gebietet ihm Gott: „Mache einen Seraf und setze ihn auf eine Stange zum Zeichen, und jeder, der gebissen wurde, soll diesen ansehen. So soll er am Leben bleiben.“ Danach berichtet die Tora, dass Moses eine kupferne Schlange anfertigte, wenngleich in dem eigentlichen Auftrag nichts davon zu hören war. Bei Jeschajahu begegnen uns auch Serafim, die allerdings vollkommen anders beschrieben werden. „Serafim standen über ihm. Jeder hatte sechs Flügel. Mit zwei Flügeln bedeckten sie ihr Gesicht, mit zweien bedeckten sie ihre Füße, und mit zweien flogen sie. Sie riefen einander zu: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaot.“[xv]

Das hebräische Wort „saraf“ hat in originalen (jüdischen) hebräischen Wörterbüchern nur eine Bedeutung: es ist ein „Seraph“, ein loderndes Engelwesen. Der Wortstamm SRF bedeutet „brennen“, „Feuer“ oder „Brand“. Entsprechende Wortbildungen liegen vor: „srefa awak“ etwa als „Schießpulver“. Eine Bedeutung als „Schlange“ kann allenfalls im Sinne einer beißenden, Brandschmerz verursachenden Gestalt verstanden werden, wenn „saraf“ als Adjektiv verbunden wird mit dem Wort für „Schlange“. In Num 21, 6 heißt es, Gott habe „nechaschim serafim“ über die Israeliten gebracht: lodernde, brennende Schlangen. Der Auftrag, an einer Fahnenstange (hebr. „al-nes“, „an einer Bannerstange bzw. einem Feldzeichen, einer Standarte“) etwas aufzurichten, spricht aber, wie Guski zurecht anmerkt, von keiner „Schlange“, keiner „nachasch“ mehr, sondern nur von einem „saraf“ — also einem Lodernden (Engelwesen). Den „nechaschim serafim“, den brennenden Schlangen wird ein bloßer „saraf“ (ohne das Attribut der Schlange) entgegengesetzt.
Wir erinnern uns, dass Mose vor dem Auszug aus Ägypten seinen Stab zur „Schlange“ vor dem Pharao verwandelte, danach wieder in den Stab. Aber in Ex 7, 9 wird nicht das gewöhnliche Wort für „Schlange“ verwendet, sondern ein allgemeines Wort für ein urweltliches Fabeltier aus dem Chaoswasser: Ein „tannin“ ist nicht primär eine Schlange, sondern eher ein Drache, ein Meeresungeheuer oder auf Neuhebräisch ein Krokodil. Der Einsatz eines Stabes tritt hier in Zusammenhang mit einer Verbindung zu unterweltlichen, bösen Chaoskräften und hinterlässt denselben unguten Beigeschmack, den schon das Zauberkunststück in Ex 4 hinterließ: die Macht solcher Stäbe führt immer hinab zum Bösen und ins Chaos.
„Schlange“ heißt wie oben bereits geschildert „nachasch“, auch im Sinne eines Zauberbildes einer Schlange. Die Schlange, die einst Eva ansprach und täuschte, wurde als „nachasch“ bezeichnet (Gen 3, 1). Mose aber machte keinen „saraf“, nicht ein Bild eines lodernden Engelwesens, wie Gott angewiesen hatte, sondern eine „nechasch nechoschet“, eine Kupferschlange, wobei hier ein homophones Wortspiel mitschwingen könnte, und erhöhte sie auf einem Banner. Wie in allen vorherigen Fällen, an denen Mose nicht gehorchte, sondern den Auftrag Gottes abwandelte, hielt Gott dennoch seine Versprechen ein: wer auf diese Kupferschlange blickte, wurde geheilt.

Wir befinden uns in einer spannenden Forschung in der Schrift, die uns Dinge entdecken lässt, die die Kirche verschüttet hat. Die Erwähnung dieser Kupferschlange durch Jesus selbst im Johannes-Evangelium hat schon viele irritiert: warum wird Jesus hier mit einer Schlange verglichen, die „erhöht wird“, wo doch die Schlange die Verführerin des ersten Menschenpaares gewesen war? Viele sind ähnlich irritiert durch die Vorstellung, der gläubige Blick auf ein Sinnbild des Heidentums oder sogar des Satans soll die Israeliten von den Bissen geheilt haben…

„14 Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden,
15 damit jeder, der glaubt, in ihm ewiges Leben hat.“ (Joh 3, 14)

Macht man sich aber klar, dass Gott dem Mose gar nicht aufgetragen hatte, eine Schlange, sondern einen „saraf“ auf die Standarte zu hängen, was immer damit gemeint war, gewinnt die Sache einen anderen Sinn. Gott hat sich im Umfeld Moses’ mehrere Male als etwas Loderndes oder Brennendes gezeigt: der „Engel des Herrn“ am brennenden Dornbusch und beim Exodus allgemein als nächtliche Feuersäule. Die Aufforderung, ein solches „Loderndes“ hoch aufzurichten, schillert hin und her zwischen einer solchen göttlichen, aber auch einer giftigen satanischen Erscheinung, wie die Ägypter sie verehrten. Es wird sich wohl nicht klären lassen, was genau der Herr mit einem „saraf“ gemeint hat.
Wie schon bei der Erzeugung von Wasser aus dem Felsen erbarmt sich Gott, obwohl Mose ihm „aus dem Ruder läuft“. Auffallend ist vielmehr, dass Gott trotz aller Verworrenheit und Eigeninterpretation durch Mose treu blieb. Moses Ungehorsam hatte jedoch schwerwiegende Folgen (s.u.).

In jedem Fall gehört der „Augurenstab“, dieses antike Zauberwerkzeug, das die Macht garantieren und ausdrücken sollte, ins Inventar heidnischer Götter und Priester und wird mit dem Symbol der Schlange verbunden. Auch in der christlichen Zeit finden wir an zahlreichen Bischofstäben Schlangensymbole.[xvi] Guski zeigt die Bedeutung der Schlangen im ägyptischen Glauben auf, was Mose als Ziehkind der Pharaonentochter gewiss nicht unbekannt geblieben war:

„Mit Sicherheit können sich noch einige der Kinder Israels, die das Leben in Ägypten noch kannten, an die Speikobra an der Stirn des Pharao oder in der ägyptischen Mythologie erinnern. Tatsächlich wissen wir heute, dass sich diese Schlange ihrer Gegner durch gezieltes Spucken mit einem Sekret entledigt und dass dieses Sekret zu schmerzhaften Verätzungen und Verbrennungen führen kann.
Mit diesem Bildnis der Schlange spielt Moses wortwörtlich mit dem Feuer, denn in der Welt der Ägypter wurde diese Schlange mit dem „feurigen Sonnenauge“ des Himmelsgottes Horus verbunden. In einem altägyptischen Hymnus heißt es: „Herrin des Himmels, Herrscherin der beiden Länder, Auge des Horus und seine Leiterin, Herrin der Ewigkeit, Feurige, Rote, deren Flamme schmerzt …“
[xvii]

Es ist bestürzend, wie das Stabsymbol, die Schlange und das Sonnenauge des heidnischen Baals miteinander verknüpft sind und völlig unbesehen — wie einst bei Moses’ verworrener Eigenmächtigkeit — mit dem verbunden wurde, der durch Schlange, Augurenstab und Sonnenauge verdrängt werden soll bis heute. Wir erfahren aber bereits noch aus dem AT, dass die Israeliten aus dieser Kupferschlange auf der Standarte einen Abgott namens „nechuschtan“ gemacht hatten, den König Hiskia schließlich nach vielen Jahrhunderten zerstören ließ:

„3 Genau wie sein Vater David tat er, was dem HERRN gefiel.
4 Er schaffte die Kulthöhen ab, zerbrach die Steinmale, zerstörte den Kultpfahl und zerschlug die Kupferschlange, die Mose angefertigt hatte und der die Israeliten bis zu jener Zeit Räucheropfer darbrachten - man nannte sie Nehuschtan, Bild aus Erz.
5 Er setzte sein Vertrauen auf den HERRN, den Gott Israels. Unter allen Königen Judas, die nach ihm kamen oder vor ihm lebten, war keiner wie er.
6 Er hing dem HERRN an, ohne von ihm abzuweichen, und bewahrte die Gebote, die der HERR dem Mose gegeben hatte.“ (2. Kön 18)

In Weisheit 16 wird ausgesagt, es sei nicht die Kupferschlange gewesen, die errettet habe vor den tödlichen Bissen der Feuerschlangen, sondern alleine der Herr selbst:

„7 Wer sich dorthin wandte, wurde nicht durch das gerettet, was er anschaute, sondern durch dich, den Retter aller.
8 Dadurch hast du unsere Feinde überzeugt, dass du es bist, der aus allem Übel rettet.“

Die Juden haben tradiert, dass es nicht das Abbild der Schlange war, das sie rettete, sondern alleine Gott selbst. Im Mischna-Traktat „Rosch haschana“ (3, 8), wird folgendes, mit den Versen aus Weisheit übereinstimmend, interpretiert:

„Tötet denn etwa eine Schlange oder macht eine Schlange lebendig? Nein, sondern: Wenn die Israeliten nach oben blickten und ihr Herz ihrem Vater im Himmel unterwarfen, wurden sie geheilt, und wenn nicht, kamen sie um.“[xviii]

Moses Verschiebung des Befehls des Herrn hatte Unheil hervorgerufen, auch wenn Gott sich erbarmt und Israel dennoch errettet hatte. Der Fehlimpuls Moses’ trug seine unguten Früchte. Aber das Erbarmen Gottes war größer. Die Verklammerung des Hinweises auf die Kupferschlange, die Mose gemacht hatte, mit der Beschreibung  Hiskias, der sein Vertrauen auf Gott setzen wollte, spricht eine deutliche Sprache, ohne Moses’ Schwäche weiter ins Zentrum zu rücken, denn er ist doch derjenige, dem Gott die Gebote übergeben hatte.

Der Stab nimmt auch im NT einen eigentümlichen Raum ein: In der Apokalypse (Apk 12) wird das männliche Kind der Frau, die von der Sonne gekleidet und von 12 Sternen umgeben und den Mond unter ihren Füßen hat, die Völker mit einem „eisernen Stab“ weiden, aber zuvor in den Himmel entrückt. Ein solcher Stab steht vermutlich nur einem zu: dem ewigen Hirten, dem „princeps pastorum“, dem Erzhirten, der am Ende Recht sprechen wird. Beachtlich ist in dem Zusammenhang, dass nirgends im gesamten NT die Gemeindevorsteher als „Hirten“ bezeichnet werden, wie die Kirche, auch die protestantische, dies suggeriert. Nur an einer Stelle in Eph 4, 11 ist davon die Rede, dass einige die Geistesgabe des „Hirten und Lehrers“ erhalten — ein Charisma, kein formelles Amt. Sonst zeigt uns das NT einzig und allein einen Hirten, nämlich Jesus Christus selbst. Der überstrapazierte Begriff des priesterlichen oder vorstehenden „pastor“ (Hirten) im kirchlichen Kontext hat keinen neutestamentlichen Anhaltspunkt. Dagegen kannte das Heidentum ausführlich solche „Hirten“, die als Ausdruck ihrer Macht einen Herrscherstab mit sich führten.
Durch die katholisch geprägte Forschung geistert jedoch beharrlich die Meinung, Jesus selbst hätte den Aposteln Herrschaftsstäbe verliehen oder das Tragen eines Stockes vorgeschrieben. So schreibt beispielsweise Adolph Leopold Ritter von Wolfskron in einem Aufsatz über die Entwicklung des Bischofsstabes, Jesus Christus habe „den Aposteln die priesterliche Gewalt ertheilt (…), als er sie aussandte zu lehren und befahl, Stäbe zu tragen“. Die entsprechende Fußnote, die er an dieser Stelle setzt, verweist aber nicht auf eine Schriftstelle, sondern auf kirchliche Regelwerke und die künstlerische Darstellung des Engels Gabriel mit einem Lilienstab.[xix] In den Evangelien fällt demgegenüber auf, dass Jesus bei der Beschreibung der Ausstattung der Jünger Tasche, Kleidung und Geldbeutel förmlich ausschließt. Das Thema „Wanderstab“ ist widersprüchlich und unklar:

„9 Steckt nicht Gold, Silber und Kupfermünzen in euren Gürtel!
10 Nehmt keine Vorratstasche mit auf den Weg, kein zweites Hemd, keine Schuhe, keinen Wanderstab; denn wer arbeitet, ist seines Lohnes wert.“ (Mt 10, 10)

In der entsprechenden Parallelstelle bei Markus heißt es dagegen:

„Er gab ihnen Vollmacht über die unreinen Geister
8 und er gebot ihnen, außer einem Wanderstab nichts auf den Weg mitzunehmen, kein Brot, keine Vorratstasche, kein Geld im Gürtel,
9 kein zweites Hemd und an den Füßen nur Sandalen.“ (Mk  6)

Wie immer man das verstehen soll — Jesus sprach von einem Wanderstab, einer „virga“, einer Gehhilfe, keinem Herrschaftszeichen! Vielleicht wollte er sagen, man könne eine Gehhilfe mitnehmen, aber keinen Prügel, kein Herrschaftszeichen, denn ähnlich widersprüchlich ist die Beziehung zum Schuhwerk: In der Matthäus-Stelle heißt, sie sollten „keine Schuhe“ mitnehmen, in der Parallelstelle bei Markus dagegen heißt es, sie sollten „nur Sandalen“ tragen. Genauso wie hier zwischen Schuh und Schuh ein Unterschied gemacht wird, könnte auch zwischen Stab und Stab einer gemacht worden sein: nur die einfachste und geringste Ausstattung sollen sie mitnehmen, keine Herrscherinsignien!
Wie jedenfalls leicht zu erkennen ist, genießt der „Stab“ in der gesamten Schrift eine äußerst ambivalente, sogar ablehnende Würdigung und ist absolut nicht dazu qualifiziert, religiöses Symbol der angeblich christlichen irdischen „Hirten“ zu sein!

Die Debatte darum, ob der Mithraskult etwa Eigenschaften und Symbole des frühen Christentums übernommen habe, halte ich für abwegig, denn das frühe Christentum stammt aus dem Judentum, das all jene Merkmale nicht oder nur ambivalent kannte und auch mit keinem Wort in seinen frühen Schriften erwähnt. Der Mithraskult ist weniger mythisch ausgerichtet als philosophisch und doktrinär. Die Gestalt der „Kirche“, wie wir sie als die „alte“ oder „frühchristliche“ kennen, ist fast vollständig ein Produkt des 4. Jh. Die Zeit davor liegt im Schatten. Merkwürdigerweise sind uns außer den neutestamentlichen Schriften kaum aufschlussreiche Dokumente über die Praxis in den frühen „ecclesiis“ überliefert, die zu den Schriften des NT überhaupt inhaltlich und logisch passt, fast so, als habe einer alles verschwinden lassen, was uns die Anbindung an die vorkonstantinische Zeit möglich machen könnte. Erhalten ist offen und ohne zeitweiliges Verschollensein nur das, was die spätere Entwicklung des 4. Jh zu bestätigen scheint, etwa Briefe des Ignatius von Antiochien, die einen ausgeprägten Machtanspruch der Bischöfe und Diakone gegenüber den Laien einfordern, den das NT aber nirgends je formuliert hätte. Irritierend ist, dass Ignatius schreibt, die wahren Gläubigen von Ephesus gehörten demselben „Mysterienverein“ an wie „Paulus, ein berühmter und großartiger Mensch“.[xx]
Die wenigen Zeugnisse aus der Frühzeit aber lehren uns alle etwas anderes als das, was die Kirche später lehrt. Nicht nur die „Didache“ (1. Jh), die keinerlei Erwähnung eines Opfers vornimmt, aber dennoch einige Worte über die rechte Feier der Eucharistie formuliert, sondern auch Texte wie der Barnabasbrief (1./2. Jh) enthalten eine ausführliche Polemik gegen jeglichen Opferkult und weisen anhand des AT sogar nach, dass Gott keine blutigen Opfer seitens des Menschen brauche (Barn 2, 4 ff). Das Opfer Christi ist für ihn solitär und einzigartig und keinesfalls einer Blutgier Gottes geschuldet. Der Glaube, es müssten auch nur in irgendeiner Weise rituelle Opfer gebracht werden durch den Menschen, nennt er „Irrglauben“.[xxi] Auch im 1. Klemensbrief gibt es die Aussage: „Gott braucht gar nichts, er hat nichts nötig, außer daß man ihm die Sünden bekennt.“ Unter Psalmzitaten verweist er auf David, der bezeugt, dass unter „Opfer“ vor Gott das „Lobopfer“ zu verstehen ist. Außerdem: „Ein Opfer ist es für Gott, wenn ihr von Herzen bereut.“ [xxii] (1. Klem 52, 1) Das materielle Opfer kann grundsätzlich vom Herzensopfer abgespalten werden und ist daher für sich selbst genommen wertlos. Nicht Opferkulte sind bedeutsam, sondern „aller Lobpreis“, den die Adressaten Gott „darbringen“ durch „unseren Mittler, den Hohepriester und Bischof Jesus Christus.“ (1. Klem 64)[xxiii]
Auch der 2. Klemensbrief, den Klaus Berger um das Jahr 75 n. Ch. datiert, spricht im Zusammenhang mit dem „Opfer“ von Gebetsdarbringungen: „Wir sollen unsere Anbetung Gott wie ein Opfer fromm darbringen, damit wir die Angst (…) überwinden können.“ (2. Klem 2, 2)[xxiv]
Klaus Berger, der die Sammlung frühchristlicher Schriften neu übersetzte und herausgab, hat auch solche Fragmente wie das „Buch Elchesai“ aus dem frühen 2. Jh aufgenommen, „weil sie zeigen können, wie eigenartig die Wege sein konnten, auf denen christliche Botschaft sehr schnell nach Jesu Tod transformiert wurde.“ Interessanterweise taucht in diesen Fragmenten auch erstmalig der Begriff „sacramentum“ („Fahneneid“) im Zusammenhang mit der Taufe auf. „Sakrament“ meint hier aber einen rituellen Initiationsakt, den auch Berger formgeschichtlich in die Gebräuche paganer „Mysterienvereine“ einordnet. „Die (…) Eideshelfer bei der Taufe sind de facto nichts anderes als einzelne „’Elemente’ der Welt.[xxv] Die „infirma et egena elemanta“, deren Rückfall schon Paulus beklagte (s.o.). Der Begriff des „Sakramentes“ oder „Mysteriums“ also ein „schwaches und nichtiges Element der Welt“?

Nach dieser kurzen Erwähnung der zeitgleichen „breitenwirksamen“ Entwicklung der römisch-griechischen Mysterienkulte mit einem christlichen „Kult“, müsste die Frage geklärt werden, ob nicht das mysterienkultische Element, amalgamiert mit anderen Elementen heidnischer Religion, dem alten Israel und seiner Theologie nach der Reinigung von allen heidnischen Einbrüchen, die uns das AT so zahlreich berichtet, schließlich ausdrücklich und gänzlich fremd, in dieser Zeit das ganze Heidenchristentum „unterwandert“ oder „durchsetzt“ und zu etwas anderem gemacht hat, als es ursprünglich, von Jesus und den Aposteln her, war. Es ist kaum möglich, den Verdacht, dass dieser Prozess durch die „konstantinische Wende“ unumkehrbar die Richtung annahm, an deren späten Ausläufern wir mehr oder weniger verwirrt stehen, abzuschütteln. Wenn dieser Verdacht zuträfe, sind alle späteren „Entfaltungen“, alle späteren Auseinandersetzungen und Schismen, alle theologischen Streitigkeiten Folge des verschütteten, verloren gegangenen Anfangs. Für diesen „Anfang“, das erste christliche Jahrhundert, liegen außer den ausführlichen Schriften des NT, einiger wegen der Datierung und Echtheit teilweise umstrittener oder nur wieder bei späteren „Vätern“ bezeugten, aber nicht vorliegenden (Brief-)Literatur der „apostolischen“ Väter und Apologeten[xxvi] und der erst spät im 19.Jh wieder gefundenen „Didache“ (Zwölfapostellehre) keine klaren, eindeutigen Zeugnisse vor, wohingegen v.a. mit dem 4. Jh eine ganze Flut an theologischer Literatur erscheint, die sogenannten „Kirchenväter“, die als maßgebend betrachtet werden. Genaugenommen sind aber deren Schriften Zeugnisse einer bereits erfolgten, späten Wende.
Es kann nicht angehen, dass wir eine mögliche Verfremdung in früher Zeit, die aber bereits ein Vierteljahrtausend Christentum hinter sich hatte, einfach als ein Faktum hinnehmen, das „Wahrheit“ beweisen soll, die Widersprüche zu den Textzeugnissen des NT und der ganz frühen Schriften  ignorieren oder überlagern mit Fabeleien und auf diesen schwankenden Boden bis heute und immer intensiver neue theologische Theorien abstützen.
Häufig wird gesagt, Cyprian von Karthago (+ 258) „beweise“ mit seinem 63. Brief, dass man von Anfang an die Eucharistie als „Messopfer“ verstanden habe.[xxvii] Nun beweist dieser Brief bei genauerem Hinsehen trotz der Opferterminologie weniger, als es den Anschein hat, zumal er sich gegen eine fehlerhafte Eucharistiepraxis in Afrika wendet, bei der anstelle von Wein nur noch Wasser verwendet wurde. Insgesamt jedoch entsteht in diesem langen Schreiben des 3. Jh der Eindruck, dass Cyprian das eucharistische Opfer als Dankopfer und Gedächtnismahl versteht, dessen Gestalten „Darsteller“ des Leibes und Blutes Christi sind, und dies gewissermaßen „punktgenau“, was er aufgrund alttestamentlicher Hinweise ausführlich nachzeichnet. Mit keinem Wort aber identifiziert er Brot und Wein wesenhaft iS der späten Transsubstantiationslehre mit dem buchstäblichen Leib und Blut Christi. Bei Sätzen wie „Auch bei der Vollendung und Erfüllung dieses Vorgangs hat der Herr Brot und den mit einer Weinmischung gefüllten Kelch dargebracht und er, der die Fülle (der Wahrheit) ist, hat das nur bildlich Angedeutete verwirklicht“[xxviii] geht eindeutig hervor, dass Cyprian die Gestalten von Brot und Wein für „nur bildliche Andeutung“ (in der israelitischen Pessachtradition) eines wesentlich Größeren hielt, das in Christus erfüllt ist und darum auch für sich selbst steht und nicht erneut bildlich angedeutet werden müsste.
Nun ist aber die Zeit schon weit fortgeschritten um die Mitte des 3. Jh, und Meinungen eines Bischofs aus Afrika können ohnehin kein „Beweis“ für eine „ursprünglich gemeinte“ Auffassung und Praxis sein, noch dazu, wo er gegen eine verbreitete nordafrikanische Praxis anschreibt, über deren Herkunft und Begründung wir im Ungewissen sind. Seine Ausführungen sind schlicht ein Zeugnis einer Auffassung in der Leitung einer Kirchenprovinz, geben aber über die Qualität dieser Meinung kaum mehr als eine selbstreferentielle Antwort. Die in der Kirche übliche tautologische Argumentationsweise ist philosophisch schwerlich haltbar. Warum sollte ein bestimmter Bischof mehr rechthaben als andere, oder woher wissen wir, dass er vor allen anderen mehr recht hatte? Nur weil sein Zeugnis noch existiert, das der anderen aber nicht mehr und wir nicht einmal mehr sachgemäß nachprüfen können, was diese anderen aus ihrer eigenen Sicht taten und dachten?
Für die frühe, allzu frühe Realität dieser Problematik spricht , dass bereits Paulus sie anspricht und beklagt: die „elementa egena“ dringen ein in die Gemeinde und verunstalten von Anfang an die „ecclesia Dei“, die Bürgerversammlung Gottes, eine Versammlung der Freien, und wollen sie abtrünnig machen und zurückführen in die Knechtschaft.
„Religio“ ist dem Wesen nach eine formelle Sklaverei, die sich das Numinose ebenso sehr vom Leib hält wie sie es zu kontrollieren versucht und vereinnahmen will. Für die Christen müsste aber gelten, dass „ipsa creatura liberabitur a servitute corruptionis in libertatem gloriæ filiorum Dei“ — „die Schöpfung befreit wird aus der Sklaverei der Zerrüttung zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes“ (Röm 8, 21).
Wenn Religion bedeutete, als ein solcher Sklave dem Numinosen in Kulten und Ritualen zu dienen, selbst aber „korrumpiert“ zu bleiben, „zerrüttet“, dann ist eine solche religiöse Praxis immer Äußerlichkeit, gleitet am schwindenden, dahinfahrenden Menschen ab, steht ihm entgegen, gaukelt ihm auf ästhetischer Ebene als Sterblichem im Vergänglichen Zugriff auf die Transzendenz zu und vereinnahmt ihn doch nur zu einem neuen und am Ende trostlosen Sklavendienst. Das „Edlere“ und weniger Verfallsanfällige unter den materiellen Gaben verwechselt er mit der Ewigkeit Gottes. Und die Menschheit zerteilt er in „Göttliche“ und „weniger Göttliche“. Sein Herz muss leer bleiben, während sein Mund und seine Hände Religiöses vollbringen. Wenn er Opfer darbringt, muss ihm aufgehen, dass seine Religion Leben zerstört, weil das Leben bereits zerrüttet ist. Religion schafft in der unvollkommenen und korrumpierten Schöpfung eine Vergrößerung der Distanz zu allem Göttlichen. Es bindet an eine imaginierte, keine reale Transzendenz und wirft den Menschen zurück in seine Nichtigkeit angesichts der gewaltigen geistigen Welt, der er sich gegenüber sieht und von der er nichts weiß. Es ist deutlich, dass auch der Glaube Israels trotz des göttlichen Heilsansatzes mit seinem Gesetz ein solcher Sklavendienst bleiben musste, auch wenn er die zentrale und gewisse Aussicht auf Erlösung enthält. Paulus sagt uns, was der Glaube der Christen ist und was nicht. Der Glaube der Christen kann keine Religion sein, keine erneute Sklaverei. Er besteht aus Sehnsucht, fester Zuversicht, Hoffnung, und einer „Erstlingsgabe“, der Gabe des NT, die ich nun schon so oft und immer wieder entdeckt habe: der Gabe des Hl. Geist, des Geistes der Freiheit. Des Geistes, den die Kirche ausgetauscht hat durch eine erneute „servitas“ im eucharistischen Kult, der eine schizophrene Verbindung der leeren Religion mit dem wahren Glauben versucht.

„19 Denn die Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes.
20 Gewiss, die Schöpfung ist der Nichtigkeit unterworfen, nicht aus eigenem Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat, auf Hoffnung hin:
21 Denn auch sie, die Schöpfung, soll von der Knechtschaft der Vergänglichkeit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes.
22 Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt.
23 Aber nicht nur das, sondern auch wir, obwohl wir als Erstlingsgabe den Geist haben, auch wir seufzen in unserem Herzen und warten darauf, dass wir mit der Erlösung unseres Leibes als Söhne offenbar werden.“ (Röm 8)

Das „mysterium iniquitatis“ (2. Thess 2, 7), das Geheimnis des Bösen, wirkt der Freiheit entgegen, treibt allzu leicht zurück in die Knechtschaft. Es ist alleine schon aufgrund der NT-Aussagen unhaltbar zu glauben, es sei jahrhundertelang in der Ebene der selbsternannten (!) „Hirten“ alles zum Besten gestanden und man könne sich auf deren Meinungen verlassen. Dass dem nicht so war von Anfang an, beklagt nicht nur Paulus, sondern auch Johannes. Die „Antichristen“, schrieb er klar und deutlich, gehen von ihnen selbst, also aus der Mitte der Apostel und früheren Zentralgestalten der Christenheit, aus:

„18 Meine Kinder, die letzte Stunde ist da. Ihr habt gehört, dass der Antichrist kommt, und jetzt sind viele Antichriste aufgetreten. Daran erkennen wir, dass die letzte Stunde da ist.
19 Sie sind aus unserer Mitte gekommen, aber sie haben nicht zu uns gehört; denn wenn sie zu uns gehörten, wären sie bei uns geblieben. Es sollte aber offenbar werden, dass sie alle nicht zu uns gehören.“ (1. Joh 2)

Zu glauben, dass eine staatlich geförderte und gehätschelte „Kirche“, die bestimmte Personen und gedankliche Richtungen, die Zweifel bekommen und Fragen stellen, ausschließt und verjagt wie Schadenszauberer, selbst rein bleibe, ist mehr als unvorsichtig und naiv. Die eindringliche Warnung des NT vor den Irrlehrern würde sich erübrigen, wenn man nur immerzu auf die „Kirche“ hören müsste bzw deren Machthaber, die uns schon sagen, wer die Bösen und wer die Guten sind.
Es ist kaum zu glauben, aber man hat die römische Christenheit tatsächlich auf eine so absurde Ansicht konditioniert. Jesus, Paulus, Johannes hätten sich demnach ganz umsonst Sorgen gemacht, denn schließlich werden ihre „Stellvertreter“ ja allezeit das Rechte verkünden. Warum Jesus klar bezeugte, dass am Ende ein heillose Verwirrung sei, so heillos, das keiner mehr gerettet werden könnte, wenn die Zeit nicht verkürzt würde (Endzeitreden Jesu Mt 24, 21ff; Mk 13, 19ff; Lk 21, 7ff), mag man sich angesichts einer solchen Großsprecherei seitens der Kirchenhierarchie fragen. Wenn Jesus schon seinen Zuhörern sagt: „Gebt Acht, dass man euch nicht irreführt“ (Lk 21, 8), dann besteht diese Gefahr nicht so sehr außerhalb, sondern vor allem innerhalb der Kirche, erfordert einen mündigen, gebildeten Christen und nicht diesen Leibeigenen der Hierarchie, zu dem der Gläubige nicht zuletzt aufgrund einer fragwürdigen Theologie der Eucharistie gemacht worden ist.
Die Widersprüchlichkeit der verschiedenen Lehren der Hierarchen über die Jahrhunderte weg, die zahlreichen Schismen, aber auch die aktuellen Zerwürfnisse seit dem Vaticanum I und II sprechen ihrerseits eine klare Sprache, denn diese Zerwürfnisse haben triftige Gründe: Viele sehen auch heute die angebliche Einheit der Lehre nicht mehr gewahrt, etwa die Altkatholiken, die Piusbruderschaft oder verschiedene sedisvakantistische Gruppen. Wie immer man zu diesen Gruppen theologisch stehen mag, ist doch ihre Existenz, die zu immer neuen Spaltungen geführt hat und führt, Zeugin einer großen geistigen Verwirrung, die nicht durch diese Menschen, sondern durch die Kirche mit ihren ständigen dogmatischen und katechetischen Neuerungen ausgelöst worden ist, angesichts derer die „älter Sozialisierten“ ihre Glaubenswelt, der man bis vor wenigen Jahrhunderten, als man es noch leichter konnte, öffentlich sogar Menschen geopfert hatte, nicht mehr verstehen. Warum aber glauben einfache Menschen, wenn es mit ihnen recht steht, ein solcher Machtapparat, der eine solche Blutspur durch die Geschichte zieht, könne im Ernst der „fortlebende Christus“ sein? Warum habe ich das geglaubt? Man hat uns immer wieder erklärt, wir seien eben alle „nur Menschen“, und wo Menschen seien, da „menschle“ es eben, und Gott wisse schon, wem er seine Kirche anvertraut habe. Und wer Anstoß nehme an den hierarchischen Mordbrennern der Geschichte und Gegenwart sei eben selber nur hochmütig und halte sich selbst für etwas Besseres oder wolle sein armes Menschsein überschreiten. Mit einer solchen Auskunft stellt man Gewalttäter denen gleich, die sich für Christus selbst hingegeben haben und um Christi willen von jeder bösen Tat und jedem bösen Gedanken frei bleiben wollen. Und man unterstellt Gott, seine Erlösung sei null und nichtig angesichts des „menschelnden Menschen“ und Christen könnten sich aufführen wie Teufel, weil sie eben „nur Menschen sind“. Gott habe demnach seine Kirche den Teufeln übergeben und wisse schon, was er tue. Nun plötzlich ist nicht mehr von den starren „Früchten“ und „Gaben“ des Hl. Geistes die Rede, die immerhin so etwas wie Barmherzigkeit oder Friedfertigkeit enthalten müssten und durch das angebliche Sakrament der Firmung doch im irgendwann einmal Gefirmten, noch dazu, wenn er Kleriker wurde, vorhanden sein müssten, und die man durch obsessiven Kommuniongang, ständiges Beichten und beständigen Genuss der „Seelenspeise“ doch leicht hervorbringen müsste, noch dazu wenn man ein Hierarch ist, der doch in der Weihe ein sakramentales „Wesensmerkmal“ eingeprägt bekommen haben soll, das ihn Christus ähnlicher macht als der normale Gläubige es je sein könnte. Nun plötzlich setzt dieselbe Kirche, die in Trient leugnete, dass man aufgrund des Glaubens selig wird, den Glauben wieder ganz hoch an — die Werke mögen gerne teuflisch sein, aber dennoch soll man glauben, dass es sich mit den Tätern und der Kirche, die sie als „Stellvertreter Christi“ mit ihrem geringelten Hirtenstab anführen, schon recht verhalte. Wer müsste sich da bei klarem Verstand nicht fragen, was das für ein „Christus“ ist, der hier „vertreten“ wird…
Welch eine blasphemische und leere, welch eine gottlose und anmaßende Sicht der Dinge. Sie könnte nicht trostloser sein!

Was spricht angesichts dieser Öde der erbärmlichen „Kleider machen Leute“-Logik dagegen, dass Jesus Christus, der echte Christus, realpräsent ist, wenn sich „zwei oder drei in seinem Namen versammeln“ — ohne Kult, ohne Hokuspokus, ohne Kleider, Weihen oder Titel? Und welcher Reichtum besteht darin, wenn diese, die sich versammeln, wirklich diesen Hl. Geist als „Anzahlung“ oder „Erstlingsgabe“ in sich tragen und inwendig bereits in dieser „libertas gloriae filiorum Dei“ leben? Was bedarf es da noch der Äußerlichkeiten und Rituale, der Sakramente und Formen, die die Nähe Gottes garantieren müssten? Der in den Versammelten wirkende Geist wird sich die ihm angemessene Form schon selbst mit ihnen schaffen. Die Versammlungen solcher „Kinder Gottes“ sind Zusammenkünfte der Wartenden. Sie warten noch mit der ganzen Natur und Schöpfung auf die Erlösung des Leibes und das Offenbarwerden ihrer Kindschaft.
Man wird mir entgegenhalten, dass darauf schon viele gesetzt hätten, aber auch in solchen Zusammenkünften sich derselbe Ungeist „dezentral“ eingenistet habe wie er „zentral“ im Machtapparat der Kirche wirke.
Das ist ein Faktum, das ich sehe und das mich nur zu einem Schluss führen kann: Es kann keine ungefährdete christliche „Institution“ geben. Sobald der Ort oder die Organisation Christus garantieren soll, ist es aus, und man kann warten, wann ein solches Werk korrumpiert ist.
„Kirche“ gibt es weder auf Vorrat noch auf Planung hin. Es ist wie mit dem Manna in der Wüste: es ist immer nur für einen Tag gedacht. Wer es heimlich aufhob und speicherte, fand am Morgen verfaultes Brot vor. Gott gab am nächsten Tag erneut, was zum Leben notwendig war (Ex 16, 19f). Dementsprechend sagte Jesus — und warum sollte das nicht auch für die Seinen in dieser Fremde gelten:

„33 Sucht aber zuerst sein Reich und seine Gerechtigkeit; dann wird euch alles andere dazugegeben.
34 Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug an seiner eigenen Plage.“ (Mt 6)

Warum haben wir das Vertrauen aufgekündigt, dass das genau so auch für die Kirche gilt? Schon im Prophetenbuch Jesaja wird geschaut, wie die wahre Kirche leben wird bei ihrem Auszug aus „Babel“:

„8 Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege - Spruch des HERRN.
9 So hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege und meine Gedanken über eure Gedanken.
10 Denn wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, ohne die Erde zu tränken und sie zum Keimen und Sprossen zu bringen, dass sie dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen,
11 so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, ohne zu bewirken, was ich will, und das zu erreichen, wozu ich es ausgesandt habe.
12 In Freude werdet ihr ausziehen und in Frieden heimgebracht werden. Berge und Hügel brechen vor euch in Jubel aus und alle Bäume auf dem Feld klatschen in die Hände.
13 Statt Dornen wachsen Zypressen, statt Brennnesseln Myrten. Das geschieht zum Ruhm des HERRN zum ewigen Zeichen, das niemals getilgt wird.“ (Jes 55)

Der Glaube an Jesus Christus ist im wahrsten Sinne des Wortes für den Christen eine freie Improvisation. In jeder Minute wird ihm durch die „Erstlingsgabe“ des Hl. Geistes gegeben, was er ist und tun soll.


[i] Alexander Hislop: The Two Babylons; or, the Papal Worship proved to be the worship of Nimrod and his wife, Edinburgh 11853, 21858
[ii] Hubertus Mynarek führt dies in einem Vortrag auf dem 2. Deutschen Humanistentag in Hamburg 2013 zB aus: https://www.youtube.com/watch?v=FT2T_2UCEOE , (abgerufen am 20.2.2018)
[iii] Odo Casel: Mysterientheologie. Ansatz und Gestalt. Regensburg 1986. S. 30
[iv] A.a.O.
[v] Vgl. Artikel zur Debatte um die „Flache Erde“
[vi] P. Johann Baptist Umberg SJ: „Mysterien“-Frömmigkeit?, in: Zeitschrift für Aszese und Mystik 1 (1926), S. 351—366)
[vii] A.a.O., S. 112
[viii] A.a.O., S. 112
[ix] A.a.O., S. 113
[x] A.a.O., S. 114
[xi] A.a.O., S. 116
[xii] A.a.O., S. 118
[xiii] Friedhelm Hoffmann: Uräus. In: Michaela Bauks, Klaus Koenen, Stefan Alkier (Hrsg.): Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet (WiBiLex), Stuttgart 2006 ff
[xiv] Der deutsche Publizist und Blogger Chaim Guski (*1978) hat eine eigene Website: http://www.sprachkasse.de/blog/ (12.5.2018)
[xv] Chaijm Guski: Gelobt sei die Schlange! Warum die Israeliten von den wilden Tieren angegriffen wurden und wie Gott sie geheilt hat. In: Jüdische Allgemeine, 21.6.2007
[xvi] Vgl. die gelehrte Arbeit Adolph Leopold Ritter von Wolfskrons: Der Bischofsstab, dessen liturgisch-symbolische Bedeutung und allmähliche Entwicklung seiner Gestalt. In: Mittheilungen der K.K. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale. S. 256—262. Wien 1857
[xvii] A.a.O.
[xviii] Klaus Koenen: Nechuschtan. März 2009. In: In: Michaela Bauks, Klaus Koenen, Stefan Alkier (Hrsg.): Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet (WiBiLex), Stuttgart 2006 ff. Link: http://www.bibelwissenschaft.de/de/wibilex/das-bibellexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/nehuschtan-1/ch/f94435bd5822c2c7c1063571316cae00/ (12.5.2018)
[xix] Adolph Leopold Ritter von Wolfskron: Der Bischofsstab, dessen liturgisch-symbolische Bedeutung und allmähliche Entwicklung seiner Gestalt. In: Mittheilungen der K.K. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale. S. 256—262. Wien 1857. S. 257
[xx] Ignatius von Antiochien: Brief an die Epheser. 1./2. Jh, a.a.O., S. 783
[xxi] Brief des Barnabas. In: Das Neue Testament und frühchristliche Schriften. Übersetzt und kommentiert von Klaus Berger und Christiane Nord. Frankfurt 2005. S. 283
[xxii] Der Erste Klemensbrief. A.a.O., S. 716
[xxiii] A.a.O., S. 723
[xxiv] Der Zweite Klemensbrief. A.a.O., S. 726
[xxv] Das Buch Elchesai. Vorbemerkung des Hg., a.a.O., S. 771
[xxvi] Als Beispiele seien genannt: Clemens von Rom, Papias von Hierapolis, Ignatius von Antiochien, Polycarp von Smyrna, Hermas, Justin der Märtyrer, Athenagoras von Athen, Aristides, Irenäus von Lyon, Melito von Sardes
[xxvii] Brief kann auf Deutsch nachgelesen werden in der digitalisierten „Bibliothek der Kirchenväter“: http://www.unifr.ch/bkv/kapitel2003-7.htm (abgerufen 8.3.2018)
Die Behauptung findet sich auch auf Wikipedia im Artikel über Cyprian: https://de.wikipedia.org/wiki/Cyprian_von_Karthago#Eucharistie (abgerufen am 8.3.2018)
[xxviii] A.a.O., 4. Kap.